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Bernd Zilly, Vorsitzender der Pforzheimer FW/UB/LBBH-Gemeinderatsfraktion.
Kommunalpolitik Zilly
02.02.2008

Flussufer erlebbar machen

Die Fraktionsgemeinschaft aus Freien Wählern (FW, drei Sitze), Unabhängigen Bürgern (zwei Sitze) und Liste BürgerBeteiligungsHaushalt (ein Sitz) hat mit sechs Sitzen ein beachtliches Gewicht im Pforzheimer Gemeinderat. Für sie erklärt Bernd Zilly (FW), in welche Richtung sich Pforzheim entwickeln sollte.

Wo liegen die Stärken von Pforzheim?

Bernd Zilly: Pforzheim liegt landschaftlich sehr schön am Rande des Schwarzwaldes und ist geprägt durch die drei Flüsse mit ihrer abwechslungsreichen Tal-Landschaft. Als kleinere Großstadt ist sie überschaubar, ohne provinziell zu wirken. Pforzheim ist eine Stadt der kurzen Einkaufswege mit vielfältigem Angebot für alle Wünsche. Sowohl Pforzheim wie auch seine Umgebung weisen hohe Urlaubsqualität auf. Dazu trägt neben den vielen eigenen Sehenswürdigkeiten auch die relative Nähe und Anbindung zu sehenswerten Städten, wie etwa Baden-Baden, Heidelberg oder Tübingen, und den vielfältigen Naherholungsgebieten wie Schwarzwald, Stromberg, Pfalz und Elsaß bei.

Die Stadt bietet ein vielfältiges Kulturspektrum mit Dreispartentheater, Südwestdeutschem Kammerorchester, Schmuckmuseum, Technischem Museum, Schmuckwelten sowie Kulturhaus Osterfeld, Puppenbühne und vielem mehr.

Durch die Traditionsindustrien Schmuck, Uhren und Maschinenbau besitzt Pforzheim ein reichhaltiges Potenzial an hervorragend ausgebildeten Fachkräften in den Bereichen Feinwerktechnik, Mikromechanik, Schmuck und Gestaltung. Pforzheim hat eine international renommierte Fachhochschule und ist ein vielfältiger, attraktiver Schul- und Ausbildungsstandort.

Wir können stolz sein auf unsere Bürger, die mit Tatkraft und Kreativität den Wiederaufbau geleistet haben und deren Geist sich auch heute in besonderem bürgerschaftlichen Engagement auszeichnet, wie der Verein „Pforzheim mitgestalten“, aber auch die Vesperkirche beispielhaft zeigen.

Wo liegen die Schwächen von Pforzheim?

Bernd Zilly: Durch die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg verfügt Pforzheim über kein historisches Stadtbild. Pforzheim hat bedingt durch die Tal-Lage erhebliche Probleme mit dem Durchgangsverkehr von drei Bundesstraßen, die durch die Innenstadt führen. Zu beklagen ist die mangelnde Anbindung ans internationale und überregionale Schienennetz.

Die wie bei vergleichbaren Städten hohe Verschuldung engt die Entwicklungsmöglichkeiten der Kommune ein. Leerstände von Ladenimmobilien wurden durch Handelsansiedlungen am Stadtrand begünstigt. Die Sogwirkung der benachbarten Großstädte macht dem Einzelhandel Probleme. Die - historisch bedingt - einseitig ausgerichtete Wirtschaft ist stark konjunkturanfällig.

In welche Richtung sollte sich Pforzheim entwickeln?

Bernd Zilly: Wir wollen Pforzheim auch als moderner Stadt ein gemütliches Flair verschaffen. Hierzu sollten die Ufer unserer drei Flüsse noch besser gestaltet und begeh- sowie erlebbar gemacht werden. Die beiden fußläufigen Bereiche Innenstadt und Flussufer sollten besser miteinander verbunden werden.

Die nur stückweise beschlossene Westtangente muss zügig bis ins Nagoldtal weitergeführt werden, damit Pforzheim zusammen mit der Autobahn über eine weitgehende Umfahrung verfügt. Neben dem Busverkehr sollten ausreichend Stadtbahnhaltepunkte geschaffen und eine bessere Anbindung an den Schienenfernverkehr erreicht werden. Innerstädtisch sollte ein Verkehrsring einen besseren Verkehrsfluss sowie eine Verkehrsentlastung der Innenstadt bewirken.

Pforzheim sollte Gewerbegebiete speziell für produzierendes Gewerbe erschließen. Im Bereich Medizintechnik und Mikromechanik könnte Pforzheim aus den Erfahrungen der Traditionsindustrien profitieren. Eine engere Verzahnung der Verwaltung mit der Hochschule und der Wirtschaft könnte dazu beitragen, die Stadt attraktiver zu machen und Studenten näher an die Stadt zu binden.

Die Stadtplanung sollte bürgerschaftliches Engagement besser einbinden.