nach oben
Akupunktur hat sich mittlerweile in Deutschland fest etabliert. Im Ohr gesetzte Nadeln nehmen Einfluss auf den gesamten Körper des Menschen, Akupunktur am Fuß zielt auf die Energiefelder ab.
Akupunktur hat sich mittlerweile in Deutschland fest etabliert. Im Ohr gesetzte Nadeln nehmen Einfluss auf den gesamten Körper des Menschen, Akupunktur am Fuß zielt auf die Energiefelder ab. © dpa-Archiv
26.06.2014

Heilende Stiche

Ein Piks mit der Akupunkturnadel, dann spürt der Patient einen warmen Strom durch den Körper fließen. Die Therapie-Methode stammt aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und soll die Lebensenergie – das Qi – aktivieren und Blockaden lösen. Viele schwören auf die traditionelle chinesische Behandlung. Doch wissenschaftliche Belege sind rar.

Die zwei bekanntesten Arten sind der Deutschen Akademie für Akupunktur (DAA) zufolge die Körper- und die Ohr-Akupunktur. Die Ohr-Akupunktur ist eine Mikrosystem-Akupunktur. Bei dieser ist der ganze menschliche Körper, ähnlich eines Hologramms, zum Beispiel im Ohr, abgebildet. Die einzelnen Reflexpunkte spiegeln je ein Organ, einen bestimmten Körperabschnitt oder eine Körperfunktion wider.

Die Akupunktur ist nur ein Teil der chinesischen Medizin. Häufig werden Kombinationen chinesischer Behandlungsmethoden wie Akupunktur, Kräuterheilkunde und Massagen angewendet. Denn die chinesische Medizin ist ganzheitlich orientiert und kann individuell auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten werden.

Akupunktur soll unter anderem bei Hauterkrankungen, Allergien, Blutdruckstörungen, Magen-Darm-Problemen und psychischen Erkrankungen helfen. Der Einsatz der Nadeln hat aber auch Grenzen – zum Beispiel Erbkrankheiten oder schwere psychische Störungen wie Schizophrenie. Eine begleitende Behandlung ist laut DAA aber bei vielen schulmedizinisch therapierten Krankheiten möglich.

Akupunktur wirkt nicht bei jedem Menschen gleich. Störherde wie Narben oder tote Zähne können die Wirkung negativ beeinflussen. „Die Symptomlinderung ist geringer ausgeprägt, nicht so lange anhaltend oder sogar ganz verhindert“, sagt Ramme. Trotzdem berichten viele Patienten Petra Lehn zufolge davon, dass ihre Beschwerden deutlich nachlassen.

Seit Anfang 2007 ist die Akupunktur zur Behandlung von chronischen Schmerzen im Lendenwirbelbereich und bei dauerhaften Kniegelenksschmerzen (Gonarthrose) eine Kassenleistung, wie Harald Brandl von der AOK Nordschwarzwald erklärt. Doch wissenschaftlich belegen lässt sich die Wirkung der Nadeln bisher kaum: Breit angelegte Studien haben gezeigt, dass die Erfolgsrate der traditionellen chinesischen Akupunktur etwa bei der Behandlung von chronischen Rückenschmerzen nicht wesentlich höher ist als die der Schein-Akupunktur, bei der Ärzte bewusst falsche Punkte stechen.


Mit den beiden Akupunkturformen können gute Erfolge erzielt werden. Der ist jedoch immer vom individuellen medizinischen Fall abhängig. „Dass Akupunktur wirken kann, steht außer Frage. Wie sie wirkt, ist eine wissenschaftliche Frage“ erläutert Brandl. Für die Patienten ist sie nahezu ohne Nebenwirkungen.
Nur bestimmte Ärzte dürfen die Akupunkturnadeln setzen, damit die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden. Nach Angaben von Brandl müssen sie als Schulmediziner in Deutschland zugelassen sein und über eine qualifizierte Zusatzausbildung (Akupunktur und Schmerztherapie) verfügen. In Pforzheim sind 30 Mediziner, im Enzkreis 28 für diese Kassenleistung zugelassen.