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Thomas Satinsky, geschäftsführender Verleger der "Pforzheimer Zeitung"
Thomas Satinsky, geschäftsführender Verleger der "Pforzheimer Zeitung" © Seibel
26.05.2017

Kommentar: Verrohte Gesellschaft - Gewaltkriminalität nimmt sehr deutlich zu

Leben wir in einer zunehmend verrohenden Gesellschaft? Der Anstieg der Gewaltkriminalität spricht dafür. Dazu lesen Sie hier einen Kommentar von PZ-Verleger Thomas Satinsky.

Mit Statistiken ist das so eine Sache. Angeblich kann man nur denen trauen, die man selbst gefälscht hat. Aber Statistiken zeigen zumindest einen Trend auf – ähnlich wie Umfragen. Wer sich die polizeiliche Kriminalstatistik von 2016 vornimmt, wird feststellen, dass bundesweit Zuwächse bei der Gewaltkriminalität im zweistelligen Bereich zu verzeichnen sind. Gewalt, das bedeutet Mord, Totschlag, sexuelle Nötigungen und Vergewaltigung. Bundesinnenminister Thomas de Maizière – ganz der Diplomat – spricht von einer „nicht hinnehmbaren Verrohung der Gesellschaft“.

Noch eine Erkenntnis aus der Kriminalstatistik: Junge Zuwanderer sind in weit höherem Maße kriminell als die heimische Bevölkerung. Die Bandbreite der Straftaten ist groß. Sie reicht von Eigentumsdelikten bis hin zu Terroranschlägen. Würzburg, Ansbach und Berlin lassen grüßen. Dennoch vermitteln Bundes- und Landesregierungen den Eindruck, dass Polizei und Staat wehrhaft und Herr der Lage seien. Das mag ja vor dem Hintergrund zu vermeidender Panikmache vernünftig sein, mit Ehrlichkeit hat das alles aber nichts zu tun.

Schönfärberei hilft aber ganz sicher nicht weiter. Denn die Menschen bekommen durch die Berichterstattung in Zeitungen und den sozialen Netzwerken sehr wohl mit, das sich Gewalttaten in einem bestimmten Bevölkerungskreis übermäßig häufen. Dagegen nützen auch von den Innenministerien zurechtgebogene Statistiken nichts. Eine wachsende Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern machen sich schlicht Sorgen darum, wie ihr Lebensumfeld mehr und mehr verkommt, wie Innenstädte verwahrlosen. Vielerorts hat man Angst, nach 22 Uhr alleine unterwegs zu sein.

Und die Politik? Sie beschwichtigt – wie Vertreter der Volksparteien – oder poltert – wie Angehörige der AfD. Beides hilft nicht weiter. Beiden Gruppierungen fehlen Konzepte, wie sie die Sicherheit der Menschen wieder garantieren können. De Maizière sagt: Das „Gros der Flüchtlinge“ sei unbescholten. Die Zeitung „Einblicke“ kritisiert diese Minister-Äußerung zu Recht mit den Worten „das stimmt natürlich. Man stelle sich mal vor, das Gros sei kriminell“.

Und die Polizei? Sie liefert die Zahlen für die Kriminalstatistik. Die Ordnungshüter stellen lapidar fest, dass die Kriminalität bei den so genannten Biodeutschen sinke, bei Ausländern und Migranten allerdings heftig ansteige. Von Politik und Gerichten fühlt sich die Polizei alleingelassen. Das Bestrafungsrisiko für Täter ist äußerst gering, das Verständnis der Richter für den verheerenden sozialen Hintergrund der Täter dagegen hoch. Die Folge: Die Achtung vor Polizei und Staat sinkt weiter, aber die Statistiken werden es schon richten, damit Politiker verkünden dürfen, dass alles gut sei. 

Ein Kommentar von Thomas Satinsky

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