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18.04.2008

Kampf dem Virus

Von ihrer ersten Afrikareise im Jahr 2004 hat die Schriftstellerin und Malerin Beate Rygiert die Idee mit nach Hause gebracht, Aids-Patienten, die sie in Ost-Uganda in einer Waisendorf-Einrichtung kennengelernt hatte, zu helfen. Aus der Idee wurde ein Projekt in Zusammenarbeit mit dem Verein Tukolere Wamu. Seit vier Jahren erhalten hauptsächlich Mütter und Kinder die Heilpflanze Sutherlandia aus Südafrika. In diesem Frühjahr reiste die Autorin wieder nach Uganda, um sich vom Fortschritt ihres Projekts zu überzeugen.

Aus Afrika gelangen selten gute Nachrichten zu uns. Auch Uganda ist ein Land mit vielen Gegensätzen. Schon wenige Kilometer außerhalb der Städte ist die Armut unverkennbar. Doch der Wille, etwas zum Guten zu verändern, ist da. Und zwar in der Bevölkerung vor allem unter denen, die am meisten betroffen sind: den Frauen.

Sie sind es auch, die am stärksten unter der Aids-Epidemie leiden. Der Virus hat viele von ihnen zu Witwen gemacht, nun müssen sie sich und ihre häufig ebenfalls infizierten Kinder allein durchbringen. Sterben die Mütter, sind es die Großmütter, die eine Enkelschar großziehen müssen.

Traditionelle Heilpflanze

Vor vier Jahren startete ich gemeinsam mit dem Verein Tukolere Wamu ein Projekt, um diesen Frauen und ihren Kindern zu helfen. Eine traditionelle Heilpflanze aus den Wüsten des südlichen Afrikas bringt seither Hoffnung und Stärkung: Su-therlandia frutescens. Mit ihrer das Immunsystem modulierenden Wirkung ist sie in der Lage, den geschwächten Organismus enorm zu unterstützen. Natürlich kann auch Suthelandia den HIV-Virus nicht besiegen oder Aids heilen. Gegen die typischen Krankheiten, denen Aids-Patienten erliegen, wirkt Sutherlandia indes in erstaunlichem Maße.

Diese Erfahrung machen in Südafrika seit rund zehn Jahren bereits Tausende von Patienten. Auch in Salem-Mbale berichten die Patienten durchweg von positiven Erfahrungen. „Ich fühle mich stark“, sagt Dorothy, die ich auf ihrem Feld antreffe, wo sie Hirse für sich und ihre Kinder sät. Vor zwei Jahren, ehe sie Sutherlandia das erste Mal erhielt, konnte sie kaum aufstehen, um mich zu begrüßen. Und sie ist nicht die Einzige, die Gutes zu berichten hat.

Da ist Margaret, 52 Jahre alt. Sie empfängt mich vor ihrem Hause unter einem Mangobaum, keine zehn Meter von den Gräbern ihrer Lieben entfernt. Dort liegen ihr Mann, ihre Tochter und ihre zwei Söhne. Alle starben an Aids. Sie hinterließen zwei Enkelkinder, die nun Margaret großzieht. Auch die Großmutter ist infiziert, und ehe sie Sutherlandia erhielt, war sie bettlägerig. Heute versorgt sie sich und ihre Enkel. Sie hat Arbeit gefunden und kann so die Kinder zur Schule schicken.

Wieder guter Dinge

Ähnlich erging es der 49-jährigen Djeska, auch sie verwitwet und all ihrer Kinder beraubt. In ihrem Haushalt leben vier Enkel. Bevor sie die Heilpflanze erhielt, litt sie unter extrem schmerzhaften Durchblutungsstörungen in den Beinen, die es ihr unmöglich machten, zu gehen. Ein schwerer Herpesbefall überzog ihr halbes Gesicht. Heute sind beide Symptome verschwunden und Djeska ist wieder guter Dinge.

Alice ist seit sechs Jahren Witwe. Die 38-Jährige hat vier Kinder und ihre kranke Mutter zu versorgen. Su-therlandia befreite sie von einem entsetzlich juckenden, nässenden Hautausschlag am ganzen Körper. Sie zeigt mir die feinen Narben auf ihren Armen, der Ausschlag ist verheilt. Ich merke ihr an, dass die Belastung, an diesem unheilbaren Virus erkrankt zu sein, ihr nicht nur körperlich, sondern auch psychisch schwer zu schaffen macht. Doch im Gegensatz zu früher hat sie sich wieder dem Leben und der Zukunft zugewandt.

