nach oben
Mütter und Verwandte von vermissten Personen demonstrieren am Muttertag in Mexiko City. In Mexiko sollen Drogenkartelle für das Verschwinden Tausender Jugendlicher verantwortlich sein.
Mütter und Verwandte von vermissten Personen demonstrieren am Muttertag in Mexiko City. In Mexiko sollen Drogenkartelle für das Verschwinden Tausender Jugendlicher verantwortlich sein. © dpa
12.05.2013

Keine Blumen am Muttertag: Mütter suchen ihre Kinder

Nicht jedem ist am Muttertag zum Feiern zumute. Tausende Frauen in Mexiko und Mittelamerika suchen seit Jahren nach ihren Kindern. In den vergangenen Jahren verschwanden bis zu 25.000 Menschen in Mexiko. Oft stecken die Drogenkartelle dahinter.

Ana Enamorado ist verzweifelt. Schon seit drei Jahren sucht sie nach ihrem Jungen, doch aufgeben will sie nicht. «Er ist im Januar 2008 von Honduras in die USA aufgebrochen. Dann blieb er für zwei Jahre in Jalisco (Mexiko) und seit Januar 2010 habe ich nichts mehr von ihm gehört«, sagt sie.

Am Muttertag macht Enamorado gemeinsam mit Dutzenden anderen Frauen auf ihr Schicksal aufmerksam. Mit Fotos ihrer verschwundenen Kinder ziehen sie über die Avenida Paseo de la Reforma, die Prachtstraße von Mexiko-Stadt. Auf einem Transparent ist zu lesen: «Mein Sohn - höre - deine Mutter kämpft für dich.»

Die Frauen fordern von den Behörden mehr Einsatz bei der Suche nach den Verschwundenen. Während die Deutschen an diesem Sonntag den Muttertag begingen, feierten die Mexikaner bereits zwei Tage früher ihren «Día de la Madre».

Nach unterschiedlichen Angaben wurden in den vergangenen sechs Jahren in Mexiko zwischen 10.000 und 25.000 Menschen als vermisst gemeldet. Nach Einschätzung von Menschenrechtsgruppen dürften viele von den Drogenkartellen verschleppt oder getötet worden sein. Auch die Sicherheitskräfte ließen immer wieder Menschen verschwinden, schreibt Human Rights Watch (HRW) in seinem jüngsten Bericht.

In einem Interview der Zeitung «La Jornada» sagte Bundesstaatsanwalt Jesús Murillo Karam zuletzt eine detaillierte Untersuchung aller Fälle zu. «Ich kann nicht versprechen, dass wir sie finden», sagte er. «Ich kann aber zusagen, alles zu tun, was in meiner Macht steht.»

Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong rief eine Kommission ins Leben, die die Suche nach Verschwundenen koordinieren soll. «Wir werden eine personalisierte Suche nach jedem Einzelnen durchführen», zitierte die Zeitung «Excelsior» den Minister. «Dafür werden die Ministerien und die Sicherheitskräfte eng zusammenarbeiten - eine Kooperation, die es bisher so nicht gab.»

Den Mütter ist das nicht genug, ihrer Meinung nach tun die Behörden zu wenig. Vor der Zentrale der Staatsanwaltschaft haben einige Frauen ein Lager aufgeschlagen und sind in Hungerstreik getreten. «Mit unserem Hungerstreik fordern wir ein Treffen mit Präsident Enrique Peña Nieto», sagt Erica Montes de Oaca, deren Sohn im vergangenen November in der mexikanischen Hauptstadt verschwunden ist. «Er soll sein Versprechen einlösen und eine spezielle Staatsanwaltschaft für verschwundene Personen schaffen.»

Carmen Ramírez sucht nach ihrem Sohn und ihrem Bruder. Beide verschwanden 2008 in der Stadt Torreón im Norden Mexikos. «In meinem Fall glauben wir, dass das organisierte Verbrechen für ihr Verschwinden verantwortlich ist.»

Ramírez geht davon aus, dass viele Fälle aus Angst vor Repressalien gar nicht gemeldet werden. «Im Bundesstaat Coahuila sind (nur) 299 Fälle von Verschwundenen dokumentiert, weil einige aus Angst keine Anzeige machen», sagt sie.

Betriz Mejía Díaz sucht seit 2011 nach ihrer Tochter. Der Muttertag ist für sie besonders schwer. «Heute fühle ich einen Schmerz, der mit nichts zu vergleichen ist», sagt sie. «Man kann nicht feiern, wenn einem etwas im Leben fehlt. Du kannst den Verlust von vielem ertragen, aber nicht den Verlust eines Kindes.»