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© Symbolbild: dpa
08.01.2016

Hells Angel schießt Bandido vorsätzlich nieder - Urteil: 4,5 Jahre Haft

Er setzte seine Frau als Lockvogel ein, um einen verfeindeten Rocker in die Falle zu locken: Sieben Jahre nach Schüssen vor der Therme in Kaltenkirchen (Schleswig-Holstein) hat das Kieler Landgericht einen Rocker zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Doch der 42-jährige «Hells Angel» fehlte bei der Urteilsverkündung am Freitag - er ist in Thailand mit einer zweiten Ehefrau.

Von der Strafe muss er voraussichtlich nur acht Monate absitzen, unter anderem weil ein Teil aus einer früheren Strafe, die mit einfloss, bereits verbüßt ist, wie der der Vorsitzende Richter sagte. Über einen Haftbefehl will das Gericht noch entscheiden. Der Verteidiger wollte aus Mangel an Beweisen Freispruch.

Bei der Tat war der Intimfeind des Angeklagten, den er den verfeindeten «Bandidos» zurechnete, schwer verletzt worden. Der Mann ist seither schwerbehindert.

Das Gericht zeigte sich aufgrund einer «Fülle von Indizien» überzeugt, dass der Angeklagte Auftraggeber und Drahtzieher war. Dabei setzte der 42-Jährige auch Detektive und seine heutige Ehefrau als Lockvogel ein. Sie wurde deswegen bereits rechtskräftig verurteilt.

Ob gegen den 42-Jährigen der vom Staatsanwalt geforderte Haftbefehl ergeht, ist noch offen. Das Gericht will darüber noch entscheiden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen den Angeklagten auch wegen Bigamie. Der 42-Jährige soll in Thailand eine zweite Ehefrau geheiratet haben. Der Rocker erschien seit dem siebten Verhandlungstag nicht mehr zu seinem Prozess. Sein Verteidiger lehnte jede Auskunft zu seinem Mandanten ab. Er will eine Revision prüfen.

Dass der Angeklagte möglicherweise nur acht Monate der neuen Strafe verbüßen muss, ergibt sich auch wegen der überlangen Verfahrensdauer. Deswegen gelten sechs Monate der Strafe als bereits verbüßt, entschied das Gericht.

Zudem saß der Rocker 22 Monate einer früheren Haftstrafe ab, die in das neue Urteil einbezogen wurde. Er war im November 2012 wegen einer Messerattacke auf zwei verfeindete «Bandidos» zu insgesamt zwei Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Nach zwei Drittel der Strafe kam er aus dem Gefängnis auf Bewährung frei. Die Reststrafe bezog das Gericht nun in das neue Urteil ein.