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05.12.2016

Kommentare in Österreichs und anderen Zeitungen

Wien (dpa) - Österreichische und internationale Medien kommentieren den Sieg des Grünen-nahen Alexander Van der Bellen bei der Präsidentenwahl:ÖSTERREICH:

«Der Standard»: «Mit Van der Bellen ist auch die Verankerung Österreichs in der EU nicht infrage gestellt. Denn Norbert Hofer hat nicht nur Aussagen zu einem möglichen Austrittsreferendum getroffen, sondern ist auch für eine Annäherung Österreichs an die sogenannten Visegrád-Staaten eingetreten, deren Vertreter wie Ungarns Regierungschef Viktor Orbán für einen autoritären Politikstil und eine Einschränkung demokratischer Rechte, wie sie die polnische Regierung vornimmt, stehen.»

«Die Presse»: «Norbert Hofer erwies sich als fairer Verlierer, er rief seine Fans auf, das Ergebnis zu akzeptieren und Ruhe zu bewahren. Man fragt sich einmal mehr, wie es sein konnte, dass der biedere Burgenländer - Typ: besserer Landespolitiker - zum europäischen Dämon hochstilisiert werden konnte. Wobei er schon einiges selbst dazu beigetragen hat. (...) Norbert Hofer hat aus sich und seiner Partei das Optimum herausgeholt. Letztlich war er im Vergleich zum Konkurrenten mit dem Habitus des Universitätsprofessors zu wenig seriös. Ein Befund, der auf die FPÖ in ihrer Gesamtheit zutrifft.»

«Kurier»: «Schließlich ist interessant, dass sich Österreich von dem Populismus-Trend vieler anderer Länder abgekoppelt hat. Der Brexit hat gezeigt, dass es einem Land schadet, wenn Politiker eine wunderbare Zukunft versprechen und kurz darauf eingestehen müssen, dass sie mit erlogenen Zahlen und Argumenten aufgetreten sind. Und die ersten Entscheidungen von Donald Trump zeigen, dass er sich um seine Wähler einen feuchten Kehricht schert und nur an seine superreichen Buddies denkt. Außerdem suchen die Menschen Stabilität, die bringt weder der Brexit noch Trump, Van der Bellen hat sie signalisiert. Der Populismus ist damit noch nicht vorbei, aber er wird entzaubert.»

«Kronen Zeitung»: «Die Strategie der Angst vor jeder Veränderung ging auf. Norbert Hofer war als Gegenkandidat zu unösterreichisch, einfach zu Trump. Alexander Van der Bellen wird in den ersten Monaten seiner Präsidentschaft jetzt aber Hunderttausenden Hofer-Wählern beweisen müssen, dass er ein Bundespräsident für alle Österreicher sein kann. Seine erste Aufgabe muss sein, diesem starken Lager eine ehrliche Aussöhnung anzubieten. Alles andere wäre katastrophal für unser Land. Wir Österreicher haben nach drei erbitterten Wahlschlachten eine Erholungsphase dringend nötig.»

ITALIEN:

«La Repubblica»: «Van der Bellen Präsident in Österreich. Der Populist Hofer abgestraft»

«Corriere della Sera»: «Der grüne und fortschrittliche Kandidat Alexander Van der Bellen ist also der Sieger der Präsidentenwahl in Österreich.»

«La Stampa»: «Österreich: Der Grüne Van der Bellen gewinnt die Stichwahl. Er ist der neue Präsident.»

«Il Giornale»: «In Österreich gewinnt Van der Bellen, europafreundlicher Einwanderungsbefürworter.»

SCHWEIZ:

«NZZ»: «Das Wahlresultat zeigte den Freiheitlichen, die einer Mehrheitsfähigkeit so nahe kamen wie nie zuvor, ihre Grenzen auf. Das ist auch für Europa ein gutes Zeichen, wo der Aufstieg der Rechtspopulisten in den letzten Monaten geradezu als Naturgesetz erschien.»

