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Kälte macht sich bemerkbar: Engpass beim Gas.
Kälte macht sich bemerkbar: Engpass beim Gas © dpa
09.02.2012

Kälte macht sich bemerkbar: Engpass beim Gas

Pforzheim/Stuttgart. Russland kommt zuerst – Regierungschef Wladimir Putin hat es am Wochenende klipp und klar gesagt: Bei großer Kälte versorgt das Land, das fast 40 Prozent des deutschen Erdgasbedarfs liefert, die eigene Bevölkerung mit Vorrang – der Westen hat das Nachsehen.

Insbesondere der Südwesten, wohin die „Druschba“-Pipeline derzeit nur gedrosselt Gas liefert. Warum Russland gerade hier reduziert hat, ist unklar: „Darüber haben wir keine Informationen“, sagte gestern Marc Pudlatz, Sprecher von Baden-Württembergs größtem Gaszwischenhändler, der Gasversorgung Süddeutschland (GVS) in Stuttgart. Fest steht: „Druschba“, zu Deutsch Freundschaft, sieht anders aus.

Da es auch hierzulande extrem kalt ist und der Verbrauch entsprechend hoch, gibt es Versorgungsengpässe. Die GVS hat ihre Kunden, zu denen auch die Stadtwerke in Pforzheim und in Mühlacker gehören, angewiesen, Gas zu sparen und alle verfügbaren Speicher zu nutzen. Die Lage sei „angespannt“, so Sonja Kirschner, Sprecherin der Stadtwerke Pforzheim. Derzeit liegt man in der Goldstadt – entgegen der Aufforderung zum Sparen – bei 110 Prozent des Vollbezugs und steht deshalb in Dauerkontakt mit der GVS. Außerdem werden die Speichermöglichkeiten, die Gaskugel in der Oststadt und eine Hochdruckleitung, voll ausgeschöpft. Die werden nachts betankt, um morgendliche Versorgungsspitzen zu stemmen. Mühlacker – ebenfalls mit einer Speicherleitung (sieben Kilometer von Wiernsheim nach Mühlacker) ausgestattet – spart seit 3. Februar tatsächlich fünf Prozent ein. „Wir halten uns an die Spielregeln“, so Matthias Bosch, Leiter der Energiewirtschaft. „Etwas Entspannung“ bringe die eigene Biomethan-Anlage.

Die Versorgung jedenfalls ist in Pforzheim und Mühlacker gesichert, auch Großkunden aus der Industrie droht keine Abschaltung. Kirschner: „Wir können alle Kunden zuverlässig mit Gas beliefern.“ Auch, wenn es in den nächsten Tagen so kalt bleibt. Im Notfall würden in der Senderstadt eigene Anlagen abgeschaltet, in Pforzheim wäre das Heizkraftwerk dran. Frieren müsste übrigens niemand: Die Fernwärme würde dann mit Öl erzeugt.

Es geht auch anders: Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ist am Freitag in Karlsruhe Block vier des EnBW-Kraftwerks RDK vom Netz genommen worden. Sein Essener Lieferant hatte einen unterbrechbaren Vertrag mit EnBW.

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