nach oben
Internetflirt endet in Gewaltorgie: 19-Jähriger geht durch Hölle.
Internetflirt endet in Gewaltorgie: 19-Jähriger geht durch Hölle © dpa
06.03.2012

Internetflirt endet in Gewaltorgie: 19-Jähriger geht durch Hölle

Rottweil (dpa/lsw) - Es hätte eine nette Romanze werden können, vielleicht auch einfach nur eine gute Freundschaft. Mit allem hatte ein 19-Jähriger gerechnet, als er seine Internet-Bekanntschaft zum ersten Mal treffen wollte. Doch was dann passierte, übersteigt jegliche Vorstellungskraft: Der junge Mann wurde entführt, schwer misshandelt und wie ein Sklave gehalten.

Das Amtsgericht Rottweil hat seine Peiniger nun am Montag zu Jugendstrafen bis zu drei Jahren und acht Monaten verurteilt. Das Ausmaß der «Widerlichkeiten», das sich das Trio für den 19-Jährigen ausgedacht habe, ließ die Richterin aber auch bei der Urteilsverkündung noch immer sichtbar ratlos zurück.

Eigentlich hatte alles so gut begonnen. Im Internet hatten sich die beiden 19-Jährigen kennengelernt, sich voneinander geschrieben und allmählich Vertrauen zueinander gefasst. Im vergangenen Juli wollten sie sich dann endlich einmal persönlich treffen. Und so fuhr der Mann aus der Ortenau nach Spaichingen (Kreis Tuttlingen). Doch dort begannen die schlimmsten Tage seines Lebens.

Wie genau alles angefangen hat, das konnte das Jugendschöffengericht bis zuletzt nicht wirklich klären. Dass der 19-Jährige selbst seine Peiniger provoziert habe, das glaubten die Richter den Angeklagten nicht. Vermutlich sei den Dreien das am Anfang selbst noch nicht ganz klar gewesen, vermutete Richterin Petra Wagner. "Er war ihnen ein willkommenes Opfer."

Mit einem Messer zwangen sie ihn, mit ihnen zu kommen. Als erstes musste er die völlig verdreckte Wohnung des Trios putzen, während seine Peiniger ihn beobachteten und auslachten. Kaum war er fertig, wurde er zum ersten Mal körperlich misshandelt. Mit «massivster Gewalt» seien die beiden 20 und 21 Jahre alten Männer vorgegangen, so das Urteil. Wieder und wieder schlugen und traten sie auf ihn ein. Die beiden Männer haben nach Überzeugung der Richterin sogar extra Springerstiefel mit Stahlkappen angezogen, um ihm noch stärkere Schmerzen zuzufügen. Die junge Frau habe sich das alles angesehen und sei dann auf den Mann losgegangen, als der schon völlig wehrlos war.

Am nächsten Morgen dann gingen die Erniedrigungen weiter. Der 19-Jährige musste noch eine Wohnung putzen. Später dann zwangen ihn seine Peiniger, mit ihnen in die Stadt zu fahren, Handyverträge auf seinen Namen abzuschließen und zwei Laptops zu kaufen. An eine Flucht habe der 19-Jährige selbst mitten in der Stadt nicht zu denken gewagt, weil er solche Angst gehabt habe, sagte die Richterin. «Aus Angst hätte er wirklich alles getan, was von ihm gefordert wurde.»

Doch auch sein Gehorsam half ihm nichts. Am zweiten Abend sei das Trio erneut mit brutaler Gewalt auf ihn losgegangen - vielleicht noch ein bisschen heftiger als am ersten Abend, sagte die Richterin. Der 19-Jährige habe vor Schmerzen geschrien und immer wieder gefleht, doch endlich aufzuhören. Doch ohne Erfolg. «Sie haben sich auch vom Flehen ihres Opfers nicht abhalten lassen», sagte Wagner. Schließlich packten ihn die beiden Männer an den Beinen und hielten in kopfüber von einer Brücke. Todesangst habe der 19-Jährige spätestens in dieser Situation ausgestanden.

Nach zwei Tagen ließen die Peiniger ihr Opfer dann frei - vermutlich hatten sie Angst vor den Folgen ihrer Tat bekommen. Der 19-Jährige war durch die ständigen Schläge und Tritte so schwer verletzt, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste. An den seelischen Folgen leidet er nach Angaben seines Anwalts bis heute.

Die Angeklagten hatten die Taten vor Gericht weitgehend gestanden. Doch ob sie überhaupt einen Funken Reue verspüren, da waren sich Richterin und Staatsanwältin nicht einig. Die Richterin wollte es zu Gunsten der Angeklagten zumindest nicht ausschließen. Doch die Staatsanwältin zeigte sich erschrocken über die «völlige Gefühllosigkeit» der jungen Leute. Der 20-Jährige hatte in seiner Aussage vor Gericht noch gesagt: «Ich fand es amüsant.»

Leserkommentare (0)