FRANKREICH:

«Le Monde»: «Ein Teil der Wählerschaft ist vielleicht aufgeschreckt, um den internationalen Ruf Österreichs zu schützen.» (Online-Ausgabe, «Le Monde» am Sonntagabend)

«Le Figaro»: «Auch wenn sein Amt symbolisch ist, der neue Präsident wird die Aufgabe haben, die Risse, die sich innerhalb der traditionellen politischen Parteien aufgetan haben, wieder zu schließen.» (Sonntagabend)

«Les Echos»: «Die österreichischen Wähler haben die Vorhersagen Lügen gestraft, die prophezeiten, dass sich nach der radikalen Wahl der Briten für einen Brexit und der Wahl von Donald Trump in den USA die populistische Welle in Europa fortsetzen würde.» (Sonntagabend)

GROSSBRITANNIEN:

«The Guardian»: «Der Seufzer der Erleichterung nach dem Sieg Alexander Van der Bellens in der Wahlwiederholung der österreichschen Präsidentenwahlen war in ganz Europa zu hören.»

«The Times»: «Österreich lehnt extreme Rechte ab und stimmt für Grün.»

«Daily Mail»: «Ist Europas Brexit-Revolution vorüber? Schadenfrohe Unterstützer der Linken schwenken Plakate mit «Gott sei Dank», nachdem der rechte Kandidat die österreichischen Präsidentenwahlen verliert, die der EU einen schweren Schlag versetzen sollte.»

SPANIEN:

«El País»: «Der Sieg des progressiven Alexander Van der Bellen über den Kandidaten der extremen Rechten, Norbert Hofer, (...) lädt zum Aufatmen ein, aber er ist auch ein ernsthafter Weckruf für ganz Europa, das nun einige wichtige Lehren aus der Wahl ziehen sollte....In diesem Schicksalsjahr, in dem der Sieg der Demagogie des Brexit auf dem ganzen Kontinent extremistischen und ausländerfeindlichen Reden Flügel verliehen hat, ist die Entscheidung der Österreicher, Van der Bellen zu wählen - vor allem aber, Hofer nicht zu wählen - eine exzellente Nachricht für Europa und für alles, wofür es steht.»

«El Mundo»: «Die Österreicher haben «Nein» zum Populismus gesagt.»

SLOWAKEI:

«Sme»: «Die Gefahr des ersten rechtsextremen Präsidenten an der Spitze eines Staates der Europäischen Union haben die Österreicher ausgebügelt, der freiheitliche Kandidat Norbert Hofer wird nicht Präsident.» (Sonntagabend, Internetausgabe)

«Dennik N»: «Er verteidigt die EU, Homosexuelle und Immigranten. Präsident Österreichs wird das Gegenteil eines europäischen Populisten» (Sonntagabend)

UNGARN:

«Magyar Idök»: «Ob das Staatsoberhaupt Alexander Van der Bellen oder Norbert Hofer heißt - am Wesentlichen ändert das nichts. In Österreich ist nämlich das seit dem Zweiten Weltkrieg bestehende, auf der Großen Koalition von Linken und Rechten gegründete politische System gescheitert.

TSCHECHIEN:

«Lidove noviny»: «Als Norbert Hofer im Mai beinahe die Präsidentenwahl in Österreich gewonnen hätte, war es für Europa ein Schock...Von Mai bis Dezember ist viel geschehen. Die Brexit-Anhänger gewannen das britische Referendum - ein weiterer Schock. Bei den US-Wahlen siegte überraschend Donald Trump - ein noch größerer Schock. Vielleicht nahm das Pendel der Geschichte eine so rasante Bewegung an, dass nun selbst die Anhänger der österreichischen Rechten zurückschreckten.»

USA:

«Washington Post»: «Die Niederlage des österreichischen Rechtsaußen-Kandidaten bei den Präsidentenwahlen ist ein unerwarteter Schub für die EU.»

«New York Times»: «Die Österreicher haben am Sonntag mit ihrer Ablehnung eines rechten Kandidaten für das Präsidentenamt auf einem Kontinent, wo extremistische Politik traditionell zur Katastrophe führt, die Grenzen des Rückenwinds des designierten Präsidenten Donald J. Trump gezeigt.»