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Der zähe Kampf gegen die Fluten: In Sachsen-Anhalt sollen noch am Samstag zwei Schiffe versenkt werden, um ein Loch im Deich zu stopfen. Währenddessen ist im Norden leichte Entspannung angesagt.
Der zähe Kampf gegen die Fluten: In Sachsen-Anhalt sollen noch am Samstag zwei Schiffe versenkt werden, um ein Loch im Deich zu stopfen. Währenddessen ist im Norden leichte Entspannung angesagt. © dpa
15.06.2013

Flut: Panzersperren und zwei Schiffssprengungen sollen Deiche schließen

Fischbeck/Magdeburg/Lauenburg (dpa) - Die Bedrohung durch das anhaltende Hochwasser hat die Rettungskräfte in Sachsen-Anhalt zu einer ungewöhnlichen Aktion veranlasst: Im Laufe des Samstags sollen bei der Ortschaft Fischbeck bei Stendal zunächst Panzersperren am Grund verankert und dann zwei antriebslose Lastkähne gesprengt und versenkt werden.

Sie sollen zusammen mit aus der Luft abgeworfenen Sandsäcken die Lücke im Deich schließen. Nach Angaben des Krisenstabs der Landesregierung in Magdeburg gibt es keine Gewissheit, dass die Aktion gelingt.

Durch den Deichbruch bei Fischbeck strömen seit Tagen Wassermassen der Elbe ins Hinterland. Noch immer sind es nach Angaben des Krisenstabs mehrere hundert Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Inzwischen sei Schätzungen zufolge eine Fläche von rund 200 Quadratkilometern überflutet. Zahlreiche Ortschaften mussten evakuiert werden, viele davon stehen inzwischen unter Wasser.

Erst am Morgen ordnete der Krisenstab die Evakuierung der Ortschaften Jederitz und Kuhlhausen an. Die Bewohner wurden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Da der Wasserpegel nach dem Deichbruch bei Fischbeck in der Region weiter steige, müsse mit einer Überflutung der Orte gerechnet werden.

Ein Teil des Saaledeichs bei Breitenhagen (Salzlandkreis) ist am Vormittag gesprengt worden. Damit wurde ein Loch im Deich vergrößert, damit das Hochwasser aus den überfluteten Gebieten besser in die Saale zurückfließen kann. Je nach Ergebnis könne eine zweite Sprengung erfolgen, hieß es.

Wenn die Pegelstände von Saale und Elbe weiter sinken, soll auch das Schöpfwerk in Aken (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) die Arbeit wieder aufnehmen, um weiteres Wasser aus den überfluteten Gebieten abzupumpen.

Entwarnung dagegen im schleswig-holsteinischen Lauenburg: Die ersten von rund 300 Bewohnern konnten in die evakuierte Altstadt zurückkehren. Begleitet von Statikern, Versorgungsfachleuten und Notfallseelsorgern konnten sie ihre Wohnungen und Häuser auf Schäden hin inspizieren, wie es vom Krisenstab in Lauenburg hieß. Wer wolle, könne auch in seiner Wohnung bleiben. Der Strom soll allerdings erst am Sonntag wieder angeschaltet werden.

Die Pegelstände sind in der Nacht zum Samstag dort weiter gesunken. Am frühen Samstagmorgen lag er in Lauenburg bei 9,11 Metern, wie ein Sprecher des Krisenstabs mitteilte. Der Wasserstand am Pegel Hohnstorf am gegenüberliegenden Elbufer lag am frühen Samstagmorgen bei 9,08 Meter. In der Nacht zum Freitag war er noch rund 20 Zentimeter höher. Die Elbbrücke nach Lauenburg sei seit am Morgen für den Verkehr wieder geöffnet worden.

Aus Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen hieß es, dass die Stadtinsel Hitzacker voraussichtlich am Abend auch von Besuchern wieder betreten werden dürfe. Dort war die Evakuierung der Insel bereits am Freitagmorgen aufgehoben worden. Entwarnung für das Elbe-Hochwasser in Niedersachsen gibt es allerdings noch nicht. An vielen Pegeln seien die Wasserstände noch ähnlich hoch wie bei den Hochwassern 2002 und 2011, hatte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bereits am Freitag erklärt.

Auch die Pegelstände in Dömitz und Boizenburg (Mecklenburg-Vorpommern) sind gesunken. Die Nacht sei zwar ohne besondere Vorkommnisse geblieben, die Situation bleibe aber angespannt, sagte ein Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Die aufgeweichten Deiche seien sehr anfällig und würden intensiv kontrolliert. Es gebe Sickerstellen, wo Wasser durch den Deich drücke. Diese würden mit Folie und Sandsäcken abgedichtet. Etwa 2000 Helfer seien deshalb weiter in Bereitschaft oder im Einsatz.