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Zugunglück Polen © dpa
04.03.2012

Frontalzusammenstoß zweier Züge in Polen

Warschau. Zwei Personenzüge sind in Südpolen auf demselben Gleis frontal zusammengeprallt. Mindestens 16 Menschen kamen ums Leben, weitere 58 Menschen wurden nach Angaben der Behörden bei dem Unfall am Samstagabend verletzt. Das sechzehnte Todesopfer wurde erst am Sonntagnachmittag in einem der völlig zerstörten Waggons entdeckt, wie die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtete. In beiden Zügen hatten zusammen rund 350 Passagiere gesessen.

Innenminister Jacek Cichocki befürchtete, dass sich die Zahl der Toten noch erhöhen könnte. «Es gibt Anzeichen dass sich noch mindestens eine Leiche im vorderen Teil eines der Züge befindet», sagte Cichocki. «Wir können nicht ausschließen, dass sich dort noch andere Opfer befinden.» Auch der Zustand von etwa 30 Verletzen ist Medienberichten zufolge kritisch.

Das Unglück hatte sich gegen 21.00 Uhr in der Nähe der Stadt Zawiercie ereignet. Der Zug Przemysl-Warschau war frontal mit dem Zug Warschau-Krakau zusammengestoßen. Auf dem Nachbargleis gab es Reparaturarbeiten. Es war zunächst unklar, warum einer der Züge falsch umgeleitet wurde. Unter den Verletzten waren auch mehrere ukrainische Reisende. An Bord waren außerdem französische und spanische Passagiere. Sie blieben unverletzt.

«Es gab keine Notbremsung, es gab nur den Aufprall. Plötzlich wurde es finster und der Zug stoppte», berichtete der Reisende Dariusz Wisniewski dem Fernsehsender TVN 24. «Als wir ausstiegen, sahen wir was passiert war. Wir sahen die Verletzten und die Toten. Ich konnte es gar nicht glauben.»

Die Bewohner eines nahe gelegenen Dorfes waren die ersten Helfer am Unfallort und halfen, die Verletzen aus den entgleisten Waggons zu bergen. Später versorgten sie die Passagiere auch mit Decken und heißen Getränken. «Wir sahen viele Menschen, die im Zug gefangen waren», sagte ein Helfer der PAP. «Wir versuchten, die Fensterscheiben einzuschlagen, damit sie es leichter hatten.»

An der Unglücksstelle arbeiteten die ganze Nacht etwa 450 Feuerwehrleute und 100 Polizisten. Mit Spürhunden suchten die Rettungskräfte in den Trümmern der Waggons fieberhaft nach Überlebenden. Zur Versorgung der Verletzten wurden beheizte Zelte errichtet. Neben Krankenwagen waren auch Hubschrauber im Einsatz. «Dies ist die tragischste Katastrophe seit Jahren», sagte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk, der noch in der Nacht zur Unfallstelle geeilt war. «Unser Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Familien.»

Präsident Bronislaw Komorowski besuchte am Sonntag die Verletzten im Krankenhaus in der Stadt Sosnowiec. Er wisse aus eigener Erfahrung wie wichtig der Kontakt zur Familie sei, sagte er den Angehörigen von zwei verletzten Frauen. «Die Dinge können nun nur besser werden. Ich wünsche Ihnen allen das Beste», sagte Komorowski. Später besuchte der Präsident auch den Unfallort. Sobald die Waggons von den Gleisen entfernt seien, werde eine Nationaltrauer angeordnet, kündigte er an.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle übermittelte das Mitgefühl und die Anteilnahme der Bundesregierung. «Wir trauern mit den Angehörigen der Opfer und wünschen den Verletzten eine rasche Genesung», so der Minister. dpa