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Fahrzeugteile liegen am 1. Februar 2016 in Berlin nach einem illegalen Autorennen auf der Tauentzienstraße. Bei dem Wettrasen starb ein Unschuldiger in einem unbeteiligten Auto.
Fahrzeugteile liegen am 1. Februar 2016 in Berlin nach einem illegalen Autorennen auf der Tauentzienstraße. Bei dem Wettrasen starb ein Unschuldiger in einem unbeteiligten Auto. © dpa
04.11.2017

Illegale Autorennen? Drei Verletzte, sieben Autos beschlagnahmt

Berlin. Polizisten in Berlin ermitteln wegen mehrerer mutmaßlicher Autorennen. Am Samstag meldete die Polizei vier Einsätze aus der Nacht zuvor, die jeweils auf illegale Rennfahrten zurückgehen könnten. Die Polizei beschlagnahmte bei diesen Einsätzen sieben Autos.

Die ersten drei Autos stellten die Beamten nach einem Unfall im Stadtteil Treptow-Köpenick am Freitagabend sicher, bei dem zwei Autos zusammenstießen. Zeugen sagten aus, vor dem Unfall mehrere Autos mit deutlich erhöhter Geschwindigkeit fahren gesehen zu haben. Bei den Unfallautos handelte es sich um einen Mietwagen und ein gestohlenes Auto.

Der 21 Jahre alte Fahrer des Mietwagens verletzte sich bei dem Unfall und musste ins Krankenhaus. Aus dem gestohlenen Auto sprangen laut Zeugen nach dem Unfall zwei Männer, die zu Fuß flüchteten.

Auch bei einem Unfall im Stadtteil Wilmersdorf steht der Verdacht eines illegalen Autorennens im Raum. Ein 18-Jähriger fuhr dort in der Nacht zu Samstag dem Auto einer 51-Jährigen auf, das gerade an einer roten Ampel stand. Die Frau wurde in ihrem Auto eingeklemmt und schwer verletzt. Der 18-Jährige verletzte sich nur leicht und gab an, eingeschlafen zu sein.

Zeugen sagten der Polizei, der 18-Jährige und der Fahrer eines weiteren Autos seien zuvor sehr schnell gefahren. Außerdem hätten sie oft die Spur gewechselt. Der zweite Autofahrer soll demnach nach dem Unfall mit dem 18-Jährigen gesprochen haben und dann weitergefahren sein.

Auch in Schönberg und auf dem Ku'damm fielen der Polizei Autofahrer auf, die zu schnell unterwegs waren. Eine Polizeisprecherin betonte am Samstag, dass in den vier Fällen der vorangegangenen Nacht noch ermittelt werden müsse, ob es sich tatsächlich um illegale Rennen gehandelt hat, oder die Fahrer aus anderen Gründen zu schnell gefahren sind.

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Lebenslange Haft für Ku'damm-Raser – «Mit Vollgas in der City»

Zuschauer schreien überrascht auf, die Angeklagten stehen wie vom Schlag getroffen: Erstmals in Deutschland sind Ende März 2017 zwei Raser nach einem illegalem Rennen mit tödlichem Ausgang des Mordes schuldig gesprochen worden. Lebenslange Freiheitsstrafen verhängte das Berliner Landgericht. Lebenslang solle den beiden als Ku'damm-Raser bekannt gewordenen Männern, 28 und 25 Jahre alt, der Führerschein entzogen werden. Die Verteidigung kündigte daraufhin Revision an.

«Es ist immer eine Einzelfallentscheidung», begann Richter Ralph Ehestädt. Persönlichkeit der Täter, Motivation, Tatumstände. Die Gesamtschau führe zum Urteil. Die Angeklagten hätten einen tödlichen Ausgang des Rennens natürlich nicht gewollt. «Aber wir reden hier von einem bedingten Vorsatz.» Davon, dass sie die Folgen «billigend in Kauf» genommen hätten. Mit bis zu 170 Kilometern pro Stunde seien die Angeklagten gerast - «nicht auf einer Landstraße, sondern auf dem Kurfürstendamm, einer Hauptverkehrsstraße in der City».

Das Tempo spielte die besondere Rolle bei der Entscheidung. Es habe die beiden Sportwagen zu Tatwaffen, zu «gemeingefährlichen Mitteln» werden lassen, so das Gericht. «Es wurde mit Vollgas gefahren», sagt Ehestädt. Ob jemand von rechts kommt, sei nicht mehr einsehbar gewesen für die Raser. «Keine Chance für die Raser zu handeln.» Und keine Chance für das Opfer.

Ein Unfallort, den Zeugen später als Schlachtfeld beschreiben. Bei Grün rollte ein kleiner Jeep am 1. Februar 2016 um 0.40 Uhr an der Tauentzienstraße auf die Kreuzung. Die beiden PS-starken Sportwagen – beide Fahrer sind bereits mehrfach wegen Delikten im Straßenverkehr aufgefallen – nähern sich rasend. Mit mindestens Tempo 160 rammt der 28-Jährige den Jeep. 72 Meter weit wird der pinkfarbene Geländewagen geschleudert. Der 69 Jahre alte Fahrer stirbt in seinem Auto.

Im März klickten für die beiden Raser die Handschellen. Über die Männer hieß es später im Prozess, sie würden ihre hochmotorisierten Autos lieben, sich darüber definieren, Selbstbestätigung holen. Einer der Verteidiger sagte: «Die ticken anders als unsereins.» Sie würden ihre Fahrkünste derart überschätzen, dass ihnen gar nicht in den Sinn komme, es könnte zu einem Unfall kommen.

Das Risiko ausgeblendet? Das Argument zählte für die Richter nicht. «Auch der Raser bleibt ein Mensch, der einen Kopf hat», sagt Ehestädt. Die Folgen einer höchstgefährlichen Fahrweise seien ihnen sehr wohl bekannt. «Raserei ist keine seelische Erkrankung.» Der Raser habe die Möglichkeit von Einsicht und Erkenntnis.

Dieser Richterspruch sorgte bundesweit für Aufsehen. Bislang führten tödliche Verkehrsunfälle nach Raserei zu Schuldsprüchen wegen einer fahrlässig begangenen Tat.  dpa

Schreiberling
05.11.2017
Illegale Autorennen? Drei Verletzte, sieben Autos beschlagnahmt

Wenn man einen Mindest-IQ für den Führerschein verlangen würde, wären diese Leute wahrscheinlich nicht auf der Straße. ;) mehr...