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Horst Lenk
Horst Lenk
13.09.2016

Horst Lenk: „Die Handelswelt wird vielfältiger“

Horst Lenk, Vizepräsident des Handelsverbands Deutschland und Pforzheimer Einzelhändler, will den Einkauf für Kunden zum Erlebnis werden zu lassen.

PZ: Welche Bedeutung hat für Sie das Internet als Innenstadt-Einzelhändler bislang?

Horst Lenk: Sehr wichtig! Der Online-Handel ist die wichtigste Zäsur seit der Einführung der Selbstbedienungsläden in den 60er-Jahren. Der Kunde von heute und erst recht von morgen ist mitten in der Digitalisierung angekommen und treibt die Wirtschaft und den Handel. Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Darauf muss sich der Handel in jedem Bereich einstellen, im Verkauf wie auch in der Kommunikation, im Marketing und nicht zuletzt in der Aus- und der Weiterbildung seiner Mitarbeiter

PZ: Ist das Internet ein Problem oder die Chance für den Einzelhändler der Zukunft?

Horst Lenk: Insgesamt kann man sagen, dass es sicherlich Herausforderungen gibt, es überwiegen allerdings die damit verbundenen Chancen. Die Handelswelt wird vielfältiger: Sich online informieren und dann stationär einkaufen oder online einkaufen und die Ware selbst abholen oder im Laden informieren und sich die Ware über den Webshop des Ladens bestellen – all das sind mögliche Formen des zukünftigen Handels.

PZ: Schon von der Kostenstruktur her hat der klassische Einzelhändler gegenüber seinem Mitbewerber im Internet Nachteile. Genannt seien hier nur Ladenmieten, qualifiziertes Personal, von den Steuern ganz zu schweigen. Wie geht man als Einzelhändler damit um?

Horst Lenk: Gerade in Zeiten zunehmender Vergleichbarkeit von Produkten und ständiger Verfügbarkeit gewinnen auch klassische Vorteile des Vor-Ort-Einkaufswieder an Bedeutung: Mehr denn je geht es im stationären Handel der Zukunft darum, sich dem Wandel der Zeit zu stellen, einen hohen Grad an Service zu bieten und ein Einkaufserlebnis zu schaffen. Den Kunden zu umarmen und ihm eine Heimat zu bieten, ist ein Muss für jeden Händler. Bezogen auf die Kostenstruktur und insbesondere auf das Thema Steuern, bin ich der Meinung, dass eine ganzheitliche Bewertung nach dem „olympischen Denken“ – gleiches Recht und Chancen für alle – der richtige Weg ist. Das heißt entweder steigen die Belastungen für alle Akteure gleichermaßen oder sie gehen zurück.

PZ: Können sich kleine Läden die Investitionen in Sachen Internet leisten?

Horst Lenk: Sicherlich sind die Investitionskosten in diesem Bereich nicht unerheblich, allerdings kann der Händler schon mit einer aktuellen Homepage, auf welcher seine Öffnungszeiten, Kontaktdaten, Marken und eine Vorstellung seiner Person gegebenenfalls Teams zu finden sind beim Kunden bereits punkten. Es muss also nicht immer direkt der eigenen Online-Shop sein. Der Handelsverband hat in diesem Bereich entsprechende Partner, die für jede Anforderung von klein bis groß eine entsprechende Lösung bieten.

PZ: Wie glauben Sie, kann man die Menschen vor Ort dazu bewegen, auch vor Ort zu kaufen?

Horst Lenk: Durch persönliche Ansprache. Der Kunde will umarmt werden. Mitarbeiter müssen entsprechend geschult werden. Die Waren müssen sofort verfügbar sein, der Kunde muss sie fühlen, schmecken, riechen können. Der Händler braucht auf die Kunden zugeschnittene Events. So wird Ware erlebbar und mit anderen Dienstleistungen verknüpft. Es bedarf eines Beschwerdemanagements ohne Wenn und Aber. Der Händler muss sich mit anderen Anbietern vernetzen und spontane Impulse beim Stadt-Bummel bieten durch Inspirationen im Schaufenster, interaktives Shopping auch im Geschäft.