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Kein Problem mit ihrem markanten Kinn scheint die amerikanische Schauspielerin Reese Witherspoon zu haben.
Kein Problem mit ihrem markanten Kinn scheint die amerikanische Schauspielerin Reese Witherspoon zu haben. © dpa-Archiv
02.07.2014

Harmonie per Skalpell

Zu spitz, zu schmal, zu dick: Wenn das Kinn nicht schön geformt ist, nervt das manchen sehr. Denn merkwürdige Proportionen können die Harmonie des gesamten Gesichts stören.

Medizinisch gesehen besteht selten Handlungsbedarf – allenfalls, wenn eine Kieferfehlstellung Ursache ist. Doch auch ohne solche Probleme leiden etliche Menschen so sehr unter ihrem Aussehen, dass sie sich operieren lassen. „Generell ist eine Kinn-OP ein recht einfacher Eingriff mit guter Erfolgsbilanz“, betont die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch Plastische Chirurgie (DGÄPC). Das unterstreicht auch eine kleine Studie im Rahmen einer Dissertation, wonach 22 von 24 Operierten zufrieden mit dem Resultat waren.

Um ein gutes Ergebnis zu erzielen, muss man die Gesichtsstruktur und ihre verschiedenen Ausprägungen genau kennen und wissen, wie man Disharmonien ausgleicht. Ein Facharzt kann durch eine Gesichtsanalyse auf die richtige Maßnahme schließen. Bei ihm sind Interessenten auch deshalb am besten aufgehoben, weil er die Gesichtsanatomie genau kennt und viel von der Arbeit am Knochen versteht.

Vermessen und beraten

„Das ist wichtig, weil sonst schnell Fehler passieren“, erklärt Prof. Gerd Gehrke von der Deutschen Gesellschaft für Mund, Kiefer- und Gesichtschirurgie. „Sei es, dass ein Nerv verletzt wird und es zu Empfindungsstörungen kommt oder ein Muskel durchtrennt und nicht wieder richtig fixiert wird und das die Mimik beeinträchtigt.“ Auszuschließen sind solche Kunstfehler natürlich auch bei chirurgisch ausgebildeten Fachärzten nicht – sie sind aber wesentlich seltener als bei Ärzten, die sich einfach nur Schönheitschirurg nennen. Denn das ist keine geschützte Berufsbezeichnung.Die Eingangsuntersuchung muss sorgfältig erfolgen. Dazu gehören ein genaues Vermessen des Gesichts, das Abtasten der Kinnregion und meist eine Röntgenaufnahme.

Die Untersuchung sollte mit einer intensiven Beratung verbunden sein. Außerdem muss es um die Behandlungsmöglichkeiten und -alternativen gehen, welche Risiken sie bergen und welcher Effekt in psychologischer Hinsicht denkbar ist. Wie behandelt wird, hängt vom Befund ab. So genügt bei einem fettbedingten Doppelkinn eine Absaugung, Liposuktion genannt.
Hängt die Disharmonie mit der Knochenstruktur zusammen, sind schwerere Geschütze nötig. „Wenn das Kinn zu stark hervorsteht, wird der Kieferknochen zurückverlagert und fixiert. Dabei sind auch Reduktionen möglich“, erklärt Gehrke. Ein fliehendes Kinn lässt sich operativ verlängern. Gängig ist der Aufsatz eines Implantats aus Silikon oder körpereigenem Material auf die Kinnspitze. Man kann sie aber auch vorverlagern, indem der Knochen durchgesägt und durch Einsatz eines Titanplättchens stabilisiert wird.

Wie jede andere Operation auch birgt eine Kinnkorrektur grundsätzliche Risiken. Mögliche Komplikationen sind Nachblutungen und Infektionen. Außerdem kommt es in Einzelfällen zu einer Nervenschädigung und Taubheitsgefühlen. Sichtbare Narben bleiben in der Regel nicht: Denn das Fett wird versteckt über Stiche hinter den Ohren und in der Halsfalte abgesaugt. Die übrigen Eingriffe erfolgen über den Mund. Dabei wird ein kleiner Schnitt an der Stelle gemacht, an der Mund- und Lippenschleimhaut aufeinandertreffen, und über ihn wird operiert.

Der Preis für diese Schönheits-OP liegt laut Stephanie Isensee, Geschäftsführerin der Goldstadt-Privatklinik in Pforzheim, bei einem Facharzt zwischen 2000 bis 5000 Euro.