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Fokus: Fachkräftesicherung - Menschen und Märkte verändern sich. Das Demographie Netzwerk Nordschwarzwald hilft, die Transformationsprozesse zu meistern. Foto: shock - Fotolia.com
Fokus: Fachkräftesicherung - Menschen und Märkte verändern sich. Das Demographie Netzwerk Nordschwarzwald hilft, die Transformationsprozesse zu meistern. Foto: shock - Fotolia.com © shock - Fotolia.com
14.12.2011

Fit für den Wandel

Wie kann unser Unternehmen in fünf oder zehn Jahren bei einer im Durchschnitt älteren Belegschaft und einem hohen Anteil älterer Beschäftigter über 60 Jahren innovativ, flexibel und produktiv auf die Anforderungen des Marktes reagieren? Diese Frage stellen sich gegenwärtig zahlreiche Unternehmer und Personalverantwortliche. Im Blick haben sie dabei die Bevölkerungsprognosen.

In Pforzheim, dem Oberzentrum der Region Nordschwarzwald, wird bei­spielsweise die Bevölkerungszahl auf den Zeitraum 2009 bis 2030 bezogen voraussichtlich um ca. vier Prozent zurückgehen, die Zusammensetzung der Altersgruppen wird sich jedoch spürbar verändern. So wird die Gruppe der 65- bis 79-jährigen um 31 Prozent und die der über 80-jährigen sogar um 66 Prozent gewachsen sein. Jeder zweite Bewohner von Pforzheim ist 2030 älter als 47 Jahre. In den Landkreisen wird der Bevölkerungsrückgang größer und der Anteil der älteren Menschen noch höher sein.

Wie können sich Unternehmen auf diese Entwicklung einstellen? Ein Ansatz liegt darin, die Potenziale älter werdender Mitarbeiter zu erkennen und bis zum Renteneintrittsalter mit passgenauen Maßnahmen rechtzeitig zu erhalten, zu fördern und auszubauen. Zugleich sollten Beschäftigtengruppen erschlossen werden, die bislang nicht auf dem Radar der Personalverantwortlichen aufgetaucht sind.

Ältere Beschäftigte als Aktivposten eines Unternehmens zu betrachten und als Leistungsträger wiederzuentdecken – daran müssen sich viele Personalverantwortliche erst gewöhnen. Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Leistungsfähigkeit eines Menschen weit weniger von dessen Lebensalter bestimmt ist als bislang angenommen. So behalten Ältere die Fähigkeit, sich normalen psychischen und physischen An­forderungen anzupassen. Konzen-trationsfähigkeit und Wissensgebrauch sind bis ins hohe Alter ebenfalls kaum begrenzt und die Lernfähigkeit muss kaum schlechter sein als bei Jüngeren.

In vielen „Disziplinen“, die in modernen Dienstleistungs- und Wissensgesellschaften unverzichtbar sind, liegen sogar die Stärken vieler älterer Beschäftigter. So sind die kommunikativen Fähigkeiten bei Älteren oft besser ausgeprägt. Lebens- und Arbeitserfahrung erleichtern es ihnen, bei komplexen Sachverhalten den Überblick zu behalten. Zudem wissen Ältere ihre eigenen Möglichkeiten und Grenzen präziser einzuschätzen und können auf dieser Basis Entscheidungen fundierter vertreten und angemessen umsetzen.

Sich für den demographischen Wandel fit zu machen, heißt aber nicht nur, Ältere wieder ins Berufsleben einzugliedern oder alle Mitarbeiter für das lebenslange Lernen zu gewinnen, sondern auch ihre Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten und ihre Bindung an das Unternehmen zu sichern.

Folgende Maßnahmen in den Unternehmen leisten dazu einen wertvollen Beitrag:

- Analysieren Sie die betriebliche und bereichsspezifische Altersstruktur, um unausgewogene Altersverteilungen und daraus resultierende Problemfelder rechtzeitig zu identifizieren

- Führen Sie altersgemischte Teams ein, um frühzeitig die Übertragung von Erfahrungen und Wissen künftig ausscheidender Mitarbeiter auf ihre Nachfolger zu gewährleisten

- Entwickeln Sie angepasste und erweiterte Rekrutierungs- und Personalentwicklungsstrategien zur Ausschöpfung der Arbeitsmarkt­reserven

- Stellen Sie die Attraktivität Ihrer Arbeitsplätze heraus; nur wer künftig auf dem Markt als attraktives Unternehmen wahrgenommen wird, hat eine Chance, die besten Talente anzulocken und zu halten - Bauen Sie Vorurteile über die Leistungsfähigkeit Älterer ab und nutzen Sie die Erfahrung Älterer auch in Innovationsprojekten, um qualifikatorische Sackgassen zu vermeiden

- Bieten Sie älter werdenden Beschäftigten eine Entwicklungsperspektive, etwa durch eine lebensphasenorientierte Laufbahngestaltung

Um den vielfältigen Herausforde­rungen des demographischen Wan­dels erfolgreich zu begegnen, hat sich 2006 „Das Demographie Netzwerk“ (ddn) gegründet. Der Verein als Netzwerk von Unternehmen für Unternehmen umfasst inzwischen über 370 Mitglieder aller Branchen mit Personalver­antwortung für über zwei Millionen Beschäftigte.

Auch die Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald bringt ihr Know-How im ddn ein und fördert den Aufbau eines regiona-len Demographie Netzwerks Nordschwarzwald. Dieses lebt von der Zusammenarbeit und dem Austausch erprobter Lösungen.

In insgesamt 11 Facharbeitskreisen und 16 Regionalnetzwerken begeben sich die Mitglieder in einen gemeinsamen Lern-, Vergleichs- und Weiterentwicklungsprozess auf dem Weg zur demographiefesten Organisation.

Die Handlungsfelder des vom Bun­desarbeitsministeriums geförderten Vereins umfassen Themen wie Gesundheit, Personalentwicklung, lebenslanges Lernen oder Führung und Unternehmenskultur. Kongresse, Online-Plattformen sowie Experteninput gehören zu den Elementen des strukturierten Erfahrungsaustauschs.

Weitere Informationen unter www.demographie-netzwerk.de