Die gute Wirkung von Sutherlandia beginnt sich herumzusprechen. Noch in Deutschland erreichte mich die Anfrage einer Krankenschwester aus Nakaseke, rund 600 Kilometer von Mbale entfernt. Aus Mbale erhielt sie ein paar Sutherlandia-Proben. Sie und ihre Patienten sind begeistert und bitten mich, auch sie zu unterstützen.

Waren die Gespräche in Mbale bereits sehr berührend für mich, so ist die Begegnung mit Schwester Grace in der Hauptstadt Kampala eine weitere Bestätigung, dass sich mein Engagement lohnt. Grace hat die kleine Angela an der Hand, als wir uns treffen. „Noch vor sechs Monaten war sie zu schwach, um in die Schule zu gehen“, sagt die Krankenschwester. Ich sehe das quirlige, aufgeweckte Mädchen und kann es kaum glauben. Angela litt unter demselben Hautausschlag wie Alice, der ganze Körper eine juckende, brennende Wunde. Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Keine Frage, dass nun auch die Gruppe in Nakaseke Sutherlandia erhalten wird.

Wenig Aufwand, große Wirkung

Was ich von dieser zweiten Reise nach Uganda nach Hause bringe? Die Erkenntnis, mit wie wenig man eine große Wirkung erzielen kann. Wie gut es mir tut, aus meiner gewohnten Welt herauszutreten und eine andere kennenzulernen, wo das Selbstverständlichste ständig in Frage steht. Wenn ich mich dafür einsetze, dass diese Menschen in Uganda Su-therlandia erhalten, dann bin nicht nur ich es, die Geschenke bringt. Im Austausch erhalte ich von diesen Begegnungen so vieles, was sich selbst für eine Schriftstellerin schwer in Worte fassen lässt: Den zurechtgerückten Blick aufs Wesentliche, das beschreibt es vielleicht am besten.
















Aus Afrika gelangen selten gute Nachrichten zu uns. Auch Uganda ist ein Land mit vielen Gegensätzen. Schon wenige Kilometer außerhalb der Städte ist die Armut unverkennbar. Doch der Wille, etwas zum Guten zu verändern, ist da. Und zwar in der Bevölkerung vor allem unter denen, die am meisten betroffen sind: den Frauen.

Sie sind es auch, die am stärksten unter der Aids-Epidemie leiden. Der Virus hat viele von ihnen zu Witwen gemacht, nun müssen sie sich und ihre häufig ebenfalls infizierten Kinder allein durchbringen. Sterben die Mütter, sind es die Großmütter, die eine Enkelschar großziehen müssen.

Traditionelle Heilpflanze

Vor vier Jahren startete ich gemeinsam mit dem Verein Tukolere Wamu ein Projekt, um diesen Frauen und ihren Kindern zu helfen. Eine traditionelle Heilpflanze aus den Wüsten des südlichen Afrikas bringt seither Hoffnung und Stärkung: Su-therlandia frutescens. Mit ihrer das Immunsystem modulierenden Wirkung ist sie in der Lage, den geschwächten Organismus enorm zu unterstützen. Natürlich kann auch Suthelandia den HIV-Virus nicht besiegen oder Aids heilen. Gegen die typischen Krankheiten, denen Aids-Patienten erliegen, wirkt Sutherlandia indes in erstaunlichem Maße.

Diese Erfahrung machen in Südafrika seit rund zehn Jahren bereits Tausende von Patienten. Auch in Salem-Mbale berichten die Patienten durchweg von positiven Erfahrungen. „Ich fühle mich stark“, sagt Dorothy, die ich auf ihrem Feld antreffe, wo sie Hirse für sich und ihre Kinder sät. Vor zwei Jahren, ehe sie Sutherlandia das erste Mal erhielt, konnte sie kaum aufstehen, um mich zu begrüßen. Und sie ist nicht die Einzige, die Gutes zu berichten hat.

Da ist Margaret, 52 Jahre alt. Sie empfängt mich vor ihrem Hause unter einem Mangobaum, keine zehn Meter von den Gräbern ihrer Lieben entfernt. Dort liegen ihr Mann, ihre Tochter und ihre zwei Söhne. Alle starben an Aids. Sie hinterließen zwei Enkelkinder, die nun Margaret großzieht. Auch die Großmutter ist infiziert, und ehe sie Sutherlandia erhielt, war sie bettlägerig. Heute versorgt sie sich und ihre Enkel. Sie hat Arbeit gefunden und kann so die Kinder zur Schule schicken.

