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Plädiert für den Erhalt von Pforzheim als zentrale Bildungsstätte angehender Immobilienkaufleute: Förderer und Gisinger-HV-Geschäftsführer Frank Spittler. Foto: Doris Löffler
Plädiert für den Erhalt von Pforzheim als zentrale Bildungsstätte angehender Immobilienkaufleute: Förderer und Gisinger-HV-Geschäftsführer Frank Spittler. Foto: Doris Löffler © Doris Löffler
14.12.2011

Kompetenzzentrum für die Immobilienwirtschaft

An der Goldstadt führt kein Weg vorbei. Zumindest nicht für jene Auszubildenden, die Kaufmann beziehungsweise Kauffrau in der Immobilienwirtschaft werden wollen oder die den Beruf des Immobilienassistenten wählen. Der einzige Standort in Baden-Württemberg für Lehrlinge dieser Berufe ist an der Fritz-Erler-Schule (FES) in Pforzheim angesiedelt.

Frank Spittler bezeichnet diese Konzentration auf lediglich einen Ausbildungsort im Lande als „optimale Lösung“. Der Geschäftsführer der Gisinger-Hausverwaltung in Freiburg ist einer von mehreren Unterstützern der Pforzheimer FES. Denn auch die südbadische Wohnungswirtschaft ist auf die Fachklassen der FES angewiesen. Weitere Förderer der Pforzheimer Einrichtung sind beispielsweise der Aufzug-Spezialist Haushahn (Stuttgart) oder die Sto AG (Stühlingen), international führender Hersteller von Wärmedämm-Verbundsystemen, Farben, Putzen, Akustiksystemen, Lacken und Beschichtungssystemen. Auch die Württembergische Versicherung engagiert sich bei der Ausbildung in der Immobilienwirtschaft. Sponsoren vor Ort sind die Arlinger Baugenossenschaft, die Baugenossenschaft Huchenfeld, Familienheim Pforzheim, Stadtbau Pforzheim sowie Pforzheimer Bau und Grund – um nur einige zu nennen.

Diese Unternehmen ermöglichen den Berufsschülerinnen und -schülern unter anderem Firmen-Exkursionen und geben ihnen damit Einblick in die Praxis. Hinzu kommen Seminarangebote und sonstige Weiterbildungsmöglichkeiten. „Wir bekommen auch Unterstützung durch die Netzwerke der Firmen untereinander“, sagt Thomas Rinkert. Er ist Abteilungsleiter Kaufmännische Berufsschule an der FES. Frank Spittler beispielsweise sei bei der Weiterempfehlung der Pforzheimer Einrichtung sehr aktiv.

Was schätzt der südbadische Förderer Spittler an der Fritz-Erler-Schule? „Es ist ein Kompetenzzentrum für die Immobilienwirtschaft“, sagt er. Die Lehrer seien offen, an der Branche interessiert und Neuem gegenüber aufgeschlossen. „Das geben sie den Schülerinnen und Schülern auch weiter.“ Ob technische, rechtliche oder kaufmännische Kenntnisse, bis hin zum Vermitteln von sozialer Kompetenz – die Lernenden treffen durch diese baden-württembergische Bündelung auf einen konzentrierten Erfahrungsschatz der Lehrkräfte. Spittler betont: „lch bin deshalb für den Erhalt dieser Landesfachklassen.“

Nicht alle Unternehmen teilen diese Ansicht. Der Grund: Der finanzielle Aufwand für Anfahrt – etwa von Lörrach, Singen oder Crailsheim – und für die Unterkunft der Auszubildenden ist manchen Betrieben zu hoch. Doch Spittler warnt: „Würden wir mehrere Klassen über Baden-Württemberg streuen, könnten wir nicht das geballte Know-how erwarten, wie es die Fritz-Erler-Schule bietet.“ Hinzu komme: „Für uns Sponsoren ist es überschaubarer, wenn wir uns auf ein Förderprojekt konzentrieren können.“ Der Geschäftsführer der Gisinger-Hausverwaltung geht noch weiter. Er wünscht sich eine Unterstützung und Kooperation der landeseigenen L-Bank, um den Immobilienstandort Pforzheim zu kräftigen und auszubauen. „Es ist wichtig, dass die Auszubildenden möglichst früh mit den Förder­instrumenten für die Wohnraumversorgung des Landes in Berührung kommen. Daran müsste auch die jeweilige Landesregierung sowie die landeseigene Staats- und Förder­bank ein großes Interesse haben.“

Erste Ansätze für eine solche Kooperation sind für das kommende Schuljahr geplant, sagt Thomas Rin­kert von der FES. Demnach begin­nen pro Schuljahr rund 180 junge Frauen und Männer aus Baden-Württemberg die Ausbildung zur Immobilienkauffrau beziehungsweise zum Immobilienkaufmann. Alle Auszubildenden erhalten in Pforzheim in sogenannten Landesfachklassen Blockunterricht über mehrere Tage hinweg. Während dieser Zeit sind die Schülerinnen und Schüler in Wohnheimen eingemietet. Von den insgesamt rund 105 Lehrerinnen und Lehrern unterrichten zehn schwerpunktmäßig in der Immobilienwirtschaft. Rinkert: „Es gilt das Expertenprinzip.“

Die Schülerinnen und Schüler erhalten neben dem Pflichtunterricht ein Zusatzangebot in Bautechnik. Denn: Die Immobilienkaufleute hätten zum Beispiel in der Hausverwaltung engen Kontakt zu Handwerksbetrieben, weil in der täglichen Arbeit auch Aufträge ausgeschrieben und vergeben werden müssen. „Deshalb sind neben kaufmännischen Kenntnissen auch Grundkenntnisse in der Bau- und Haustechnik nötig“, sagt Rinkert und fügt hinzu: „Diesen Bedarf versuchen wir auch mit entsprechenden Exkursionen zu Firmen wie Haushahn oder Sto abzudecken.“

Seit dem Schuljahr 2011/2012 besteht laut Rinkert für Immobilienkaufleute „die Möglichkeit, mit dem Abschluss der mittleren Reife parallel zur Berufsausbildung im Rahmen des Blockunterrichts die Fachhochschulreife zu erwerben“. Im abgelaufenen Jahr konnte eine Klasse mit rund 20 Schülerinnen und Schülern gebildet werden. „In diesem Jahr werden die ersten Absolventen diesen Bildungsgang abschließen.“ Rinkert hofft, dass die Pforzheimer Fritz-Erler-Schule „auch in Zukunft den Auszubildenden diesen attraktiven Bildungsgang aus der Immobilienwirtschaft anbieten kann“.