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Schauspieler Klaus Maria Brandauer gelingt es grandios, Shakespeares berühmte Komödie ganz allein zum prallen Spektakel zu machen und die Spannung in jedem Moment zu halten.  Foto: Fotomoment 
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Andreas Grau (links) und Götz Schumacher am Steinway.  Foto: Fotomoment 

Jubiläumswochenende der Maulbronner Klosterkonzerte begeistert

Maulbronn. Der Schauspieler Klaus Maria Brandauer hat Erfahrung mit dem Auftritt im Freien vor einer eindrucksvollen sakralen Kulisse, schließlich spielte er viele Jahre den Jedermann vor dem Salzburger Dom bei den Festspielen als einer der prägenden Vertreter dieser Rolle. Nun kam der berühmte Burgschauspieler nach Maulbronn und machte dort beim Festwochenende 50 Jahre Klosterkonzerte auch Open Air vor dem Kloster Theater – allerdings als einziger Darsteller.

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Maulbronner Klosterkonzerte begeistern das Publikum

Zusammenhänge erklärt

„Lasst mich den Löwen auch spielen“: Handwerker Zettel will in Shakespeares „Sommernachtstraum“ im Spiel von Pyramus und Thisbe gleich mehrere Rollen übernehmen. Brandauer geht am Samstagabend noch weiter und übernimmt in seiner Fassung dieser legendären Komödie des englischen Theatergenies gleich alle Partien. Mehr noch, er erklärt die Zusammenhänge der Handlung und erlaubt sich ganz dezent einige kommentierende Verfremdungseffekte. Es ist natürlich keine übliche Theateraufführung, die dabei entsteht, sondern eine literarisch-musikalische Performance ohne Maske und Bühne. Für den musikalischen Part steht das GrauSchumacher Piano Duo ein, mit dem der in diesem Genre überhaupt sehr aktive Schauspieler schon einige Projekte gestaltet hat.

Andreas Grau und Götz Schumacher spielten vierhändig am Klavier zu Brandauers natürlich ein wenig gestraffter Version des Shakespeare-Textes in der sozusagen klassischen Übersetzung von Schlegel und Tieck die bekannte Bühnenmusik von Felix Mendelssohn Bartholdy in einer Klavierfassung des Komponisten. Neben der Ouvertüre des 17-Jährigen sind alle bekannten Nummern wie Scherzo, Notturno und Hochzeitsmarsch dabei, aber auch Lieder und knappe illustrierende Passagen.

So wie es Brandauer nur durch Sprache und ein wenig Spiel gelingt, das zauberhafte Geschehen im Athener Wald zu imaginieren, so vermögen die beiden Pianisten den Zauber der Musik Mendelssohns auch ohne andere Instrumente am Klavier mit vier Händen zu vergegenwärtigen.

Der gerade 75 Jahre alt gewordene Klaus Maria Brandauer ist bekanntermaßen ein Schauspielvirtuose, der sich auf keinen Charakter und keinen Tonfall festlegen lässt. Und einer, der neben kraftvoller Gebärde auch eine ungebrochene Jugendlichkeit, ja Spitzbübigkeit ausstrahlt, was seiner Darstellungskraft fast keine Grenzen setzt.

Nuancenreiche Charaktere

Entsprechend versteht es dieser Bühnenkünstler von Gnaden, den poetischen wie den derben Seiten des Textes und den unterschiedlich gelagerten Figuren ein eigenständiges Gesicht zu geben. Die Fülle seiner Nuancen in der Rezitation ist ebenso verblüffend wie der weit gespannte gleichsam dynamische Radius seines Sprechens vom elfengleichen Pianissimo bis zum herrischen Forte. Natürlich werden in den 80 Minuten viele Handlungsstränge nur kurz angerissen, aber es gibt am Ende auf jeden Fall ein stimmiges Bild und einen dramatisch geschickt gesteigerten Verlauf.

Die Musik Mendelssohn gibt dieser Fassung einen sinnfälligen Rahmen. Grau und Schumacher spielen mit zauberhafter Poesie und schillernder Brillanz. Sie schaffen eine eigene stimmungsvolle Ebene, die immer in überzeugender Weise mit der Ausstrahlung von Brandauers Vortrag korrespondiert.

In der Maulbronner Sommernacht zeigt dies eine besondere Wirkung: Das Publikum folgt gebannt und aufmerksam. Nach wenigen Regentröpfchen kurz vor neun Uhr hält Petrus die Schleusen dicht – und so ist es ein von Poesie und Musik erfüllter herrlicher Sommerabend. Brandauer beschwört in seinen Dankesworten an das Publikum explizit diese Stimmung und die Aura des Orts, die er erst erstmals erlebte.