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Neue Impulse für eine attraktive Stadtentwicklung: Hans Göz, Jochen Freivogel und Jochen Abraham (von links) haben eine Leitplanung entworfen, die die Stadt mit Konzepten füllen soll.
Innenstadt Architekten
16.01.2008

Ideen für eine lebenswerte Stadt

Unverwechselbare Stadtquartiere und eine Innenstadt mit wiederhergestellten Fassaden aus den 50er-Jahren: Das sind Eckpfeiler einer städtebaulichen Rahmenplanung, die die Architektenkammer jetzt vorlegt.

Die innerstädtische Gestaltung in ein langfristiges Stadtentwicklungskonzept zu fassen – dazu gab es in der Vergangenheit immer wieder Versuche. Jetzt hat die örtliche Kammergruppe der Architektenkammer Baden-Württemberg eine Leitplanung entwickelt. Auf deren Grundlage wollen die Architekten mit der Stadtverwaltung, den Gemeinderäten und einer breiten Öffentlichkeit über die Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt ins Gespräch kommen. „Wir sehen sowohl Mängel als auch Chancen“, sagt Vorsitzender Jochen Abraham. Ein Anliegen ihrer Initiative ist es, die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu verbessern.

Architektur entrümpeln

Jochen Abraham und seine Vorstandskollegen Hans Göz und Jochen Freivogel haben ihre städtebaulichen Ideen am Donnerstag der „Pforzheimer Zeitung“ vorgestellt. Demnach beinhaltet der Rahmenplan vier tragende Säulen: Für das Stadtzentrum haben die Architekten die profilgebende Architektur der 50er- und 60er-Jahre als prägend erkannt. Es sei eine abgestimmte Selbstverpflichtung über das Erscheinungsbild des Einzelhandels nötig, so dass Gebäudearchitektur, Werbung und auch Mobiliar aufeinander abgestimmt werden könnten. „Wir müssen die Innenstadt von Fassadenzusätzen entrümpeln, die im Laufe der Zeit dazugekommen sind“, erklärt Abraham. Auf diese Weise könnten Raumachsen wieder erlebbar werden. „Es gibt hochwertige Bauten der 50er- und 60er-Jahre, der Blick auf sie ist teilweise durch Plastikstühle und Blumenkübel verstellt“, sagt Freivogel. Die Wiederherstellung des Industriehauses und auch des Schmuckmuseums sei ein gelungenes Beispiel für den Umgang mit dem Stadtraum.

Den Bereich des Waisenhausplatzes, des neu gestalteten Marktplatzes und der Schloßkirche sieht Abraham als guten städtebaulichen Kontrapunkt zum Einkaufsbereich Schlössle-Galerie an der Leopoldstraße. Die Zerrennerstraße möchte er zwischen CongressCentrum und Rathaus für den Durchgangsverkehr gesperrt sehen.

Arbeiten und Wohnen

Architekt Hans Götz verspricht sich durch die Stärkung der einzelnen Stadtviertel eine Wiederbelebung der Idee vom Wohnen und Arbeiten auf engem Raum. Sanierungsgebiete wie die Kaiser-Friedrich-Straße bedürften der Öffnung zum Fluss hin, da sie sehr verkehrsbelastet sei. Stadtteile wie Brötzingen sollten die Chance bekommen ihren Charakter nicht nur über die öffentlichen Räume zu definieren sondern ganzheitlich.

So wie die Architekten eine große Qualität im Wohnen und Leben an den Flüssen sehen, erkennen sie die Bahntrasse als einen zu entwickelnden Bereich. Sie wünschen sich mit dem nötigen Abstand eine attraktive Gestaltung der Freiflächen etwa für Parkanlagen. Für Nachverdichtung und die Ansiedlung von Handel, Gewerbe und Dienstleistung sowie Wohnen seien die Flächen gut geeignet, sagt Abraham. Auch der Stadteingang bei Pforzheim-West weise eine Brachfläche des alten Bahnhofs Brötzingen auf, die es zu gestalten gelte. Das Umfeld des sehenswerten denkmalgeschützten Bahnhofsbaus soll laut Architektenkammer noch stärker als Visitenkarte hervorgehoben werden. „Dies betrifft sowohl die fehlende städtebauliche Fassung, die mangelnde Qualität der öffentlichen Freiflächen als auch verkehrstechnische Klärung.“ Die Verkehrsströme im Bahnhofumfeld durch einen Innenstadtring neu zu ordnen, sei das eine; die Busbahnhöfe Nord und Süd neu zu organisieren und Platz zu schaffen für weitere Hotels und Restaurants als erlebbare Urbanität das andere.