Kein Pardon mehr bei Sicherheit im Fußballstadion
Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall kennt kein Pardon mit gewalttätigen Fußballfans -  Foto: dpa 

Gall fordert härteres Durchgreifen bei gewalttätigen Fußballfans

Zehn Fußballvereine aus dem Südwesten spielen nun in den ersten drei Ligen. Für die Polizei bedeutet das noch mehr Arbeit. Ein Pardon bei der Sicherheit wird es nicht mehr geben können, sagt Minister Gall.

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Gall entfacht neue Debatte um Sicherheit im Fußballstadion

Innenminister Reinhold Gall (SPD) will eine härtere Gangart beim Thema Gewalt in Fußballstadien anschlagen. Aus dem Südwesten spielten nun zehn Fußballvereine in den ersten drei Ligen, sagte Gall der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. Die Länderpolizei sei damit an der Grenze ihrer Belastbarkeit angekommen. Gall kündigte an, härter durchzugreifen, wenn Vereine etwa die Sicherheitsauflagen nicht einhielten. Und: «Wir werden gezielt - auch mit Unterstützung der Kriminalpolizei - Rädelsführer (von Gewalt) ins Visier nehmen.» Gall will das Thema bei der Innenministerkonferenz ansprechen, die noch bis zum Freitag in Bonn tagt.
In der Saison 2013/2014 gab es in den ersten drei Ligen in Baden-Württemberg 159 Spiele mit 24 470 eingesetzten Polizisten, die rund 155 000 Einsatzstunden leisteten. Der Minister rechnet in der neuen Saison mit einem Anstieg auf rund 170 Spiele, weil eine Mannschaft hinzukam: Der SG Sonnenhof Großaspach ist in die dritte Liga aufgestiegen. Damit werde die Polizei in der neuen Saison noch stärker gefordert. «Wir sind jetzt das zweitgrößte Fußballland Deutschlands nach Nordrhein-Westfalen», sagte Gall mit Blick auf die Anzahl der in den ersten drei Ligen vertretenen Vereinen.
«Die Gewalt nimmt zu, die Anzahl der Straftaten nimmt zu, die Anzahl der verletzten Polizisten nimmt zu», beschrieb der Minister die Entwicklung. Bislang habe sich die Polizei kooperativ gezeigt, wenn Vereine beispielsweise Sicherheitsauflagen in Spielstätten nicht sofort voll erfüllen konnten. «Das können wir uns nicht mehr leisten. Wir werden künftig ziemlich hart sein, wenn Vereine die Auflagen der Deutschen Fußball Liga und des Deutschen Fußball-Bundes nicht einhalten.» Die Polizei werde sich genau überlegen, ob sie dann ihr Okay für den Spielbetrieb noch geben könne. Es sei auch Pflicht der Vereine, qualifizierte Ordner bereitzustellen. «Ordner müssen wissen, was sie zu tun haben in bestimmten Situationen.»
Diskussionswürdig sei auch das Verhalten einiger Fanprojekte. «Wir haben nicht immer den Eindruck, dass sich die Projektverantwortlichen als unsere Partner verstehen.» Manche verträten ausschließlich die Meinung der Fußballszene. Das sei nicht mehr hinnehmbar. Er wolle ausdrücklich nicht die Fußballszene insgesamt an den Pranger stellen, schränkte Gall ein. «Es geht um die, die sich nicht an Absprachen halten, den Fußball als Krawallort benutzen wollen und die ihre Gewaltfantasien ausleben wollen über den Fußball.»
Sein Ziel bestehe darin, dass die Innenminister bei diesem Thema an einem Strang zögen, sagte Gall. Vereine und große Fangruppen übten Druck auf die Politik aus. Wenn die Politik sich nicht einig sei, bestehe die Gefahr, dass ein Bundesland gegen das andere ausgespielt werde.