nach oben
Jörg Kachelmann verklagt seine ehemalige Geliebte auf Schadenersatz. Der Prozess steht unter neuen Vorzeichen: Diesmal müsste der Moderator seine Unschuld beweisen - und seine Ex-Freundin der Lüge überführen. © dpa
29.10.2012

Kachelmann kämpft um den Beweis seiner Unschuld

Frankfurt. Der Streit zwischen Jörg Kachelmann und seiner ehemaligen Geliebten Claudia D. tritt in eine neue Phase: Diesmal geht es um Geld - aber wahrscheinlich noch mehr um Genugtuung. Kachelmann fordert Schadenersatz in Höhe von 13.352,69 Euro von der Frau, die ihn wegen Vergewaltigung angezeigt hatte - Kosten für Gutachten, die er zu seiner Verteidigung erstellen ließ. An diesem Mittwoch (31. Oktober) verhandelt das Landgericht Frankfurt über die Klage.

Bildergalerie: Kachelmann kämpft um den Beweis seiner Unschuld

In der 26 Seiten langen Klageschrift argumentiert Kachelmanns Anwältin, Claudia D. habe vorsätzlich falsch ausgesagt und sich selbst Verletzungen zugefügt, um Kachelmann ins Gefängnis zu bringen. Deshalb habe sie die Kosten der Verteidigung zu ersetzen - unter anderem für rechtsmedizinische und aussagepsychologische Gutachten. Diese seien «direkte Folge der von der Beklagten veranlassten, unrechtmäßigen Verhaftung und anschließenden Untersuchungshaft».

Im Strafprozess hatte das Landgericht Mannheim Kachelmann am 31. Mai 2011 freigesprochen. Der Vorsitzende Richter hatte allerdings bei der Urteilsverkündung betont: «Der heutige Freispruch beruhe nicht darauf, dass die Kammer von der Unschuld von Herrn Kachelmann und damit im Gegenzug von einer Falschbeschuldigung der Nebenklägerin überzeugt ist.» Genau das müsste Kachelmann nun beweisen: Dass er unschuldig ist und Claudia D. ihn falsch beschuldigt hat. Denn anders als im Strafverfahren trägt er im Zivilprozess als Kläger die Beweislast.

Fängt also alles nochmals von vorne an? Endlose Vernehmungen von Zeugen, Sachverständigen, Gutachtern, um endlich zu klären, was die Mannheimer Richter auch nach 44 Verhandlungstagen nicht sicher sagen konnten: Was wirklich passiert ist in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2010 in der Wohnung von Claudia D. in Schwetzingen?

Justiz-Insider vermuten, dass die Zivilrichter alles versuchen werden, um eine neue, umfangreiche Beweisaufnahme zu vermeiden. Sie könnten sich soweit wie möglich auf die Feststellungen aus dem Strafurteil stützen. Doch die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Strafrichter sind für das Zivilverfahren nicht bindend. Und Kachelmann könnte versuchen, mit neuen Beweisanträgen oder Gutachten doch noch einen Beweis für seine Unschuld zu erbringen.

In diesem Fall könnte die Sache teuer werden für Claudia D., die als Radiomoderatorin in Teilzeitbeschäftigung weit entfernt sein dürfte von den finanziellen Möglichkeiten des Wettermoderators, dessen Buch «Recht und Gerechtigkeit» sich auf Anhieb in den oberen Rängen der Bestsellerlisten eingeklinkt hat. Die Klageschrift enthält eine dezente Drohung: Kachelmann mache «lediglich einen kleinen Teil» des Schadens geltend, der ihm entstanden sei. «Weitergehende Schäden wie zum Beispiel Verteidigungskosten und Verdienstausfälle aus der Zeit der Hauptverhandlung und Reputationsschäden sind nicht Gegenstand dieser Klage.»

«Schon der Freispruch für Kachelmann im Strafverfahren hatte eine abschreckende Wirkung auf Frauen, die sich überlegen, einen Vergewaltiger anzuzeigen», meint Karin Wagner, Vorstand des Arbeitskreises der Opferhilfen (ado). «Wenn die Ex-Geliebte jetzt auch noch Schadensersatz leisten müsste, dann setzt das schon noch einen drauf.» Und auch Claudia D.s Anwalt argumentiert: «Es muss jedem möglich sein, redliche Anzeige wegen einer Straftat zu erstatten, ohne dass ihm deshalb ein Anspruch auf Schadensersatz droht.»

Ob allerdings die Anzeige gegen Kachelmann in diesem Sinne «redlich» war - das steht gerade im Streit. «Falsche Beschuldigungen bei Sexualstraftaten sind ein bekanntes Phänomen», meint der Kriminologe Klaus Sessar, emeritierter Professor der Universität Hamburg. Allerdings kenne er keine seriöse wissenschaftliche Untersuchung, über die Zahl von Falschbeschuldigungen. Und Schadensersatzklagen nach Vergewaltigungsanzeigen seien «derart selten, dass sich daraus keine robusten empirischen Erkenntnisse ableiten lassen».

Leserkommentare (0)