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17.01.2008

Kämpfen für den Befreiungsschlag

Ach, was hat man nicht alles gehört, jahrelang und immer wieder. Pforzheim werde zerrieben zwischen den Großstädten Stuttgart und Karlsruhe. Pforzheims City leide unter der hausgemachten Konkurrenz auf der Wilferdinger Höhe, wo es einen direkten Autobahn-Anschluss und Parkplätze in Hülle und Fülle direkt vor der Haustür gibt. Die Stadt leide unter ihrer Drei-Täler-Lage, dem Auf und Ab, den Flüssen, den drei Bundesstraßen und überhaupt unter allem. Wer so viel leidet, wird unleidig, kurz: ein Bruddler.

Dabei stimmt die Analyse ja zum gewissen Teil. Stuttgart rüstet massiv auf. Hunderte Millionen Euro werden von Bund, Land, Deutscher Bahn und der Stadt selbst in das Projekt Stuttgart 21 gepumpt, das für die Schwabenmetropole eine gewaltige Vergrößerung ihrer ohnehin schon gut bestückten und florierenden City mit sich bringt. Karlsruhe wiederum, Pforzheims großer Mitbewerber im Westen, will seine Innenstadt mit einem gewaltigen Stadtbahn-Tunnel versehen. Störende Gleise und unfallträchtige Bahnen verschwinden unter die Erde, bleiben der Residenzstadt aber als Kundenbringer erhalten.

Wie könnte Pforzheim dagegenhalten? Was könnte der vergleichbar große Befreiungsschlag sein, mit dem sich die Goldstadt-Mitte so positioniert, dass sie eben nicht in die Kategorie Klein- und überhaupt-gerade-noch-Stadt abfällt, mit ein paar Filialisten, Ein-Euro-Shops, den letzten Resten der einst so stolzen inhabergeführten Fachgeschäfte? Die Antwort liegt auf der Hand. Der Tunnel unter der Zerrennerstraße muss her. Das bringt eine Innenstadt, die vom Kneipen-Quartier am Schlossberg bis zur kleinen, aber feinen und immer noch hoch attraktiven Einkaufsmeile Dillsteiner Straße reicht, ohne dass eine vierspurige Autobahn eine tiefe Furche hindurchzieht. Und in dieser größeren Einheit stimmt dann auch wieder der Branchenmix der Pforzheimer City. Obendrein werden die Ladengeschäfte an der Zerrennerstraße somit attraktiver.

Das alles sind nicht die allerneuesten Erkenntnisse. Neu ist, dass es vor 200 Unternehmern, Kaufleuten, Planern, Stadträten und weiteren Bürgern kein eher müdes Lächeln einbringt, den Tunnel anzusprechen, sondern dass die Forderung danach von genau diesem Personenkreis beinahe frenetisch bejubelt wird. Und dass sich Baubürgermeister Alexander Uhlig anhören muss, er treibe dies viel zu langsam voran und sei ein Bremser, der Projekte zu Tode prüfe. Als er es vor zwei Jahren im Gemeinderat vorstellte, war die Reaktion die: Es sei schon eine ganz schöne Chuzpe, so ein Fantasiegespinst überhaupt auf die Tagesordnung zu setzen.

Technisch ist der Tunnel machbar, das haben Uhligs Untersuchungen ergeben. Finanziell wäre er ein Kraftakt. Womöglich wäre es, auch das eine Idee vom Mittwoch, mal wieder Zeit, die Bürger zur Unterschrift aufzurufen. Zur Erinnerung: Ein solches Votum der Pforzheimer hat der Stadt den finanziell auch kaum für möglich gehaltenen Neubau des heutigen CongressCentrums beschert.