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Mit den «Emmanuelle»-Filmen wurde sie weltberühmt, nun starb sie im Alter von 60 Jahren an Krebs: Sylvia Kristel. Sie galt als die Königin des Softpornos und international womöglich bekannteste Schauspielerin der Niederlande. © dpa
18.10.2012

Königin des Softpornos: «Emmanuelle» Sylvia Kristel tot

Amsterdam. Die «Emmanuelle»-Darstellerin Sylvia Kristel ist tot. Die niederländische Filmschauspielerin starb am Mittwochabend im Alter von 60 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung, wie ihr Management am Donnerstag in Amsterdam mitteilte.

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«Sylvia starb im Schlaf», sagte Sprecherin Emma Onrust der Nachrichtenagentur dpa. Sie soll im Familienkreis beigesetzt werden. Neunmal spielte sie die Titelrolle in «Emmanuelle»-Filmen. Ihr Erfolg verschaffte ihr Rollen in insgesamt 50 Spielfilmen, darunter auch mit berühmten Regisseuren wie Claude Chabrol und Roger Vadim.

Eigentlich wollte die 1952 in Utrecht geborene Tochter eines Hoteliers Nonne werden. Doch dann ließ sie sich zur Sekretärin ausbilden und startete in den 70er Jahren eine Karriere als Model.

1973 wurde der zierlichen dunkelhaarigen Niederländerin die Hauptrolle in dem französischen Film «Emmanuelle» angeboten, über die erotischen Abenteuer einer schönen jungen Frau mit ihrem älteren Ehemann in Thailand. 1974 kam er ins Kino.

Ihr damaliger Mann, der 18 Jahre ältere belgische Schriftsteller Hugo Claus, hatte Kristel zu der Rolle überredet, sagte sie mal in einem Interview. «In Thailand waren wir noch nicht, sagte er, und außerdem kommt der Film doch nicht in die Niederlande, also wird deine Mutter ihn nicht sehen.» Doch es kam anders. Weltweit gingen mehrere hundert Millionen Menschen ins Kino, auch viele Frauen, wie Kristel oft selber erzählte.

Der Streifen machte Softpornografie salonfähig, sagen Filmkenner und Sexualforscher. Und aus Kristel machte er die «bekannteste niederländische Schauspielerin im Ausland», wie die Agentur sagt.

In vielen ihrer Filme zeigte sie nackte Haut, Kristel war auf der Leinwand etwa «Lady Chatterly» (1981) oder die niederländische Spionin «Mata Hari» (1985). Aber große Kassenschlager waren diese Werke eher nicht.

Die Nachricht von ihrem Tod löste Bestürzung aus. «Wir kriegen Berichte aus der ganzen Welt, sogar aus China», sagte Emma Onrust. Die Trauer sei groß. «Sie war eine liebe, intelligente und witzige Frau». Doch die Welt kannte Sylvia Kristel vor allem als Königin des Softpornos.

«Sie hatte kaum Talent», sagte der in den Niederlanden sehr bekannte Schauspieler Huub Stapel, «aber ein Schatz». Sie sei eine labile Frau gewesen, die oft am Abgrund balancierte und von manchen Partnern finanziell ausgenutzt worden sei, erinnern sich auch andere Kollegen. «Mein Selbstvertrauen ist ein sehr dünnes Häutchen», gab Kristel selbst zu. In Hollywood geriet sie in den 80er Jahren in den Strudel von Alkohol und Drogen.

Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie in Amsterdam. Sie begann zu malen. Das war für sie eine Art Therapie. Und sie trat auch in Theaterstücken auf. Doch für die Welt blieb sie «Emmanuelle».

Vor zehn Jahren erkrankte Sylvia Kristel erstmals an Krebs. Die Krankheit kehrte im vergangenen Jahr zurück. Im Juli erlitt sie zudem einen schweren Schlaganfall. Ihr Sohn, aus der Beziehung mit Hugo Claus, erklärte wenig später, dass es keine Hoffnung auf Besserung mehr gebe.