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Immer häufigere Dürren durch Klimawandel und die Sprunghaftigkeit der Nahrungsmittelpreise sind in Entwicklungsländern «eine Frage von Leben und Tod», warnen Hilfsorganisationen und fordern ein energisches Vorgehen der G20 gegen Spekulationen mit Nahrungsmitteln.
Immer häufigere Dürren durch Klimawandel und die Sprunghaftigkeit der Nahrungsmittelpreise sind in Entwicklungsländern «eine Frage von Leben und Tod», warnen Hilfsorganisationen und fordern ein energisches Vorgehen der G20 gegen Spekulationen mit Nahrungsmitteln. © dpa
15.06.2012

G20: Milliarden für Banken, kein Geld für Hungernde

Hilfsorganisationen sind irritiert: Einerseits mobilisiert die Weltgemeinschaft immer neue Hilfen in Milliardenhöhe zum Schutz des globalen Finanzsystems, aber andererseits kann kein Geld für den Kampf gegen Hunger und Armut locker gemacht werden. Europas Schuldenprobleme und die Risiken für die Weltwirtschaft haben auch auf dem Gipfel der führenden Industrie- und Schwellenländer der Gruppe der 20 (G20) Anfang der Woche im mexikanischen Badeort Los Cabos wieder absoluten Vorrang.

Dabei leben mehr als die Hälfte der ärmsten Menschen in diesen G20-Staaten. Jeder siebte Weltbürger muss jeden Abend hungrig ins Bett gehen. Zweieinhalb Millionen Kinder sterben jedes Jahr, weil sie nicht genug zu essen haben.

Während die Mächtigen der Welt aber unsicher sind, mit welchen Rezepten die Finanzkrise bewältigt werden kann, stellt sich der Kampf gegen den Hunger einfacher dar: «Bei der weltweiten Armut wissen wir recht genau, was zu tun ist», sagt der Deutschlandchef der Hilfsorganisation One, Tobias Kahler, in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Im Vergleich zu den enormen Kosten der Finanzkrise ist die Lösung der größten Armutsprobleme auch relativ preiswert. Wenn wir sie konsequent angehen, wird davon sogar ein heilsamer Impuls für die Weltwirtschaft ausgehen.»

Investitionen in die Landwirtschaft sind nach Angaben von Experten der klügste Weg, um Volkswirtschaften voranzubringen. Laut Weltbank haben sie zwei- bis viermal so große Auswirkungen auf die Armutsreduzierung wie andere Investitionen. Immer häufigere Dürren durch Klimawandel und die Sprunghaftigkeit der Nahrungsmittelpreise sind in Entwicklungsländern «eine Frage von Leben und Tod», warnen Hilfsorganisationen und fordern ein energisches Vorgehen der G20 gegen Spekulationen mit Nahrungsmitteln und kritisieren die Förderung von Bio-Benzin aus landwirtschaftlichen Produkten.

«Es muss für die G20 höchste Priorität haben, die armen Menschen vor hohen Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln zu schützen», fordert der Sprecher der internationalen Hilfsorganisation Oxfam, Carlos Zarco. «Hohe und unberechenbare Preissteigerungen bei Lebensmitteln hindern Millionen von Menschen daran, der Armut zu entkommen, und haben langfristige Auswirkungen auf Gesundheit und Ausbildung», sagt Zarco vor dem Gipfel. 170 Millionen Kinder leiden weltweit unter Wachstumsverzögerungen, weil sie unzureichend ernährt werden. ««Eltern sollten nicht wählen müssen, ob sie ihren Kindern etwas zu essen geben oder sie zur Schule schicken können.»

Für die Armen und Hungernden in der Welt sind die Zeiten durch die Finanzkrise noch schlechter geworden. «Den Industrie- und Schwellenländern ist wegen der Krisen das Hemd näher als die Jacke», klagt Marwin Meier vom Kinderhilfswerk World Vision. «Sie haben kaum Zeit und Ressourcen übrig für Armutsbekämpfung.» Das eigentliche Problem sei aber das «karitative Verständnis im Umgang mit globalen Ungleichgewichten». «Wenn gefühlt weniger übrig bleibt, dann wird auch weniger geteilt.» Ein Umdenken zu einem rechtebasierten Ansatz sei hier erforderlich: Die Menschen müssten nicht verhandelbare Rechte auf Nahrung und Hilfe haben - «auch dann, wenn Banken gerne Rettungspakete hätten». dpa

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