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Junge soll wegen Anfeindungen gegen Ärzte in ein anderes Transplantationszentrum oder nach Istanbul zurück verlegenverlegt werden.
Junge soll wegen Anfeindungen gegen Ärzte verlegt werden © Symbolbild dpa
14.08.2014

Junge soll wegen Anfeindungen gegen Ärzte verlegt werden

Gießen. Wegen heftiger Anfeindungen gegenüber Ärzten und Pflegekräften will das Uniklinikum in Gießen einen schwer herzkranken und hirngeschädigten türkischen Jungen in ein anderes Krankenhaus verlegen.

Derzeit werde nach einem Transplantationszentrum im Ausland gesucht, das den 21 Monate alten Jungen aufnimmt, sagte Klinikumssprecher Frank Steibli am Donnerstag.

Das Kind war zu einer Herztransplantation nach Gießen gebracht worden. Kurz vor dem Transport aus Istanbul Ende März erlitt es einen Kreislaufstillstand und dadurch einen nach Einschätzung der Ärzte irreversiblen Hirnschaden. Die Transplantation könne und dürfe nun nicht mehr vorgenommen werden, heißt es im Klinikum. Die Eltern wehren sich gegen diese Einschätzung. Sie verlangen, dass ihrem Sohn wie ursprünglich vereinbart ein Herz transplantiert wird.

Steibli sagte, Klinikmitarbeiter würden von Fürsprechern der Eltern verbal und körperlich bedrängt und bedroht. Das Klinikum habe einen Sicherheitsdienst für das Kinderherzzentrum beauftragen müssen. Auch über das Netzwerk Facebook werde der Klinik vorgeworfen, ein Spenderherz deshalb zu verweigern, weil der Junge aus der Türkei komme.

Da die Eltern zudem jegliche alternative Behandlung ablehnten, gebe es keine nachhaltige Grundlage für die weitere Betreuung des Jungen, der mit einem Kunstherzen am Leben erhalten wird. «Für uns heißt das nun, das Kind in ein anderes Transplantationszentrum oder nach Istanbul zurück zu verlegen», sagte der Ärztliche Geschäftsführer des Uniklinikums, Professor Werner Seeger, laut Mitteilung.

Das Klinikum beruft sich auf das Transplantationsgesetz und Richtlinien der Bundesärztekammer. Demnach dürften Patienten nicht in die Warteliste für Spenderorgane aufgenommen werden, wenn eine schwerwiegende Erkrankung eines anderen Organs den langfristigen Erfolg der Transplantation infrage stelle.

Der Anwalt der Eltern, Kai Wiegand, wirft dem Klinikum vor, wichtige Patientenunterlagen zurückzuhalten. Nur mit diesen könnten die Eltern ein anderes Transplantationszentrum im Ausland finden: «Das ist ein klarer Verstoß gegen die Patientenrechte», sagte der Gießener Anwalt der «Süddeutschen Zeitung».

In dem Fall geht es auch um viel Geld: 400 000 Euro haben die Eltern dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) für die ursprünglich vereinbarte Operation gezahlt. Laut dem Zeitungsbericht liegen die Kosten inzwischen aber bereits bei fast 600 000 Euro.

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