Israels Ex-Militärchef Benny Ganz gilt als stärkster politischer Gegner von Ministerpräsident Netanjahu. Foto: XinHua
Israels Ex-Militärchef Benny Ganz gilt als stärkster politischer Gegner von Ministerpräsident Netanjahu. Foto: XinHua

Ganz: Ex-Militärchef setzt auf Einigung statt Spaltung

Bis 2015 war der großgewachsene Mann mit den kurzen grauen Haaren und den hellen Augen Chef der israelischen Streitkräfte. Erst im Dezember wechselte er auf die politische Bühne.

Während des Wahlkampfes präsentierte sich der verheiratete Vater von vier Kindern als Vertreter der Mehrheitsgesellschaft, der als Macher von außen in die Politik kommt - sauber, ohne Korruption. «Er kommt als der Retter des Landes, er will unsere liberale Demokratie retten», sagt Politikwissenschaftlerin Gail Talschir von der Hebräischen Universität über Ganz' Botschaft. Das Motto: Einigung statt Spaltung.

Seine politischen Positionen sind dagegen nicht immer ganz klar. Ganz hat sich so etwa für den Erhalt der großen jüdischen Siedlungsblöcke im Westjordanland ausgesprochen, sich aber auch von der israelischen Besatzung distanziert. Er versprach im Wahlkampf zahlreiche Sozialreformen.

Ganz wurde 1959 in der Gemeinschaftssiedlung (Moschav) Kfar Achim, rund 50 Kilometer südlich von Tel Aviv, geboren. Seine Mutter kam aus Ungarn, überlebte den Holocaust und wurde 1945 aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen befreit. Sein aus Rumänien stammender Vater war führendes Mitglied der Hilfsorganisation Jewish Agency, die für Einwanderung nach Israel zuständig ist.

Ganz, der auch Politikwissenschaften studiert hat, hat eine lange Militärkarriere hinter sich. 1977 wurde er eingezogen und diente bei den Fallschirmjägern. Im Libanonkrieg 1982 war er als Kompaniechef an Kämpfen in Beirut beteiligt. 1989 wurde Ganz Kommandeur von «Schaldag» (Eisvogel), der Eliteeinheit der israelischen Luftwaffe. 2005 bis 2009 war Ganz Israels Militärattaché in den USA, von 2011 bis 2015 dann Chef der israelischen Streitkräfte.

Sein schneller Aufstieg innerhalb der Armee brachte Ganz den Spitznamen «der Prinz» ein. Die linksliberale «Haaretz» beschrieb ihn in einem Artikel als ausgeglichenen und stressresistenten Kommandeur, der seinen Erfolg in der Armee allerdings auch guten Kontakten zu verdanken hatte. Ein Mensch, den manche Soldaten demnach fast zu entspannt fanden. «Er ist ein netter Typ und hat viel Glück, aber ich kann nicht sehen, wie das genug sein soll, um sich mit einem politischen Killer wie (Ministerpräsident Benjamin) Netanjahu anzulegen», zitierte die Zeitung einen früheren General anonym.