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Obdachlose haben es im Winter schwer.
Obdachlose haben es im Winter schwer. © dpa
24.01.2013

Lange Kältephasen gefährlich für Obdachlose

Bielefeld (dpa) - Der strenge Frost macht Obdachlosen schwer zu schaffen. Vor allem denen, die Notunterkünfte meiden. Helfer fordern deshalb ein Mindestmaß an menschlicher Würde für diese Schlafstätten.

Lange Kältephasen erhöhen das Risiko für Obdachlose. Darauf hat Geschäftsführer Thomas Specht von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa hingewiesen. «Besonders gefährlich wird es, wenn die Notunterkünfte belegt sind und die Menschen versuchen, sich draußen durchzuschlagen», sagte Specht am Donnerstag. «Zumal, wenn sie dann auch noch Alkohol trinken, um sich warm zu halten.»

Bis zum Wochenende sollen Eistage mit russischer Kälte und Nachttemperaturen bis minus 13 Grad in Deutschland das Wetter bestimmen. Nach Kenntnis des Verbandes ist in diesem Winter bislang ein wohnungsloser Mann erfroren, und zwar in Rostock. Seit 1991 sollen in Deutschland mindestens 274 Obdachlose erfroren sein.

«Versorgungslücken gibt es vor allem im ländlichen Raum», sagte Specht. «Da wird gelegentlich auch der Aufenthalt gesetzeswidrig auf drei Tage begrenzt.» Dabei garantiere Artikel 1 das Grundgesetzes die körperliche Unversehrtheit. «Darum muss jede Kommune für solche Fälle Vorsorge treffen und Plätze vorhalten.»

Aber auch wenn es Notunterkünfte gebe, würden manche Menschen diese meiden. «Das passiert in erster Linie, wenn diese Unterkünfte nicht ein Mindestmaß an menschlicher Würde ermöglichen», sagte Specht. Minimale Vorgaben könnten helfen: «Also kein Schlafsaal mit zehn oder 20 Betten. Es muss verschließbare Schränke geben, Frauen sollten getrennt untergebracht werden.»

Es gebe zwar Obdachlose, die absichtlich auf der Straße blieben, auch bei großer Kälte, sagte Specht. «Die Menschen sollten aber darauf achten, wenn sich die Wohnungslosen in einer Notlage befinden.» Wenn also jemand im Buswartehäuschen nicht auf der Bank sondern auf der Erde liege, eventuell auch noch alkoholisiert, solle man die Polizei oder den Rettungsdienst rufen.