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Beschaulich, betulich - so wirkte Pforzheim (von Osten gesehen) auf den Betrachter im Jahre 1846.
Pforzheim Spezial Alt-Pforzheim 1
So hat Carl Katz die "Auemer Brücke" in Pforzheim im Jahre 1793 gezeichnet.
Pforzheim Spezial Alt-Pforzheim 2
Mit der Schmuckindustrie kam der Aufstieg: Aus dem Landstädtchen wurde die Großstadt Pforzheim.
Historie - Goldstadt
17.01.2008

Kleine Stadt wird mit Gold ganz groß

"Gold ist unwiderstehlich“, befand Johann Wolfgang Goethe. Ob er damals schon von der Pforzheimer Schmuckindustrie gehört hat? Die hat sich diese Tatsache zu Nutzen gemacht. Über die Schmuck- und Uhrenindustrie wuchs die kleine badische Landstadt Pforzheim zur Großstadt heran.

Im deutschen Nationaldrama „Faust“ lässt Goethe sein Gretchen den berühmten Satz sagen: „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles!“ Freilich hat Goethe die Lust am Gold nicht verklärt. Im Gegenteil. Denn wie setzt das Gretchen fort? „Ach, wir Armen!“ Pforzheim jedoch verdankt seinen Wohlstand dem Gold, weniger jedoch dem Metall an sich, sondern den edlen Produkten, die man daraus schmieden kann. Allerdings konnte mancher Pforzheimer den Seufzer von Gretchen nachvollziehen, denn auf Hochphasen folgte in der Schmuck- und Uhrenindustrie auch immer ein wirtschaftliches Tief. In jüngster Vergangenheit macht Pforzheim deshalb gerade einen Strukturwandel durch, gleichwohl die Stadt gerade wieder mit ihren Traditions-Pfunden wuchern kann, wie etwa in den neuen "Schmuckwelten" im Industriehaus.

Stadtrecht und Lateinschule

Die Pforzheimer Stadtgeschichte von 90 n.Chr. bis zur Gegenwart finden Sie hier im Überblick. mehr»
Ohne die Römer wäre freilich wäre die Stadtgründung wohl undenkbar, denn selbst nach der Zerstörung der Siedlung an der Enz-Furt bei der Altstädter Brücke durch die Alemannen, wohnten hier weiterhin Menschen. Langsam ging es aufwärts, die Stadtrechte folgten, und im 13. und 14. Jahrhundert sah es gar so aus, als wäre das kleine Pforzheim in der Lage, bald eine größere Rolle in der deutschen Städtelandschaft spielen zu können.

Doch es folgte der wirtschaftliche Abstieg und der Verlust an politischer Bedeutung, auch wenn Pforzheim für ein paar Jahrzehnte markgräfliche Residenzstadt war und sich in der mit Reuchlin und Melanchthon verbundenen Lateinschule ein kleines geistiges Zentrum entwickelt hatte. Um 1500 soll es 800 Pforzheimer Einwohner gegeben haben. Zum Vergleich: Heimsheim, die kleinste Stadt im Enzkreis, hat heute über 5200 Einwohner, und Wimsheim, die kleinste Gemeinde im Enzkreis, zählt immerhin noch üner 2600 Bürger.

Rasantes Wachstum der Bevölkerung

Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts führte dann die Schmuckindustrie die Stadt zu neuer Blüte, gleichwohl die Einwohnerzahlen aus heutiger Sicht noch recht bescheiden anmuten. Waren es 1689 nur rund 1000 Einwohner, die nach den vielen Kriegswirren und Zerstörungen des 17. Jahrhunderts in Pforzheim lebten, so wurden 1789 bereits 4311 Bürger gezählt. 1855 wurde die 10.000er-Marke überschritten.

Jahr
Bürger
Jahr
Bürger
1500
500
1933
79.816
1689
1000
1945
42.402
1789
4311
1950
54.143
1800
5062
1961
82.524
1855
10.711
1975
108.635
1875
23.692
1990
112.944
1905
59.389
2005
119.021
Danach wuchs die Bevölkerung rasend schnell weiter. Die Industriealisierung mit der lokalen Schmuckindustrie als Motor forderte Arbeitskräfte und bot den bis dahin in der Landwirtschaft ihr Glück suchenden Menschen ein Auskommen und Zukunftsperspektiven. Nur die Stadt bot verlockende Aufstiegschancen - und die Menschen folgten ihrem Ruf. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dauerte es rund fünf Jahrzehnte, bis sich die Bevölkerung von über 5000 auf über 10.000 Einwohner erhöht hatte. Danach dauerte es nur noch weniger als die Hälfte der Zeit, um die Anzahl der Bürger noch einmal mehr als zu verdoppeln. Dieses rasante Wachstum hielt bis zum Ersten Weltkrieg an, nahm danach wieder Fahrt auf, um im letzten Kriegsjahr ein jähes Ende zu finden.

Der Krieg forderte seinen Tribut

Nach dem Bombenangriff vom 23. Februar 1945 zählte Pforzheim nur noch fast halb so viele Einwohner wie am 16. Juni 1933, wo in der Stadt fast 80.000 Bürger lebten. Erst um 1960 wurde diese Bevölkerungszahl wieder erreicht. Zur Großstadt mit über 100.000 Einwohnern wurde Pforzheim durch Eingemeindungen im Jahre 1975.

Heute ist Pforzheim eine moderne Großstadt, die sich als wirtschaftliches und kulturelles Oberzentrum der Region Nordschwarzwald behauptet. Gleichwohl die Schmuckindustrie nicht mehr der größte Arbeitgeber und Steuerzahler ist und andere Wirtschaftszweige das ökonomische Schwergewicht bilden, besinnt sich Pforzheim gerade wieder auf seine Besonderheiten und poliert den Namen Goldstadt so auf, dass er wieder weltweit glänzt.

»Pforzheimer Stadtgeschichte im Überblick.«

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