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14.01.2008

Fernöstliche Kampfkunst vor der Haustür

Eigentlich sieht er gar nicht so aus, als könnte er jeden Moment wild durch die Lüfte wirbeln. Nicht sonderlich kräftig gebaut, die dunklen Augen verschwinden fast hinter seinem schwarzen Haar. Eigentlich sieht Andreas Nguyen eher aus wie der nette Junge von nebenan. Doch sobald sich der 19-Jährige aus Pforzheim in Bewegung setzt, fällt das Bild von ihm.

Im Alter von 14 Jahren begann Nguyen mit Judo. Doch schon zwei Jahre später wechselte er zu dem Kampfsport, den er bis heute erfolgreich ausübt: Taekwon-Do. „Ich habe mich schon vorher sehr für Kampfsport interessiert, konnte mich aber nie dafür erwärmen, eine Schule zu besuchen“, so Nguyen. „Ich habe mich eher von Filmen inspirieren lassen. Das ist aber nicht zur Nachahmung empfohlen“, erzählt Nguyen und lacht. Mittlerweile ist er Mitglied beim PSG Pforzheim, wo er regelmäßig übt. Etwa viermal in der Woche trainiert der Nachwuchs-Kampfsportler Taekwon-Do, sowohl traditionelles, als auch Freestyle. Die erlernten und selbst choreographierten Techniken zeigt er schließlich im so genannten Formenlauf, der mit der Kür eines Bodenturners vergleichbar ist.

Kampfsport mit Tricks aufgelockert

„Im Freestyle-Formenlauf darf man sich die Figuren selbst ausdenken“, erklärt Nguyen, der letztes Jahr in dieser Disziplin deutscher Meister wurde (die PZ berichtete). Beim traditionellen Formenlauf hingegen sind die einzelnen Figuren vorgeschrieben, auf Tricks wird weitgehend verzichtet. „Bei Freestyle können aber Tricks eingebaut werden – Salti mit Kicks, Schrauben mit Kicks – wichtig ist aber, dass immer noch der Kampfsport erkennbar ist“, betont Nguyen.

Wenn Nguyen seine teils halsbrecherisch anmutenden Formenläufe zeigt, stellt sich Zuschauern zweifelsohne die Frage nach dem Verletzungsrisiko. Doch Nguyen wiegelt ab: „Kleine Verstauchungen kommen öfter vor, aber ernste Verletzungen sind selten. Natürlich kann auch dort etwas schief gehen, wenn man sich nicht vorbereitet, nicht warm ist“, sagt er. „Oder wenn man leichtsinnig ist, etwas riskiert, das man vorher noch nie geübt hat – das ist dumm.“

Berufswunsch: Stuntman

Seit einiger Zeit interessiert sich der 19-jährige auch für die Filmproduktion – mehrere, kurze Kampfvideos hat er bereits produziert. Vor zwei Jahren war Nguyen im Rahmen eines James-Bond-Wettbewerbs mit einem Stuntvideo sogar auf Pro7 zu sehen. Sein Berufswunsch scheint auf der Hand zu liegen: „Stuntman ist ein Beruf, den ich anstrebe“, sagt er. „Das ist nicht nur eine ungefähre Idee, das habe ich mir fest vorgenommen.“ Sobald er das Abitur am Heinrich-Wieland-Gymnasium abgeschlossen hat, will er direkt als Stuntman arbeiten, um praktische Erfahrung beim Film zu sammeln. Ein Angebot liegt bereits vor.

„Natürlich macht der Körper eines Stuntmans irgendwann nicht mehr mit“, weiß Nguyen. „Der eigentliche Berufswunsch wäre dann Stunt-Choreograph. So wie ich mir meine Choreographie für die Formen überlege, möchte ich die Kämpfe im Film choreographieren.“

Das Problem, dass seine Videos als gewaltverherrlichend angesehen werden könnten, sieht der Pforzheimer nicht. „Man kann nicht abstreiten, dass das Gewaltszenen sind“, gesteht er ein. „Aber ich versuche, meine Kurzfilme humorvoll zu gestalten, mit viel Witz. So, dass es weniger eine Gewaltdarstellung ist, sondern eine schöne Choreographie, bei der man lachen kann, die Spaß macht, sie anzusehen.“ Und was Nguyen beim Training und in seinen Videos auch anstellt – Spaß beim Zusehen macht es allemal.