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Nach der tödlichen Prügelattacke vom Alexanderplatz sind noch nicht alle Verdächtigen gefasst. Laut «Bild» will sich aber der Hauptverdächtige stellen. © dpa
29.10.2012

Hauptverdächtiger will sich nach Prügelattacke stellen

Berlin. Der Hauptverdächtige der tödlichen Prügelattacke am Berliner Alexanderplatz will sich nach Informationen der «Bild»-Zeitung stellen. Ein Reporter habe den 19-jährigen Boxer in der Türkei ausfindig gemacht, heißt es in der Montagsausgabe des Blattes.

Bildergalerie: Trauerfeier für den am Alex zu Tode geprügelten Jonny K.

«Ich komme nächste Woche nach Deutschland zurück, werde mich meiner Verantwortung stellen», sagte der Verdächtige. Er soll mit mehreren anderen am 14. Oktober den 20 Jahre alten Jonny K. so brutal zusammengeschlagen haben, dass dieser einen Tag später starb.

Die Berliner Polizei verwies am Montagmorgen auf die zuständige Staatsanwaltschaft. Diese war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Der 19-Jährige gestand ein, während der Attacke auf dem Alexanderplatz gewesen zu sein. «Ja, ich war dabei, aber ich habe nur den anderen geschlagen. Mit den Fäusten! Von dem, der am Boden lag, habe ich nichts mitbekommen. Ich würde nie einen treten, der am Boden liegt. Das ist eine Frage der Ehre für mich», sagte er. Die anderen wollten ihm lediglich mit ihren Aussagen die Schuld in die Schuhe schieben. Er sei auch nicht in die Türkei geflohen, um der Strafverfolgung zu entgehen. Sein Vater habe einen Termin in der Türkei gehabt, und er habe ihn lediglich begleitet.

Dass die «Bild» mit einem der Verdächtigen in der Türkei sprach, warf die Frage auf, warum die Zeitung den Gesuchten fand - und die Polizei dem Anschein nach nicht. Es gebe natürlich auch Zielfahnder der Polizei, die im Ausland tätig werden, sagte der Berliner Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Bodo Pfalzgraf, dem Radiosender 104.6 RTL. «Aber immer nur in Absprache mit der jeweiligen Polizei vor Ort. Und das dauert leider im internationalen Rechtsverkehr seine Zeit.» Eine Stellungnahme der türkischen Behörden gab es zunächst nicht.

Ein weiterer 19-jähriger Verdächtiger sitzt derzeit in Untersuchungshaft, nachdem er vor einer Woche gefasst worden war. Am Mittwoch hatten sich zudem zwei Männer gestellt. Einen Tag später kamen sie jedoch entgegen dem Antrag der Staatsanwaltschaft wieder auf freien Fuß. Der Richter hatte die Haftverschonung für einen 21-Jährigen mit dem Hinweis auf dessen Geständnis und seine sozial-familiäre Bindungen begründet. Gegen einen 19-Jährigen gab es keinen Haftbefehl, weil er nur den Begleiter des getöteten Jonny K. angegriffen haben soll. Die Freilassung hatte empörte Reaktionen hervorgerufen. Die Staatsanwaltschaft legte Beschwerde ein.

Mehrere Männer werden noch gesucht. Der Hauptverdächtige ist nach Informationen mehrerer Zeitungen ein ehemaliger Box-Profi. Die «Bild»-Zeitung bezeichnet ihn als Amateurboxer. Dem Nachrichtenmagazin «Spiegel» zufolge soll er mit der tödlichen Gewalttat geprahlt haben.

Zwei Wochen nach Prügelattacke gedachten am Sonntag Hunderte Berliner des Opfers. An einer privaten Trauerfeier im kleinen Kreis hatten zuvor auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) teilgenommen.

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