nach oben
Entführer muss in Psychiatrie.
Entführer muss in Psychiatrie © dpa
04.04.2012

«Im Liebeswahn» - Entführer muss in Psychiatrie

Hamburg (dpa) - Er entführte eine junge Studentin, sperrte sie in seine mit Stacheldraht gesicherte Wohnung und wollte Kinder mit ihr zeugen: Nach diesem Verbrechen im August 2011 muss ein 30-Jähriger aus Hamburg jetzt in die Psychiatrie.

Der Angeklagte könne nicht bestraft werden, er habe eine krankhafte seelische Störung, sagte der Vorsitzende Richter am Mittwoch im Landgericht Hamburg. Die Schuldunfähigkeit könne nicht ausgeschlossen werden. «Wenn er nicht therapiert wird, kann sich eine solche Tat jederzeit wiederholen.»

In früheren Jahren war der sogenannte Entführer von Barmbek bereits mehrmals aufgefallen, weil er mindestens 19 Frauen nachstellte. Eine Strafe bekam er dafür nicht. Unter den Opfern des Stalkers war auch die Schauspielerin Eva Habermann. Um ihre Zuneigung zu gewinnen, zog er 2003 extra nach Hamburg.

Auch Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten die Unterbringung des Arbeitslosen in einer Psychiatrie gefordert. «Er war im Liebeswahn und wollte die Frau länger für sich behalten», erklärte Verteidigerin Leonore Gottschalk-Solger. Mit Handgranaten und einer Pistole bewaffnet hatte er die Austauschstudentin aus Israel aus ihrem Wohnheim verschleppt. Der 26-Jährigen gelang erst nach Stunden die Flucht aus der zur Festung ausgebauten Wohnung. Sie sprang aus dem Fenster und verletzte sich dabei am Stacheldraht.

Die Polizei fand später medizinische Geräte für eine künstliche Befruchtung, Schwangerschaftstests und 1,6 Tonnen Lebensmittel. Welche Rolle eine schalldichte, gelbe Telefonzelle in der Wohnung des Angeklagten spielen sollte, konnte der Prozess nicht klären. Der isoliert lebende Mann hatte die Tat weitgehend eingeräumt. Als er die Gelegenheit zum letzten Wort ergriff, entschuldigte er sich bei seinem Opfer, das inzwischen wieder in seiner Heimat Israel lebt.