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Hochwasser - eine Region wird überschwemmt

Hochwasser-Drama in Deutschland - Entspannung in Sicht © dpa
04.06.2013

Hochwasser-Drama: Leichte Entspannung in Sicht

Berlin (dpa) - Weite Landstriche im Süden und Osten Deutschlands sind weiterhin von Hochwasser bedeckt. Überlaufende Flüsse fluteten ganze Regionen. Besonders stark betroffen ist Passau. In der Dreiflüssestadt in Bayern erreichte die Donau den höchsten Wasserstand seit mehr als 500 Jahren. Die Bewohner mussten ohne Trinkwasser, Strom und Festnetz-Telefon auskommen, die Stadt war großflächig überflutet.

Bildergalerie: Lage spitzt sich zu: Hochwasser in Bayern und Thüringen

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gab es in der niederbayerischen Stadt jedoch: Ein Sprecher des Krisenstabs sagte, der Pegelstand des Inns sei am späten Abend leicht gesunken. «Aber es geht sehr, sehr langsam.» Und neue Wassermassen kommen aus der Donau auf die Stadt zu. Der Fluss stieg am späten Abend auf mehr als 12,80 Meter und übertraf damit deutlich das Hochwasser von 1954 mit 12,20 Metern. Einsatzkräfte errichteten Ausgabestellen für Trinkwasser.

An diesem Dienstag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Passau erwartet. Sie hatte den Betroffenen Hilfe in Aussicht gestellt: «Der Bund wird auch schauen, was wir helfen können, genauso wie die Länder», sagte die Kanzlerin am Montag in Berlin.

In Regensburg verschärfte sich die Lage am Montagabend weiter. Man erwarte einen Pegelstand von 6,70 Meter, teilte eine Sprecherin der Stadt mit. In der Nacht drohte die Überflutung mehrerer Straßen, die vorsorglich gesperrt wurden. In einer Schule im Stadtgebiet stand ein Notlager mit 365 Feldbetten zur Verfügung.

Angespannt blieb die Lage auch in Sachsen. In Grimma stand das Wasser meterhoch in der Altstadt, die nur noch mit Schlauchbooten befahrbar war. Im Landkreis Leipzig wurden rund 6000 Menschen in Sicherheit gebracht. Sorge bereitete den Behörden die Elbe, die unvermindert anschwoll. In Dresden wurde bereits die erste Elbbrücke für Autos gesperrt. Kurz vor Mitternacht hatte der Fluss einen Pegelstand von 7,08 Meter. Ein Sprecher des Katastrophenstabs beruhigte jedoch: «Bilder wie 2002 von einer überschwemmten Dresdner Altstadt wird es aller Voraussicht nach nicht geben.» An der Elbe werde in den kommenden Tagen ein maximaler Pegelstand von neun Metern erwartet. 2002 waren es 9,40 Meter.

In den oberbayerischen Hochwassergebieten beruhigte sich die Lage langsam. Die Pegelstände im Landkreis Rosenheim seien weiter gefallen, die Hilfskräfte rüsteten sich nun für die anstehenden Aufräumarbeiten, sagte ein Sprecher des Landratsamtes. Die Nacht hindurch sollten Pumpen in Betrieb bleiben, um das Wasser aus den Häusern zu pumpen. Voraussichtlich am Dienstag könne der Katastrophenalarm für den Landkreis aufgehoben werden. Am Ufer des Flusses Mangfall hatten knapp 4000 Menschen ihre Häuser verlassen müssen, sie konnten am Montag wieder zurückkehren.

Auch in den Thüringer Hochwassergebieten entspannte sich die Lage zusehends. Das Lagezentrum des Innenministeriums meldete sinkende Pegelstände im ganzen Land. «Jetzt hoffen wir, dass die Deiche weiter halten», sagte ein Sprecher. An neun Messstellen galt in der Nacht noch die höchste Alarmstufe drei. Das Hochwasser hatte Teile Ostthüringens in ein Katastrophengebiet verwandelt. An der Bleilochtalsperre, einer der größten Saaletalsperren, wurde kontrolliert Wasser abgelassen. Ob die Hohenwartetalsperre das ankommende Wasser fassen kann, war zunächst unklar.

In Sachsen-Anhalt schauten die Menschen in der Nacht mit bangem Blick auf die Saale. Nach offiziellen Einschätzungen droht dem Bundesland ein noch schlimmeres Hochwasser als bei der Jahrhundertflut 2002, Halle befürchtet sogar das schlimmste Hochwasser seit 70 Jahren. In einem Wettlauf mit der Zeit wurden in der Stadt Deiche mit Sandsäcken und einem mobilen System verstärkt.

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sind seit Samstag 4000 Kräfte des Bundes im Hilfseinsatz - darunter mehr als 1000 Soldaten. Das Ausmaß der Hochwasserschäden in Deutschland lässt sich bisher nicht beziffern, sagte Ernst Rauch vom Rückversicherer Munich Re. Einen Lichtblick gibt es: Der Deutsche Wetterdienst rechnet damit, dass der Regen in dem kommenden Tagen fast überall nachlässt.