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Schwule und Lesben erleben Gewalt in Afrika © dpa
27.01.2014

Homophober Kontinent: Schwule und Lesben erleben Gewalt in Afrika

Kapstadt. «Nackte Angst» - mit diesen Worten beschreiben Menschenrechtsaktivisten die Stimmung, die unter Schwulen und Lesben in Nigeria herrscht. Ein Mitte Januar von Präsident Goodluck Jonathan unterzeichnetes Gesetz richtet sich offen gegen Homosexuelle.

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In vielen Ländern Afrikas ist gleichgeschlechtliche Liebe nicht nur verboten, sondern auch gefährlich: Gewalt gegen Schwule und Lesben ist an der Tagesordnung. In Nigeria kommt es nach einem neuen Gesetz zu regelrechten «Hexenjagden».

Damit drohen Menschen, die in Schwulen-Clubs oder -Organisationen aktiv sind oder ihre gleichgeschlechtliche Beziehung öffentlich zeigen, Gefängnisstrafen bis zu 14 Jahren.

Seither gebe es regelrechte «Hexenjagden» auf Homosexuelle, sagt Dorothy Aken'Ova, Direktorin des Internationalen Zentrums für reproduktive Gesundheit und sexuelle Rechte (INCRESE) in Westafrika. Binnen zehn Tagen habe die nigerianische Polizei willkürlich rund 100 Menschen festgenommen, weil sie «offensichtlich homosexuell» waren. Andere seien so lange gefoltert worden, bis sie die Namen anderer Lesben und Schwulen nannten. Menschen gingen im Mob auf andere los, die sie für homosexuell hielten, berichtet die Aktivistin.

Die Situation in Nigeria ist in Afrika keine Ausnahme. Homosexualität ist in vielen Ländern illegal, Attacken auf Schwule und Lesben sind trauriger Alltag. Selbst im vergleichsweise liberalen Südafrika landen immer wieder Fälle von sogenannten «korrigierenden Vergewaltigungen» vor Gericht: Männer vergewaltigen lesbische Frauen, um sie zu «heilen». Dabei hat das Land gegenüber sexuellen Minderheiten sehr liberale Gesetze, Homosexuelle dürfen hier sogar heiraten.

In Kamerun starb Anfang 2014 ein 34-Jähriger, weil seine Familie ihn aus einem Krankenhaus zerrte - er hatte dort nach einem Leistenbruch Hilfe gesucht. Zuvor war er zu drei Jahren Haft verurteilt worden, weil er einem Mann via SMS seine Liebe gestanden hatte.

Umfassende Statistiken über Gewaltdelikte gegen Homosexuelle in Afrika existieren nicht. Was für sich spricht, ist die hohe Zahl der Anti-Homo-Maßnahmen quer über den Kontinent.

In Uganda hat das Parlament im Dezember ein Gesetz verabschiedet, das erlaubt, Schwule und Lesben bei mehrfachen «Verstößen» lebenslang hinter Gitter zu schicken. Zwar hat Präsident Yoweri Museveni seine Unterschrift unter das Gesetz verweigert. Doch er bezeichnete Homosexualität als «Abnormalität», die es zu heilen gelte. In Malawi müssen Schwule mit bis zu 14 Jahren Gefängnis rechnen. Auch in Kenia droht für gleichgeschlechtliche Liebe Haft. In Mauretanien kann für homosexuelle Handlungen sogar die Todesstrafe verhängt werden. In Tansania und Simbabwe machen führende Politiker immer wieder schwulenfeindliche Bemerkungen.

Das neue Gesetz in Nigeria indes stellt nicht nur Homosexualität unter Strafe. Auch die Arbeit von Hilfsorganisationen, die für die Rechte von Schwulen und Lesben kämpfen, wird behindert. «Das Gesetz macht unser Engagement zu einem Verbrechen», sagt Aken'Ova, deren Organisation sich um gesundheitliche Belange von Schwulen kümmern. «Ich könnte allein für dieses Interview ins Gefängnis wandern.»

Nach Angaben der Vereinten Nationen gefährdet das Gesetz so auch den Kampf gegen Aids in dem westafrikanischen Land. Homosexuellen könnte der Zugang zu wichtigen Einrichtungen verwehrt werden, warnte das UN-Hilfsprogramm Unaids jüngst in Genf. In Nigeria sind etwa 3,4 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert; unter den Schwulen sind es etwa 17 Prozent.

Menschenrechtsaktivisten weisen darauf hin, dass Homo-feindliche Gesetze nicht selten vor Wahlen eingeführt würden. «Homophobie wird oft als politisches Instrument benutzt, um Stimmen von konservativen und religiösen Gruppen zu gewinnen», sagt Dawn Cavanagh, Direktorin der Koalition Afrikanischer Lesben in Johannesburg. Außerdem lenke dies von anderen, echten Problemen ab, etwa Armut, Korruption oder soziale Ungleichheit.