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© DPA-Symbolbild
16.03.2016

Lange Haftstrafen - Einbrecher fesseln Ehepaar und klauen Gegenstände im Wert von 1,25 Millionen Euro

München. Den brutalen Raubüberfall auf ein betagtes Sammler-Ehepaar am Tegernsee müssen zwei Brüder mit hohen Haftstrafen büßen. Das Landgericht München sprach die beiden Männer am Mittwoch wegen versuchten Mordes und schweren Raubes schuldig und verhängte gegen sie Haftstrafen von neuneinhalb und zehneinhalb Jahren. Der Anstifter der Tat bekam eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren, ein Hehler erhielt eine Bewährungsstrafe von 22 Monaten. Die Staatsanwaltschaft hatte für die beiden 49 und 42 Jahre alten Hauptangeklagten jeweils lebenslange Haft gefordert.

Am 8. Januar 2014 waren die Brüder abends über die Terrasse in das Haus eingedrungen und hatten den Eigentümer mit Fußtritten verletzt. Sie fesselten den 73 Jahre alten Mann und seine schwer herzkranke 76-jährige Frau mit Kabelbindern an Stühle und befestigten diese an einem Türgriff. Dann durchsuchten sie die Villa, packten Uhren und Schmuck für gut 250 000 Euro sowie Meißner Porzellan aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Wert von mehr als einer Million Euro in vorgefundene Taschen. Bevor sie flüchteten, ließen sie die Rollläden herunter, damit das Paar sich nicht bemerkbar machen konnte. Die Eheleute wurden aus ihrer hilflosen Lage erst nach gut 15 Stunden befreit.

«Sie haben die Opfer ihrem Schicksal überlassen», betonte am Mittwoch der Vorsitzende Martin Rieder. «Es war vom Zufall abhängig, ob die Eheleute überlebten.» Die Angeklagten ließen sich laut Rieder «von rücksichtslosem Gewinnstreben leiten».

Zu dem erhofften Reichtum kamen die Brüder und der Mann, der ihnen den Tipp gegeben hatte, durch den Raub nicht. Ein Teil des Porzellans ging beim Transport entzwei. Der von dem Anstifter als Hehler angeheuerte Kunsthändler aus Hagen bekam kalte Füße. Im Oktober 2014 wurden der Anstifter und der ältere Bruder festgenommen. Den Jüngeren griff die russische Polizei im November 2014 in Smolensk auf.

Den Haupttätern kamen deren umfassende Geständnisse zugute. Auch sei immerhin ein Teil der Beute gefunden und zurückgegeben worden. Die Brüder bekannten sich zur Schadenswiedergutmachung und verpflichteten sich zur Zahlung eines Schmerzensgeldes von 40 000 Euro.

Negativ wirkten sich für die beiden ihre Vorstrafen aus, drei bei dem Jüngeren und neun bei dem Älteren, der deshalb härter verurteilt wurde. Der Anstifter ist sogar in 17 Fällen vorbestraft, deshalb fiel sein Urteil vergleichsweise hoch aus. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.