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07.03.2008

Früh übt sich, wer Beziehungsmeister werden will!

Wo ich gehe und stehe, ob in unserem beruflichen oder privaten Umfeld stoße ich leider vermehrt auf Beziehungsstörungen- zwischen Paaren, Freunden, zwischen Alt und Jung und Menschen unterschiedlicher Herkunft… Ich habe nicht nur einen Traum, sondern eine Idee, wie wir vorbeugen könnten!

Beim Zusammensein oder Telefonieren mit Freunden und Bekannten fällt mir auf, dass immer mehr über Mord und Totschlag, Raufereien, Mobbing, Konflikte, Scheidungen gesprochen wird als über schöne gemeinsame Erlebnisse und interessante Pläne und Visionen. Um den leidenden Leuten gedanklich aus ihren verhärteten Fronten herauszuhelfen, rufen wir dann nach Beratern, Mediatoren, eben nach Hilfe von außen, von „oben“, von der Justiz…

Auch das Anschauen von Polit-Talkshows wird für mich inzwischen überschattet von der unkameradschaftlichen, undemokratischen Art, mit der die meisten Politiker miteinander umgehen. Hätten doch „ Hänschen“ und Mariechen, oder wie sie alle heißen mögen, bloß früh genug demokratisch kommunizieren gelernt, dann könnten Hans und Maria etc. diese Fertigkeit inzwischen anwenden und rechtzeitig partnerschaftlich verhandeln, damit es nicht erst zum Rieseneklat kommen muss!

Neulich, Jahre nach ihrer Scheidung, nach weiteren Beziehungspleiten und länger dauernder Psychotherapie, seufzte eine alte Freundin von mir: „ Mit dem Wissen von heute könnten mein Ex-Mann und ich eigentlich immer noch zusammen sein. In Wirklichkeit hatten wir in unserem Fall ja bloß eine der typischen Krisen, aber außer biologisch waren wir nun gar nicht aufgeklärt, wussten nichts über Beziehungsfragen und bessere Kommunikation…“ Wie viele von uns wussten sie selbst mit Ende zwanzig zu wenig von der Entwicklungspsychologie, von Lebens- und Ehestufen, von typischen Beziehungsveränderungen und von soziologischen Bedingungen, die „ Ehe, Beruf und Kinder“ beeinflussen. Obwohl am Anfang ihrer Beziehung „ sehr viel da war“ zwischen ihnen, hatten sie nie rechtzeitig und „ richtig“ miteinander sprechen gelernt, konnten ihre negativen Gefühle nicht früh genug bei sich selbst wahrnehmen und schon gar nicht so äußern, dass es den anderen nicht verletzte. Sie vermochten es nicht, sich einmal vorwurfslos in die vermeintlich „ falsche und böse“ Gedanken- und Gefühlswelt des Partners einzuhören, und anstatt fair für ihre eigene Ansicht zu werben, begannen sie, den anderen zu bekämpfen… „ Verändern durch Verstehen“ konnte zwischen ihnen nicht stattfinden.

Wenn nun, wie ich hörte und las, Baden- Württemberg ohnehin ins Schulsystem eingreifen will und unter anderem auch Veränderungen in der Lehrerausbildung vor hat, sollten wir dann nicht diese Aufbruchstimmung nutzen und für das „ Einbauen“ von Beziehungskunde etwa ab Klasse 8 oder 9 in den Schulunterricht plädieren? Was meint Ihr?

In unserer inzwischen so komplexen, kulturell vielfältigen Welt reicht es in der häuslichen und schulischen Erziehung einfach nicht mehr aus, den Kindern nur faktische Orientierung und Wissen mitzugeben. Ich denke, es wird immer wichtiger werden, auch soziale und emotionale Fähigkeiten zu entwickeln. Wir können Störungen und Konflikte doch nicht dauernd durch die Justiz in Ordnung bringen lassen! Wir selbst müssen die Möglichkeit, die Fertigkeit zum Aushandeln in uns tragen! Das könnten wir früh genug lernen, denn Kinder sind noch variabel im Verhalten und können mit emotionalem und kulturellem Anderssein flexibel umgehen. Für den Bereich Beziehungskunde wäre bereits reichlich Material vorhanden, sowohl theoretisches als auch solches für diverse praktische Übungen. Das müsste also nicht mehr erfunden werden. Ebenso liegt die entsprechende Lehrerqualifikation hierfür auf der Hand.

Nicht nur im Privatleben, gerade auch in der Arbeitswelt werden schon immer mehr die sog. „ soft skills“ gebraucht. Wie soll ein Mensch über sie verfügen, wenn z.B. seine Eltern Hardliner und leider nicht in modifizierenden Elternkursen waren, und wenn in der Schule, die ja immer mehr zum Lebensraum wird, Sozialkompetenz nicht früh genug gelernt werden konnte?

Es bleibt mir eine Herzensangelegenheit: Beziehungskunde wäre von enormem vorbeugenden Nutzen für unsere Gesellschaft! Eure Meinung hierzu würde mich sehr interessieren!