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Das Archivbild vom 24.04.2001 zeigt den Serienstraftäter Mehmet vor dem bayrischen Verwaltungsgerichtshof in München.
Das Archivbild vom 24.04.2001 zeigt den Serienstraftäter Mehmet vor dem bayrischen Verwaltungsgerichtshof in München. © dpa
17.09.2012

Ex-Serienstraftäter "Mehmet" will wieder zurück

Der als jugendlicher Serienstraftäter bekannt gewordene „Mehmet“ will rund sechs Jahre nach seiner Ausweisung wieder nach Deutschland einreisen und die Aufhebung seines Haftbefehls erwirken. Der mittlerweile 28-Jährige war 2005 rechtskräftig wegen Körperverletzung zu 18 Monaten Haft verurteilt worden, war dann aber vor Strafantritt in die Türkei geflohen.

„Mehmet“ wolle nun ein Gnadengesuch einreichen, bestätigte sein Anwalt am Montag einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“. In der Türkei habe er in den vergangenen Jahren ein rechtschaffenes Leben geführt und keine Straftaten mehr begangen. Die Staatsanwaltschaft München I wollte sich erst nach Eingang des Antrags inhaltlich äußern.

Der Anlass für eine lang anhaltende öffentliche Debatte um Jugend- und Ausländerkriminalität in Deutschland war ein Rechtsstreit um den damals noch strafunmündigen Serienstraftäter „Mehmet“. Der in Bayern geborene Sohn türkischer Eltern hatte bereits vor seinem 14. Lebensjahr seine kriminelle Karriere weit vorangetrieben. Der junge Türke hatte mehr als 60 Diebstähle und Einbrüche, Erpressungen, Nötigungen, Raubüberfälle und gefährliche Körperverletzungen auf dem Kerbholz. Nachdem er einen Mitschüler krankenhausreif geschlagen und das bewusstlose Opfer ausgeraubt hatte, wurde er vom Amtsgericht München zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Monaten verurteilt.

Hans-Peter Uhl, Leiter des Münchner Kreisverwaltungsreferats, hält es „für durchaus denkbar, dass Mehmet eine Straftat bis hin zum Mord begeht“, schrieb SPIEGEL ONLINE im Jahr 2008. Aus diesem Grund wurde seine Aufenthaltserlaubnis von der Ausländerbehörde nicht verlängert. Ohne seine Eltern wurde „Mehmet“ schließlich zu Verwandten nach Istanbul abgeschoben. „Die Anordnung sei rechtswidrig“, sagten Kritiker. Ein Rechtsstreit begann.

Mit 19 Jahren kehrte der Türke nach Deutschland zurück. In der Zwischenzeit verbüßte er eine Bewährungsstrafe und holte seinen Hauptschulabschluss nach. Das Bundesverwaltungsgericht hatte die damalige Ausweisung mittlerweile doch für rechtswidrig erklärt. Es wurde still um den Ex-Serienstraftäter, bis im Sommer 2005 ein Hilferuf seiner Eltern bei der Polizei einging. Er habe sie erpresst, bestohlen, geschlagen und angeschrien: „Euer Tod wird aus meiner Hand kommen, ich bringe euch um, ich werde euch abstechen“.

Daraufhin erhielt der damals 21-Jährige eine Bewährungsstrafe von 18 Monaten, verbunden mit 100 Stunden Sozialarbeit. Außerdem musste er einen Anti-Aggressionskurs besuchen. Das war offenbar zu viel für „Mehmet“. Er floh zu seinem Onkel in die Türkei. Daraufhin verhängte ihm die Stadt München ein erneutes Einreiseverbot.

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