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Die Angeklagte hatte vor Gericht gestanden, zwischen 2006 und 2012 fünf ihrer Babys direkt nach der Geburt getötet zu haben.
Die Angeklagte hatte vor Gericht gestanden, zwischen 2006 und 2012 fünf ihrer Babys direkt nach der Geburt getötet zu haben. © dpa
18.03.2013

Fünf Babys getötet: Mutter führte Doppelleben

Flensburg. Eine junge Mutter aus Husum, die fünf ihrer Babys gleich nach der Geburt getötet hat, gibt auch einem psychiatrischen Gutachter Rätsel auf. Im Prozess vor dem Flensburger Schwurgericht skizzierte der Facharzt am Montag das Bild einer Frau, deren äußeres Leben sich von der inneren Situation völlig unterschied. «Wie eine Art Doppelleben», sei das gewesen.

Die Angeklagte hatte vor Gericht gestanden, zwischen 2006 und 2012 fünf ihrer Babys direkt nach der Geburt getötet zu haben. Die Schwangerschaften hatte sie vor ihrer Familie und ihrem Umfeld verheimlicht. Nach außen habe die Frau ein relativ unauffälliges Leben geführt, so der Gutachter. Die Frau war im Elternbeirat an der Schule ihrer Tochter aktiv und galt als vorbildliche Mutter.

Die Geburten seien jeweils ein «plötzlicher Einbruch der Realität» gewesen, durch die unvermittelt ein Handlungsdruck entstanden sei. «Das war ein Kreis, den sie aus eigener Kraft nicht hat durchdringen können.» Eine schlüssige Erklärung, räumte der Gutachter selbst ein, sei das aber nicht. Ein Fall wie dieser finde sich praktisch nicht in der Fachliteratur. Das Motiv bleibe unklar.

Verlesen wurden Aussagen der 29-Jährigen zu ihrer schwierigen Kindheit, in der zeitweise eine Atmosphäre des Vertuschens und Verheimlichens geherrscht habe. So habe der Vater nach der Trennung der Eltern heimliche Affären gehabt und diese auch vor der Tochter geleugnet. Nachdem sie als Achtjährige nach der Trennung aus Mitleid mit dem Vater nach Sachsen-Anhalt gegangen war, habe es zu ihm kein echtes Vertrauensverhältnis gegeben. Auch in ihrer Ehe habe sie nicht mit ihrem Mann über Probleme sprechen können. «Sie hat in der Kindheit begonnen, eigene Gefühle weniger wichtig zu nehmen als die der anderen», erklärte der Gutachter. Am Donnerstag werden die Plädoyers und das Urteil erwartet.