Wieder guter Dinge

Ähnlich erging es der 49-jährigen Djeska, auch sie verwitwet und all ihrer Kinder beraubt. In ihrem Haushalt leben vier Enkel. Bevor sie die Heilpflanze erhielt, litt sie unter extrem schmerzhaften Durchblutungsstörungen in den Beinen, die es ihr unmöglich machten, zu gehen. Ein schwerer Herpesbefall überzog ihr halbes Gesicht. Heute sind beide Symptome verschwunden und Djeska ist wieder guter Dinge.

Alice ist seit sechs Jahren Witwe. Die 38-Jährige hat vier Kinder und ihre kranke Mutter zu versorgen. Su-therlandia befreite sie von einem entsetzlich juckenden, nässenden Hautausschlag am ganzen Körper. Sie zeigt mir die feinen Narben auf ihren Armen, der Ausschlag ist verheilt. Ich merke ihr an, dass die Belastung, an diesem unheilbaren Virus erkrankt zu sein, ihr nicht nur körperlich, sondern auch psychisch schwer zu schaffen macht. Doch im Gegensatz zu früher hat sie sich wieder dem Leben und der Zukunft zugewandt.

Die gute Wirkung von Sutherlandia beginnt sich herumzusprechen. Noch in Deutschland erreichte mich die Anfrage einer Krankenschwester aus Nakaseke, rund 600 Kilometer von Mbale entfernt. Aus Mbale erhielt sie ein paar Sutherlandia-Proben. Sie und ihre Patienten sind begeistert und bitten mich, auch sie zu unterstützen.

Waren die Gespräche in Mbale bereits sehr berührend für mich, so ist die Begegnung mit Schwester Grace in der Hauptstadt Kampala eine weitere Bestätigung, dass sich mein Engagement lohnt. Grace hat die kleine Angela an der Hand, als wir uns treffen. „Noch vor sechs Monaten war sie zu schwach, um in die Schule zu gehen“, sagt die Krankenschwester. Ich sehe das quirlige, aufgeweckte Mädchen und kann es kaum glauben. Angela litt unter demselben Hautausschlag wie Alice, der ganze Körper eine juckende, brennende Wunde. Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Keine Frage, dass nun auch die Gruppe in Nakaseke Sutherlandia erhalten wird.

Wenig Aufwand, große Wirkung

Was ich von dieser zweiten Reise nach Uganda nach Hause bringe? Die Erkenntnis, mit wie wenig man eine große Wirkung erzielen kann. Wie gut es mir tut, aus meiner gewohnten Welt herauszutreten und eine andere kennenzulernen, wo das Selbstverständlichste ständig in Frage steht. Wenn ich mich dafür einsetze, dass diese Menschen in Uganda Su-therlandia erhalten, dann bin nicht nur ich es, die Geschenke bringt. Im Austausch erhalte ich von diesen Begegnungen so vieles, was sich selbst für eine Schriftstellerin schwer in Worte fassen lässt: Den zurechtgerückten Blick aufs Wesentliche, das beschreibt es vielleicht am besten.

















Aus Afrika gelangen selten gute Nachrichten zu uns. Auch Uganda ist ein Land mit vielen Gegensätzen. Schon wenige Kilometer außerhalb der Städte ist die Armut unverkennbar. Doch der Wille, etwas zum Guten zu verändern, ist da. Und zwar in der Bevölkerung vor allem unter denen, die am meisten betroffen sind: den Frauen.

Sie sind es auch, die am stärksten unter der Aids-Epidemie leiden. Der Virus hat viele von ihnen zu Witwen gemacht, nun müssen sie sich und ihre häufig ebenfalls infizierten Kinder allein durchbringen. Sterben die Mütter, sind es die Großmütter, die eine Enkelschar großziehen müssen.

Traditionelle Heilpflanze

Vor vier Jahren startete ich gemeinsam mit dem Verein Tukolere Wamu ein Projekt, um diesen Frauen und ihren Kindern zu helfen. Eine traditionelle Heilpflanze aus den Wüsten des südlichen Afrikas bringt seither Hoffnung und Stärkung: Su-therlandia frutescens. Mit ihrer das Immunsystem modulierenden Wirkung ist sie in der Lage, den geschwächten Organismus enorm zu unterstützen. Natürlich kann auch Suthelandia den HIV-Virus nicht besiegen oder Aids heilen. Gegen die typischen Krankheiten, denen Aids-Patienten erliegen, wirkt Sutherlandia indes in erstaunlichem Maße.

