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08.08.2013

Kroatiens geplante Adria-Brücke bringt Zoff mit dem Nachbarn Bosnien

Weil Bosnien-Herzegowina einen kleinen Küstenstreifen an der südlichen Adria besitzt, besteht das EU-Mitglied Kroatien aus zwei Landesteilen. Mit einer Brücke soll das Problem gelöst werden. Bosnien läuft Sturm dagegen.

Zagreb/Neum (dpa) - Kroatien ist seit langem zweigeteilt. An der Adria gehört ein etwa 20 Kilometer langer Küstenstreifen zu Bosnien-Herzegowina. Das heißt jetzt in der Hochsaison auch für die vielen Urlauber aus Deutschland, Österreich und Tschechien: Sie müssen von Norden kommend bei der Ortschaft Klek aus Kroatien aus- und weniger als zehn Kilometer Küstenstraße später wieder einreisen. Die Folge: Staus und Wut nicht nur bei Touristen.

Bildergalerie: Zoff um Kroatiens Adria-Brücke

Durch den Beitritt Kroatiens zur EU am 1. Juli hat die Union dieses Problem geerbt. Jetzt ist auch das Unionsgebiet zweigeteilt: ein Riesenteil im Norden - und ein winziger kleiner Teil im Süden Kroatiens mit der Urlauberhochburg Dubrovnik. Die Bewohner Dubrovniks und die rund 120 000 Einwohner im gesamten Südabschnitt klagen seit langem, dass sie nicht durchgehend an das Straßennetz Kroatiens und damit der EU angeschlossen sind. Jetzt soll in diesem Winter sogar noch der wöchentliche Flug nach Frankfurt gestrichen werden. «Dann sitzen wir in der Falle», sagt der Journalist Luka Brailo.

Im Oktober 2007 begann die kroatische Regierung mit dem Bau einer Brücke auf die Halbinsel Peljesac, um mit diesem Trick den bosnischen Korridor bei der Stadt Neum zu umfahren. Freie Fahrt für Einheimische und Urlauber, lautete die Devise. Doch schnell ging dem 300 Millionen Euro teuren Projekt das Geld aus. 2010 wurden die Arbeiten eingestellt. Nach dem EU-Beitritt hoffen die Brückenanhänger, das ist praktisch die gesamte Bevölkerung, auf finanzielle Unterstützung durch Brüssel.

Schon wenige Wochen nach ihrem Einzug ins Europaparlament haben gleich zwei kroatische Abgeordnete die EU-Kommission auf dieses Projekt hingewiesen. Nach Darstellung von Außenministerin Vesna Pusic sieht die Kommission nach einer ersten Machbarkeitsstudie die 2,4 Kilometer lange und 21 Meter breite Brücke sehr positiv. Die in einem Verein zusammengeschlossenen Brückenfans bilden einmal im Jahr eine private Bootskette vom Festland auf die Halbinsel Peljesac, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen.

Sturm gegen das Projekt läuft dagegen Bosnien-Herzegowina. Zwar weigert sich der Bürgermeister von Neum, Zivko Matusko, hartnäckig, mit Journalisten zu sprechen, aber in der Hauptstadt Sarajevo wird dafür umso lauter geklagt: Die Brücke verlege Bosnien den international garantierten Zugang zum offenen Meer. Daneben sei die Brücke durch Wind und Erdbeben gefährdet. Hinter vorgehaltener Hand wird der Widerstand mit den Worten begründet: «Wir werden zur Sackgasse, zum unbedeutenden Wurmfortsatz.»

In Kroatien sind mittlerweile auch die letzten Brückenskeptiker überzeugt. «Ich war einer der größten Gegner dieses Projekts, aber jetzt haben sich die Dinge so geändert, dass ich für die Peljesac-Brücke bin», sagt Kroatiens Regierungschef Zoran Milanovic. Das kroatische Ingenieurbüro Jelic hat noch eine andere Idee. Es schlägt statt einer Brücke den Bau eines Tunnels vor. Das sei mit 78 Millionen Euro deutlich billiger.