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Donald Trump tut genau das, was er im Wahlkampf versprochen hat. Foto. Carolyn Kaster Foto: Carolyn Kaster
Donald Trump tut genau das, was er im Wahlkampf versprochen hat. Foto. Carolyn Kaster Foto: Carolyn Kaster
01.02.2017

In Trumps Welt: Geschlossene Grenzen, offene Begeisterung

Washington (dpa) - Weltweit rollt die Welle der Empörung, in weiten Teilen der USA ist sie nicht einmal ein fernes Rauschen. Donald Trump tut genau das, was er im Wahlkampf versprochen hat.Dass der neue US-Präsident auch hier mit dem Muster vieler Vorgänger bricht, ist seinen Anhängern ein Grund mehr, ihn zu feiern. Menschen in Florida und Texas, Iowa oder Georgia sind hingerissen von Einreisebann und Mexiko-Mauer, drakonischer Sicherheit und «Amerika zuerst». Das passt nicht zur liberalen Seite der USA, die auch in Deutschland oft bevorzugt wahrgenommen wird. Aber Amerika war noch nie alleine der Times Square.

Jay Lin ist vor mehreren Jahrzehnten selber eingewandert. In einer Interviewreihe von CNN nimmt er die Bedrohungslage der USA so wahr: «Es ist furchtbar. Solange wir keinen Weg gefunden haben, absolut sichere Kontrollen zu haben, können wir nicht so weitermachen.»

Streng genommen ist Trump mit seinem Einreisedekret sogar hinter dem Wahlkampfversprechen eines Banns aller Muslime zurückgeblieben. Vom aktuellen Dekret sind große, mehrheitlich muslimisch geprägte Länder ausgenommen.

Robert Lastra, Einwanderer aus Kuba, lebt in Texas. Er sagt, Gewalt, Mord und Totschlag hätten ganze Stadtviertel fast unbegehbar gemacht. Er sagt über ankommende Flüchtlinge: «Endlich macht jemand damit ernst, diese Leute genau zu überprüfen. Die Verfassung gibt ihnen kein Recht, hier zu sein. Wenn, dann kommen sie in Gottes Gnade zu uns, so wie auch ich damals.»

James Hitt aus Iowa nennt die Welle einer «Vergewaltigungskrise» in Deutschland und Schweden als abschreckendes Beispiel, sie sei ausgelöst von Flüchtlingen aus dem Nahen Osten. So dürfe es in den USA nie werden, sagt Hitt, auch wenn es seine Beispiele aus Europa so nicht gibt. Er fügt hinzu: «Mir sind unsere obdachlosen Veteranen allemal wichtiger als Flüchtlinge aus Syrien.»

Das Weiße Haus hat die hohen Zustimmungswerte für Trumps Politik in der Anhängerschaft genau im Blick, adressiert punktgenau Bedürfnisse und Stimmungen. Zustimmende Medien begleiten dies, analog, im Fernsehen und im Netz. Intellektueller und anderer Flankenschutz ist breit.

Grenzschutzbeamte, die sich nicht an gerichtliche Maßgaben halten und Ankommende trotz gültigen Visums weiter zurückschicken, werden im Netz als aufrechte Widerständler gepriesen. Ein Debattenbeitrag auf Alex Jones Seite «Infowars» lobt Trumps Team: «Weiße Männer haben dieses Land seit Jahrhunderten regiert, und nur weiße Männer können es stärken.»

Journalisten werden von «unbenannten Mitarbeitern des Weißen Hauses» mit der Einschätzung versorgt, die Umsetzung des Einreisebanns sei eine gewaltige Erfolgsgeschichte. Als einer der Architekten des Dekrets sagt Trump-Berater Stephen Miller: «Wenn es keine Proteste gib, haben sie wahrscheinlich nichts getan, was von größerer Bedeutung wäre.» Es gibt auch die These, Proteste im Land würden bewusst geschürt, damit die Bevölkerung ihrer überdrüssig werde.

Die «National Review» schreibt: «Dies ist nicht die Zeit für Selbstzufriedenheit, sondern für einen frischen Blick auf Grenzkontrollen und Einwanderungspolitik. Das Dekret ist kein Verrat amerikanischer Werte, sondern kann ein vielversprechender Neustart sein - während wir amerikanisches Mitgefühl immer noch hochhalten.»

Weiter heißt es: «Wir wissen, dass Terroristen Flüchtlingsmassen infiltrieren. Ein kurzfristiger Bann für problematische Länder und eine Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen sind vernünftig und klug.»

Wer in Emotionen baden wolle, solle das in der «Washington Post» tun, schlägt das Portal «Breitbart News» vor, und empfiehlt sich als das Medium für Erwachsene mit klarem Blick. Kritik am Einreisedekret wird rundweg abgelehnt, Trumps Entscheidung sei sachlich geboten. «Endlich regieren Erwachsene!», heißt es in Leserkommentaren. Andere sind voller Hass auf Muslime. Deren maschinelle Beseitigung sei effizienter als jedes Gesetz.

Debbie Meiners aus Florida sagt, sie sei hingerissen, dass der Präsident Maßnahmen ergreife, das Land zu schützen. «Ich fühle mich sicherer», sagt Dotty Rhea (68) aus Savannah (Georgia). «Sie werden jetzt wieder alle genau gecheckt. Niemandem wird erlaubt, unsere Grenzen zu fluten.»

Im Jahr 2015 suchten laut UN 65,3 Millionen Menschen Schutz vor Kriegen, Konflikten oder Verfolgung. Die USA haben im Haushaltsjahr 2016 (Oktober 2015 bis September 2016) 84 995 Flüchtlinge aufgenommen. Verglichen mit anderen Ländern sind das viel weniger, sowohl absolut als auch gemessen an der Bevölkerungsgröße. Trumps Sprecher Sean Spicer spricht vielen Amerikanern aus der Seele, wenn er sagt: «Es ist immer noch ein Privileg, zu uns kommen zu dürfen. Wir sind das großartigste Land der Welt.»