nach oben
Gotthilf Fischer wird 85. © dpa
05.02.2013

Gotthilf Fischer wird 85 Jahre alt

Weinstadt (dpa) - Die Zeit der großen Welttourneen mit seinen Fischer-Chören, überfüllten Hallen und Stadien ist zwar vorbei. Doch seine Mission, an deutsche Volkslieder zu erinnern, lebt weiter: Chorleiter Gotthilf Fischer arbeitet unermüdlich daran, Gassenhauer wie «Das Wandern ist des Müllers Lust» oder «Muss i denn zum Städtele hinaus» populär zu halten. Noch heute dirigiert der Mann mit den schlohweißen Haaren fast täglich einen anderen Chor: Montags ist er in Ludwigsburg, dienstags in Stuttgart, mittwochs in Schwaikheim, donnerstags in Bönnigheim und freitags in Fellbach.

Bildergalerie: Gotthilf Fischer wird 85 Jahre alt

Zu seinem 85. Geburtstag am 11. Februar wünscht sich Fischer «Gesundheit und dass die Volkslieder vielen Menschen Freude bringen». Wenige Monate nach seiner Halsschlagader-Operation fühlt er sich wieder «topfit». Seinen Ehrentag feiert der gelernte Lehrer in einem Hotel im Schwarzwald - in aller Stille. Viele Jahre hatte Fischer auch seine Geburtstage der Musik gewidmet, war auf Tournee und gab Konzerte, jetzt freut er sich auf einen ruhigen Abend. «Viele Jahre habe ich öffentlich gefeiert und war dann kein privater Mensch.»

Doch Star-Allüren kennt der Dirigent ohne musikalische Ausbildung nicht. Seine Platten verkauften sich millionenfach, mit seiner Musik baute er Brücken. Er lernte weltweit Politiker, Sportler und Königinnen hautnah kennen.

Im Weißen Haus überreichte er 1978 dem damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter die eigene Komposition «Friedensmesse», für die jetzige Königin Silvia von Schweden schrieb er zur Vermählung mit König Carl XVI. Gustaf das Lied «Die Krone der Liebe». Seine große Liebe Hilde starb im Jahr 2008 im Alter von 89 Jahren. Mit ihr war er seit 1949 verheiratet. Sie brachte Sohn Herbert mit in die Ehe, gemeinsam bekamen sie noch Renate und Brigitte.

Seine Karriere begann Fischer als 14-Jähriger an seiner Schule in Plochingen bei Stuttgart, also 1942. Und schon bald machte die Arbeit des Nachwuchsdirigenten Furore. 30 Sänger folgten Fischers Einladung zu einer ersten Chorprobe. Beim zweiten Treffen waren es schon 80 Sänger, und in wenigen Wochen hatten sich bereits sechs Chöre gebildet.

Rund um die Welt hörten zeitweise 62 000 Sangesfreunde - zusammengeschlossen zu Freundeskreisen der Fischer-Chöre - auf das musikalische Kommando des rührigen Fischer, der eigentlich Sportlehrer werden wollte.

Beim Bundesliederfest des Jahres 1949 im schwäbischen Göppingen wurden Fischers Chöre mit zwei Goldmedaillen ausgezeichnet. Und beim ersten größeren Auftritt angelte sich Fischer weltweit viele Millionen Zuschauer: 1974 in München, vor dem Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft, ließ er einen Mammutchor von 1500 Menschen auf dem Rasen des Olympiastadions «Eviva Espana» anstimmen. Es folgten hunderte TV-Auftritte, dutzende Schallplatten und sogar ein Konzert beim Papst.

Zu seinem 85. Geburtstag produzierte der SWR ein großes Spezial, das am 2. Februar um 20.15 Uhr ausgestrahlt wurde. Ab dem 19. Februar geht er mit Florian Silbereisen auf große Tour.

Bekannt ist Fischer auch für flotte Sprüche: «Ich habe wenig Freunde, dafür aber 1000 gute Bekannte» oder: «Die Leute haben doch die Schnauze voll davon, alle zwei Minuten einen Toten im Fernsehen zu sehen», kommentierte er einmal die hohen Einschaltquoten seiner TV-Konzerte. Für Fischer besitzen Lieder und Gesang eine heilende Kraft: «Böse Menschen haben keine Lieder.» Seit kurzem ist er auch auf Facebook. Dort ruft er zum Mitsingen auf.

Ruhestand ist ein Fremdwort für den Schwaben. Er denkt auch über den Tod nach: «Ich durfte in meinem Leben viele Engel, das heißt Frauen, dirigieren. Aber die Zeit wird kommen, wo ich die Engel im Himmel dirigieren darf. Da freue ich mich schon drauf.»