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Die Penisplatte „Schildkröten-Hirschpenistopf“ steht auf einem Tisch des Restaurants „Guolizhuang“ („Kraft im Topf“) in Peking. In diesem Restaurant bewegen sich die Gourmets kulinarisch unter der Gürtellinie und verspeisen tierische Penisse und Hoden.
Die Penisplatte „Schildkröten-Hirschpenistopf“ steht auf einem Tisch des Restaurants „Guolizhuang“ („Kraft im Topf“) in Peking. In diesem Restaurant bewegen sich die Gourmets kulinarisch unter der Gürtellinie und verspeisen tierische Penisse und Hoden. © dpa
26.11.2016

"Kraft im Topf": In Penis-Restaurant kulinarisch unter der Gürtellinie genießen

Krokodilschwanzfilet, Pythonsteak, geröstete oder frittierte Insekten – in deutschen Großstädten ist das nichts Neues mehr. Den Vogel in Sachen tierische Spezialitäten dürfte allerdings ein Restaurant mitten in Peking abschießen, indem dem sich der Gast kulinarisch unterhalb der Gürtellinie bewegt. Hier werden ausschließlich Penisse und Hoden serviert.

Das weltweit erste Penisrestaurant mit Namen „Goulizhuang“ („Kraft im Topf“) wurde 2006 in Peking eröffnet, hat heute allein in Peking vier Filialen und ist nun sogar ins Ausland expandiert, ins Chinatown-Viertel von Atlanta in den USA. Was hierzulande den Liebhaber des Schnitzel-Pommes-Evergreens schaudern und vielleicht sogar schon würgen lässt, klingt für einen Chinesen nicht außergewöhnlich. Wer einmal über einen chinesischen Markt gegangen ist, weiß: Es gibt kaum ein Tier oder einen Körperteil eines Tieres, das Chinesen nicht essen. Zwar politisch unkorrekt, aber erstens bekannt und zweitens nicht ganz so weit weg von der Wahrheit ist das Sprichwort: „Chinesen essen alles mit vier Beinen, außer Tischen und alles, was fliegt, außer Flugzeugen“. Also eben auch das, was da sonst locker unter Männchen baumelt, sich in der Paarungszeit deutlich vergrößern kann oder sich außerhalb der Vermehrungsphasen in Bauchfalten verbirgt.

Die Gründe für den extrem umfangreichen Speisezettel: Oft ist in China das Essen nicht nur reine Nahrung, sondern auch Bestandteil der traditionellen Medizin, mit der man diverse Leiden kurieren oder der schlappen Männlichkeit auf die Sprünge helfen will.

Gerade in Sachen Potenzmittel haben liebeshungrige Chinesen eine völlig andere Denkweise als vergnügungssüchtige Europäer. Während wir hierzulande zur Stärkung der Manneskraft auf Medikamente wie Viagra setzen, vertraut man in China eher Produkten aus tierischen Sex-Vorbildern. Die chinesischen Medizinmischer haben sich im Tierreich umgesehen und genau beobachtet, bei welchen Tierarten es besonders potente Männchen gibt. Wer viel und viele schnackselt, ist reif fürs Pillendöschen und Heilsaftfläschen. Wie etwa der Tiger, der in der Brunftzeit bis zu 50 Mal am Tag Sex haben kann. Oder die Robbenbullen, die über einen ganzen Harem verfügen. Wer am Strand 30 bis 40 Weibchen befriedigt, um dessen Potenz kann es ja wohl nicht allzu schlecht bestellt sein. Wer also einen Tiger- oder Robbenpenis verzehrt, wird sich im Sinne der chinesischen Medizin von dieser animalischen Potenz eine Scheibe abschneiden.

Auf der Speisekarte des „Goulizhuang“ finden sich Gerichte, wie etwa in Scheiben geschnittene Eselspenisse, Schafshoden im Currybett, Hundepenisknochen, übrigens mit Cocktailkirsche garniert, oder Schlangenpenis am Spieß. Klingt für hiesige Geschmäcker eher abschreckend. Ob die Gerichte auf der Karte daher alle geradezu poetische Namen tragen? „Essenz des goldenen Buddha", „Die Wiedergeburt des schönen Phönix“, „Jasminblüte mit 1000 Schichten" oder „Suche nach dem Schatz im Wüstensand" klingen ungleich harmloser.

Die Vorzüge der einzelnen Gerichte sind dabei auf der bunt bebilderten Speisekarte stringent erklärt. So findet sich bei einem Hundepenisgericht für 16 Euro der folgende Satz: „Bei diesem russischen Hund dauert der Geschlechtsakt 48 Stunden, seine Paarungszeit beträgt sieben Monate pro Jahr.“ Ob das nun immer alles so stimmt, mag für liebestolle, aber mit Manneskraftproblemen kämpfende Chinesen zweitrangig sein. Hauptsache, es funktioniert.

Es gibt übrigens auch weibliche Gäste, wenngleich sie deutlich in der Unterzahl sind. Für sie bietet der Verzehr von Penissen aller Art, nach Ansicht der Restaurantbetreiber, einen kleinen, aber nicht zu unterschätzenden Nebeneffekt. So ein „bestes Stück des Männchens“ zwischen den Stäbchen ist gut für die Haut. Allerdings wird den Damen vom Verzehr von Hoden aller Art abgeraten. Die darin enthaltenen männlichen Sexualhormone würden bei den Konsumentinnen auf Dauer zu einer tieferen Stimme oder zu Bartwuchs führen.

Dies ist auch der Grund, warum Jugendlichen unter 15 Jahren der Zutritt zum Penisrestaurant untersagt ist. Erstens dürfte das permanente, alberne Gekichere der hormongestörten Ahnungslosen nervig sein, zweitens befürchtet man, dass die zahlreichen in den Speisen enthaltenen Hormone die natürliche Entwicklung der jungen Menschen durcheinanderbringen könnten. Was das Schmuddelinternet mit seinen Gratisfilmchen nicht schafft, gelingt vielleicht einem Schlangenpenis.

Die Preise im „Guolizhuang“ sind ganz schön gesalzen: Ein Eintopf mit zehn verschiedenen Penis- und Hodensorten kostet 100 Euro, für einen Yak-Penis muss man 180 Euro auf den Tisch legen und ein Seehundpenis ist erst ab 230 Euro erhältlich. Das teuerste Menü des Hauses, das allerdings für sechs Personen gedacht ist, besteht aus acht Platten mit diversen Penis- und Hodensorten und kostet stolze 9000 Euro.

Über Nebenwirkungen wie bei Viagra ist nichts bekannt. Und ob es wirkt? Da muss man wohl ganz genau hinschauen und sorgfältig zwischen Wunschdenken und Realität unterscheiden, was den Tiger im Mann geweckt hat.