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In Würzburg stehen Studenten des Priesterseminars unter einem schlimmen Verdacht. Sie sollen den Geburtstag von Adolf Hitler gefeiert, Judenwitze erzählt und rechtsradikale Musik gespielt haben.
In Würzburg stehen Studenten des Priesterseminars unter einem schlimmen Verdacht. Sie sollen den Geburtstag von Adolf Hitler gefeiert, Judenwitze erzählt und rechtsradikale Musik gespielt haben. © Symbolbild: dpa
29.07.2013

Judenwitze und Hitlers Geburtstag gefeiert - Priesterseminar unter Verdacht

«Seminar unter der Lehre des Guten Hirten» - das steht in goldenen Lettern auf Latein über dem Eingangstor zum Würzburger Priesterseminar. Doch was in den vergangenen Wochen aus dem ehrwürdigen Gebäude in der Altstadt an die Öffentlichkeit drang, war alles andere als gut. Einige Studenten des Priesterseminars sollen sich bei Treffen Judenwitze erzählt haben. Zudem stehen sie im Verdacht, den Geburtstag von Adolf Hitler gefeiert zu haben. Auch sollen sie rechtsradikale Musik gespielt haben.

An diesem Mittwoch (31. Juli) wird eine externe Untersuchungskommission, die vom Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann eingesetzt wurde, ihren Bericht vorlegen. Den Vorsitz hatte der Richter am Oberlandesgericht Bamberg, Norbert Baumann. In den vergangenen Wochen haben die Mitglieder der Kommission die Vorwürfe gegen die angehenden Priester geprüft.

Anfang Mai hatten Seminarteilnehmer den Leiter des Priesterseminars, Herbert Baumann, informiert, dass es rechte Gesinnungen in der Gruppe gebe. Am Würzburger Priesterseminar lernen derzeit 18 angehende Priester. Sie werden für die Bistümer Würzburg und Bamberg ausgebildet.

Die Staatsanwaltschaft Würzburg kündigte an, den Bericht der Kommission auf strafrechtliche Relevanz zu prüfen. Bisher seien keine Ermittlungsverfahren gegen Seminaristen anhängig. Die bislang bekannten Fakten hätten keinen Anfangsverdacht hinsichtlich konkreter Straftaten begründet, hieß es zur Begründung.

In der jüdischen Gemeinde sind die Erwartungen an die Kommission hoch. «Ich bin überzeugt, dass die Kommission die Vorwürfe gegenüber einzelnen Seminaristen lückenlos aufgeklärt hat und das entsprechend darlegt», sagt Josef Schuster, Vizepräsident des Zentralrats der Juden und Vorsitzender der Israelitischen Gemeinde Würzburg. Er erwarte, dass die Verantwortlichen der Diözesen daraus die notwendigen Konsequenzen ziehen.

Wenn sich die Vorwürfe, die im Raum stünden, auch nur annähernd bestätigten, sei die Sache für ihn klar: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass Menschen mit einem solchen Gedankengut in einem geistlichen Amt tätig sein können.» Besonders weil Menschen in diesem Amt eine wichtige Aufgabe gegenüber Jugendlichen hätten.

«Antisemitismus hat in der Kirche keinen Platz», sagt auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. «Auch jede Form von Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Extremismus ist mit dem Christentum nicht vereinbar.» Das müsse in jeder kirchlichen Erziehung und Ausbildung, besonders im Priesterseminar, gelehrt und deutlich gemacht werden. Die Verantwortlichen in der Ausbildung hätten die Pflicht, sensibel zu sein, Augen und Ohren offen zu halten und jedem Aufkeimen zu begegnen.

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