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Der Personenspürhund Welpe Fanta der Rasse «Bloodhound» (l) wird am 11.10.2010 mit seinen zwei «Kollegen» Hummel und Hudson (r) der Rasse «Hannöverscher Schweißhund» von Polizeibeamten in Hannover im Arm gehalten.
Der Personenspürhund Welpe Fanta der Rasse «Bloodhound» (l) wird am 11.10.2010 mit seinen zwei «Kollegen» Hummel und Hudson (r) der Rasse «Hannöverscher Schweißhund» von Polizeibeamten in Hannover im Arm gehalten. © dpa
03.08.2015

Kommissar Spürnase - Wie Mantrailer der Polizei helfen

Stendal/Leipzig. Wo ist die kleine Inga aus Schönebeck in Sachsen-Anhalt? Wo ist Elias aus Potsdam? Beide Kinder sind seit Wochen verschwunden, ohne dass die Ermittler einen konkreten Hinweis auf ihren Verbleib haben. Wenn selbst erfahrene Kriminalisten vor Ort keine Spuren mehr finden können, schlägt oft die Stunde der feinsten Spürnasen.

Personensuchhunde, sogenannte Mantrailer, werden jahrelang darauf trainiert, selbst kleine Geruchsspuren von Vermissten noch nach vielen Tagen zu erschnuppern - und diesen zu folgen. Auf der Suche nach beiden Kindern nutzten die Ermittler die Expertenschnüffler, auch wenn bisher ohne großen Erfolg.

In vielen Bundesländern setzt die Polizei inzwischen auf die spezialisierten Vierbeiner. Die Hunde seien bei der Suche nach Vermissten oder Tätern nicht mehr wegzudenken, sagt Karsten Wolff von der niedersächsischen Polizei. «Sie liefern wertvolle Hinweise und zum Teil neue Ermittlungsansätze.» Auch die Kollegen in Bayern haben 17 Mantrailer. «Meist werden Vermisste gesucht - und nicht selten gefunden», berichtet Konrad Ostermeier von der Münchner Polizei. «Zudem helfen die Tiere, um Fluchtwege von Verdächtigen zu rekonstruieren und weggeworfene Tatwerkzeuge zu finden.»

Als Beispiel nennt er eine Vergewaltigung in Pullach bei München. «Ein Hund hat den Geruch des Täters von einem Kleidungsstück aufgenommen, das dieser sicher berührt hatte», erzählt er. Das Tier lief bis zu einer nahen S-Bahn-Station. Über die Bilder der dortigen Überwachungskamera konnte der Verdächtige gefunden werden.

In Potsdam waren etwa zehn Personensuchhunde kurz nach dem Verschwinden des sechsjährigen Elias am 8. Juli tagelang im Einsatz, wie ein Polizeisprecher berichtet. Die Brandenburger Polizei habe keine eigenen Mantrailer. Sie leihe sie nur für spezielle Einsätze von den Berlinern oder von Rettungsdiensten aus. Ein Hund nahm auch eine Spur zu Elias auf, schildert der Sprecher. Doch vergeblich. Es sei nicht sicher, ob die Fährte vom Tag des Verschwindens gestammt habe - oder älter gewesen sei.

Denn die Mantrailer können den Geruch der gesuchten Person tagelang im Freien aufspüren, wie der sächsische Polizist Leif Woidtke weiß. Studien belegen, dass die feinen Nasen in geschlossenen Räumen noch Monate später nachweisen konnten, dass ein Verdächtiger am Tatort war. Wie die Tiere das machen? Woidtke versucht es gerade in Tests für seine Dissertation an der Uni Leipzig herauszufinden.

«Vieles deutet darauf hin, dass der Geruch des Menschen ebenso einmalig ist wie der Fingerabdruck oder die DNA», sagt er. Die häufigste Erklärung sei, dass der Geruch durch Bakterien auf abgestorbenen Hautzellen entstehe. Hautzellen verlören wir ständig. Die Mantrailer nehmen den Geruch wahr.

Bei der Ausbildung setzt die Polizei deshalb auf Hunde mit besonders vielen Riechzellen. Sachsen setzt nur auf Bloodhounds, die 250 bis 300 Millionen Riechzellen besitzen. Vier sind bereits im Einsatz, vier weitere werden derzeit ausgebildet. In Bayern sind neben Bloodhounds auch Jagdhunde wie Weimaraner im Einsatz.

Die Kollegen aus Sachsen-Anhalt suchten gleich mehrfach mit Mantrailern nach der kleinen Inga aus Schönebeck. Sie verschwand vor drei Monaten in einem Wald bei Stendal im Norden des Landes. Direkt nach dem Verschwinden suchten die Hunde vergeblich im Wald nach einer Spur. Wochen später liefen sieben private Mantrailer dann doch los: Im Juni und Juli schnüffelten sie sich von Stendal bis nach Brandenburg und Sachsen bis kurz vor Dresden und legten so Hunderte Kilometer zurück. Ob sie wirklich einer Geruchsspur folgten, konnte die Magdeburger Polizei nicht mit Sicherheit sagen.

Ob die Suche nach Menschen funktioniert, die in Autos sitzen, ist bisher kaum untersucht, sagt Mantrailer-Forscher Woidtke. Weil die Ermittler es im Fall Inga versuchten, will er jetzt in Tests versuchen, die Frage zu beantworten. «Wird durch die Belüftung des Autos überhaupt genug Spurenmaterial nach außen getragen», fragt er sich. Seine Ergebnisse will er im kommenden Jahr vorlegen.