Diese Erfahrung machen in Südafrika seit rund zehn Jahren bereits Tausende von Patienten. Auch in Salem-Mbale berichten die Patienten durchweg von positiven Erfahrungen. „Ich fühle mich stark“, sagt Dorothy, die ich auf ihrem Feld antreffe, wo sie Hirse für sich und ihre Kinder sät. Vor zwei Jahren, ehe sie Sutherlandia das erste Mal erhielt, konnte sie kaum aufstehen, um mich zu begrüßen. Und sie ist nicht die Einzige, die Gutes zu berichten hat.

Da ist Margaret, 52 Jahre alt. Sie empfängt mich vor ihrem Hause unter einem Mangobaum, keine zehn Meter von den Gräbern ihrer Lieben entfernt. Dort liegen ihr Mann, ihre Tochter und ihre zwei Söhne. Alle starben an Aids. Sie hinterließen zwei Enkelkinder, die nun Margaret großzieht. Auch die Großmutter ist infiziert, und ehe sie Sutherlandia erhielt, war sie bettlägerig. Heute versorgt sie sich und ihre Enkel. Sie hat Arbeit gefunden und kann so die Kinder zur Schule schicken.

Wieder guter Dinge

Ähnlich erging es der 49-jährigen Djeska, auch sie verwitwet und all ihrer Kinder beraubt. In ihrem Haushalt leben vier Enkel. Bevor sie die Heilpflanze erhielt, litt sie unter extrem schmerzhaften Durchblutungsstörungen in den Beinen, die es ihr unmöglich machten, zu gehen. Ein schwerer Herpesbefall überzog ihr halbes Gesicht. Heute sind beide Symptome verschwunden und Djeska ist wieder guter Dinge.

Alice ist seit sechs Jahren Witwe. Die 38-Jährige hat vier Kinder und ihre kranke Mutter zu versorgen. Su-therlandia befreite sie von einem entsetzlich juckenden, nässenden Hautausschlag am ganzen Körper. Sie zeigt mir die feinen Narben auf ihren Armen, der Ausschlag ist verheilt. Ich merke ihr an, dass die Belastung, an diesem unheilbaren Virus erkrankt zu sein, ihr nicht nur körperlich, sondern auch psychisch schwer zu schaffen macht. Doch im Gegensatz zu früher hat sie sich wieder dem Leben und der Zukunft zugewandt.

Die gute Wirkung von Sutherlandia beginnt sich herumzusprechen. Noch in Deutschland erreichte mich die Anfrage einer Krankenschwester aus Nakaseke, rund 600 Kilometer von Mbale entfernt. Aus Mbale erhielt sie ein paar Sutherlandia-Proben. Sie und ihre Patienten sind begeistert und bitten mich, auch sie zu unterstützen.

Waren die Gespräche in Mbale bereits sehr berührend für mich, so ist die Begegnung mit Schwester Grace in der Hauptstadt Kampala eine weitere Bestätigung, dass sich mein Engagement lohnt. Grace hat die kleine Angela an der Hand, als wir uns treffen. „Noch vor sechs Monaten war sie zu schwach, um in die Schule zu gehen“, sagt die Krankenschwester. Ich sehe das quirlige, aufgeweckte Mädchen und kann es kaum glauben. Angela litt unter demselben Hautausschlag wie Alice, der ganze Körper eine juckende, brennende Wunde. Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Keine Frage, dass nun auch die Gruppe in Nakaseke Sutherlandia erhalten wird.

Wenig Aufwand, große Wirkung

Was ich von dieser zweiten Reise nach Uganda nach Hause bringe? Die Erkenntnis, mit wie wenig man eine große Wirkung erzielen kann. Wie gut es mir tut, aus meiner gewohnten Welt herauszutreten und eine andere kennenzulernen, wo das Selbstverständlichste ständig in Frage steht. Wenn ich mich dafür einsetze, dass diese Menschen in Uganda Su-therlandia erhalten, dann bin nicht nur ich es, die Geschenke bringt. Im Austausch erhalte ich von diesen Begegnungen so vieles, was sich selbst für eine Schriftstellerin schwer in Worte fassen lässt: Den zurechtgerückten Blick aufs Wesentliche, das beschreibt es vielleicht am besten.