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Die drei neuen Schützenkönigspaare Königin Saskia Budde mit König Thorsten Korves, Königsgemahl Oliver Hermsdorf mit König Dirk Winter sowie Königin Kerstin Höwler und König Dennis Schänzer (von links) eröffneten in Münster den Gemeinschaftsball. Katholische Schützen haben danach auf einem Verbandstag in Leverkusen ein Verbot von schwulen Königspaaren durchgesetzt.
Die drei neuen Schützenkönigspaare Königin Saskia Budde mit König Thorsten Korves, Königsgemahl Oliver Hermsdorf mit König Dirk Winter sowie Königin Kerstin Höwler und König Dennis Schänzer (von links) eröffneten in Münster den Gemeinschaftsball. Katholische Schützen haben danach auf einem Verbandstag in Leverkusen ein Verbot von schwulen Königspaaren durchgesetzt. © dpa
12.03.2012

Keine schwulen Schützenkönigspaare erlaubt

Schwule Schützenkönige? Lesbische Königinnen? Heute alles kein Problem mehr. Das gab es schon zig Mal, auch in katholischen Schützenbruderschaften. Dennoch verursachte Dirk Winter im vergangenen Sommer einen Eklat in der katholischen Schützenwelt, weil er statt einer Alibi-Freundin seinen langjährigen Freund mit auf den Thron nahm. Jetzt hat sein Dachverband, der katholische Bund der Deutschen Historischen Schützenbruderschaften (BDHS), auf einem Verbandstag beschlossen: So etwas soll es nicht wieder geben.

Winter, ein freundlicher Getränkehändler aus Münster, ist schwul, und das kann auch gerne jeder wissen. Ein wenig Sorge habe er aber schon gehabt, als Vereinsfreunde ihn ermunterten, seinen Freund mit auf den Thron zu nehmen, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Das Drama, was dann folgte, habe er jedoch nicht vorausgesehen. «Wenn ich das gewusst hätte, dass das so ein Theater wird, hätte ich mir ein Mädel vom Verein genommen», sagt Winter.

Auf dem Verbandstreffen am Sonntag in Leverkusen votierten 450 Stimmberechtigte für den Antrag, der es schwulen Schützenkönigen künftig untersagt, gemeinsam mit dem gleichgeschlechtlichen Lebenspartner als Königspaar aufzutreten - bei nur 28 Gegenstimmen.

Der Antrag wurde allerdings noch während der Tagung abgeschwächt: Dem Partner eines schwulen Schützenkönigs ist es demnach erlaubt, bei Schützenumzügen in der zweiten Reihe hinterher zu gehen. Auch darf der Schützenkönig seinen Hofstaat künftig allein anführen - eine Frau als Begleitung ist nicht zwingend notwendig. Im ursprünglichen Antrag war eine Frau an der Seite des Königs Bedingung.

Der Dachverband rechtfertigte das Linie am Sonntag mit seiner christlichen Tradition, die keine gleichgeschlechtlichen Königspaare zulasse. Das sahen viele Schützen, die am Sonntag nach Leverkusen gekommen waren, ähnlich. Für Hans-Jürgen Graw besteht ein Königspaar aus Mann und Frau: «Es sieht nicht besonders gut aus, wenn zwei Männer oder zwei Frauen nebeneinander laufen», sagt er. Ein anderer vergleicht: «Wir nehmen ja auch keine Muslime auf, weil wir kirchlich gebunden sind». Die meisten Schützen sagen aber lieber nichts - das Thema ist einfach zu heikel.

Der Schützen-Dachverband versteht den öffentlichen Wirbel nicht. BDHS-Sprecher Rolf Nieborg sagt im Vorfeld des Verbandstages. Man habe nun mal Regeln. Zu diesen gehöre nicht, dass ein gleichgeschlechtliches Paar auftrete.

Deutschlands Lesben- und Schwulenverband geht angesichts dieser Haltung auf die Barrikaden. «Überall sind Schwule und Lesben integriert - wieso dann nicht in dieser Welt?», fragt Geschäftsführer Klaus Jetz. In der Diskussion sieht er eine «Provinzposse», eine «diskriminierende Tradition», mit der der Verband brechen sollte. Auch die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Christine Lüders, hatte die katholischen Schützen von Berlin aus aufgerufen, gegen das Verbot zu stimmen.

Trotz all des Ärgers ist Dirk Winter über die Entscheidung des Dachverbandes eher erleichtert. «Wir können damit leben», sagte der Mann, der den Stein ins Rollen brachte lächelnd. Er würde alles wieder so machen. dpa

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