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© dpa
27.05.2010

Euro 2008: Spanien bremst den deutschen Gipfelsturm

WIEN. Aus. Vorbei. Finale verloren. Die Spanier spielten im Rhythmus einer Flamenco-Gitarre und die Deutschen liefen aufgeregt hinterher: Ein Tor von Fernando Torres stoppte gestern Abend in Wien den deutschen Gipfelsturm.

Da standen sie und mussten zusehen, wie die Spanier feierten, wie sie den EM-Pokal in die Höhe reckten, ihn küssten und an sich drückten. Nach 44 langen Jahren des Wartens hat Spanien durch das 1:0 von Wien wieder einen großen Titel gewonnen. Verdient, gar keine Frage. Aber für die deutschen Verlierer war es bitter. Ihr großer Traum vom Endspielsieg ist gestern Abend im Ernst-Happel-Stadion geplatzt.

Bastian Schweinsteiger lag am Boden, die Hände vor dem Gesicht. Der Bundestrainer versuchte ihn zu trösten – es gelang nicht. Gleich nebenan warfen die spanischen Spieler ihren Trainer-Opa Luis Aragonés in die Höhe.

Die Mannschaft von Joachim Löw hatte gut begonnen. Die erste Viertelstunde gehörte ihr, dann aber kamen die zuvor in allen fünf EM-Spielen siegreichen Spanier mit Macht. In der 14. Minute konnte Torwart Jens Lehmann noch retten, als Christoph Metzelder eine Hereingabe gefährlich abgefälscht hatte. Beinahe ein Eigentor. In der 23. Minute landete ein Kopfball von Fernando Torres am Pfosten. Die spanische Sturmspitze hatte den 1,98-Meter-Schlaks Per Mertesacker einfach übersprungen. Spanien nahm die deutsche Abwehr immer wieder spielerisch leicht auseinander, vor allem über die Außenpositionen.

In der 33. Minute fiel der Führungstreffer. Linksverteidiger Philipp Lahm hatte ein Laufduell gegen Torres verloren, dessen Lupfer über Lehmann hinweg landete neben dem Pfosten im Tor. 0:1.

Und nun? Es wurde auf deutscher Seite nicht besser. Die Lücken blieben groß. Das Mittelfeld bekam die Partie nicht in den Griff. In der 35. Minute hätte David Silva das zweite Tor erzielen müssen, doch völlig frei drosch er den Ball weit übers Tor.

Nach der Halbzeitpause blieb Lahm in der Kabine. Eine Fleischwunde am linken Fuß musste genäht werden. Auf der Position des kleinen Münchners, der im Halbfinale gegen die Türkei fürs goldene Tor gesorgt hatte, verteidigte nun Marcell Jansen. In der 58. Minute griff Bundestrainer Joachim Löw zur Brechstange: Für Thomas Hitzlsperger kam mit Kevin Kuranyi eine zweite Spitze. Es fehlte einfach der Druck im Angriff. Miroslav Klose konnte alleine nichts bewirken.

Nach intensiven Beratungen mit Chefscout Urs Siegenthaler sprach der Bundestrainer vor der Partie davon, „einige Ideen“ entwickelt zu haben, „damit wir die spanischen Stiere ins Leere laufen lassen“. Doch es kam ganz anders. Die Spanier waren zu ballsicher, die Deutschen reagierten nur. Erst nach einer Stunde Spielzeit war plötzlich Schwung drin bei der DFB-Elf. Michael Ballack hatte das 1:1 auf dem Fuß, zog den Ball aber knapp vorbei. David Silva verpasste Lukas Podolski einen Kopfstoß. Michael Ballack reklamierte wütend, aber es gab keinen Platzverweis.

Dann zogen sich die Spanier am eigenen Schopf aus der Bredouille. 67.Minute: Kopfball Sergio Ramos, völlig frei im Strafraum, Lehmann rettet. 68. Minute: Ein Schuss von Iniesta, Frings bugsiert den Ball mit seinem rechten Knie von der Linie. Sekunden später: Wieder ein Schuss von Iniesta, Lehmann pariert.

Löw, der schließlich noch Mario Gomez für Klose brachte, hatte mehr als nur Kampf gefordert: „Wir brauchen auch die spielerische Komponente.“ Doch seine Elf war den Spaniern deutlich unterlegen, was die Spielkultur anging. Nicht einmal das Kopfballspiel, das sie als ihre Stärken angesehen hatten, brachte den Deutschen einen Vorteil. Spanien hielt den Ball flach. „Olé!“ riefen die spanischen Fans, als die Deutschen ausgespielt wurden.