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Der zweite Warnstreik der Lokführer binnen einer Woche hat den Zugverkehr vielerorts ausgebremst. Erst wenige Stunden zuvor hatten die Lufthansa-Piloten ihren Ausstand beendet. Beide Tarifkonflikte bleiben ungelöst. Auch in Italien wurde der Flugverkehr lahmgelegt.
streik © dpa
06.09.2014

Lokführerstreik bremst Bahn - Lotsen verhindern Italien-Flüge

Berlin/Frankfurt/Rom. Nur wenige Stunden nach einem Pilotenstreik bei der Lufthansa hat der zweite Warnstreik der Lokführer binnen einer Woche die Reisepläne von Zehntausenden Bahnfahrern durchkreuzt. In ganz Deutschland behinderte ein dreistündiger Ausstand der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) am Samstag den Schienenverkehr massiv. Etwa 1000 Züge fielen aus oder waren mit stundenlanger Verspätung unterwegs. Nun zeichnen sich im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn längere Streiks ab.

Die GDL wird in den nächsten Tagen voraussichtlich eine Urabstimmung über einen Arbeitskampf einleiten. Das sagte ihr Vorsitzender Claus Weselsky am Samstag in Berlin. Auf Bahnreisende könnten damit bundesweit noch größere Einschränkungen kommen.

Kurz zuvor war bei der Lufthansa am späten Freitagabend ein sechsstündiger Pilotenstreik zu Ende gegangen. Der Betrieb am Frankfurter Flughafen lief am Samstag zum Großteil dann wieder planmäßig. Von und nach Italien wurden jedoch mehr als 100 Flüge gestrichen. Der Grund: ein Fluglotsenstreik in dem Land. So fielen allein am Flughafen Rom-Fiumicino laut Nachrichtenagentur Ansa über 50 Verbindungen aus, weil Mitarbeiter der italienischen Flugsicherung am Nachmittag für vier Stunden ihre Arbeit niedergelegt hatten.

Bei der Deutschen Bahn dauerte der Warnstreik von 6.00 bis 9.00 Uhr. In dieser Zeit war der Zugverkehr «bundesweit stark beeinträchtigt, kam jedoch nicht komplett zum Stillstand», wie das Unternehmen mitteilte. Nach Darstellung der GDL fuhren 90 Prozent aller Züge nicht oder hatten große Verspätungen.

Unklar war, inwieweit sich auch Zugbegleiter an dem Warnstreik beteiligten. Die GDL will in der laufenden Tarifrunde auch deren Belange vertreten und macht damit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) Konkurrenz. Nach Angaben der Bahn waren 90 Prozent der Streikteilnehmer Lokführer.

Die GDL verlangt von der Bahn für das gesamte Zugpersonal 5,0 Prozent mehr Geld und eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit. Sie kritisiert eine hohe Zahl an Überstunden, die nicht abgebaut werde, weil die Bahn zu wenig Personal einstelle. Der bundeseigene Konzern bietet bislang nur den Lokführern eine Einkommenserhöhung um 1,9 Prozent.

Sollte die Bahn kein besseres Angebot mehr vorlegen, werde der GDL-Hauptvorstand in der kommenden Woche wohl die Urabstimmung beschließen, sagte Weselsky. «Die nimmt alles in allem womöglich 14 Tage Zeit in Anspruch. Danach sind wir in der Lage und auch bereit, weitere Arbeitskampfmaßnahmen durchzuführen, die dann durchaus länger sein können», kündigte er an. Nach dpa-Informationen will die GDL auf weitere Warnstreiks verzichten, solange die Urabstimmung läuft.

Von dem zweiten Lokführer-Warnstreik innerhalb von sechs Tagen waren nach Bahn-Angaben vor allem der Nahverkehr, aber auch Fern- und Güterzüge betroffen. Die Schwerpunkte lagen demzufolge im Norden Deutschlands, in Berlin, in der Region Leipzig sowie punktuell in Nordrhein-Westfalen und in Bayern. Stark ausgedünnt war auch der S-Bahn-Verkehr in Berlin, Hamburg und anderen Städten.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte am Freitag von 17.00 bis 23.00 Uhr Kurz- und Mittelstreckenflüge der Lufthansa bestreikt, die in Frankfurt starten. Insgesamt waren dadurch 218 Verbindungen ausgefallen, 26 000 Passagiere waren an Deutschlands größtem Airport von den Streichungen betroffen.

«Der Streik war ein voller Erfolg», sagte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg am Samstag. Durch die Flugausfälle sei wirtschaftlicher Druck auf das Unternehmen entstanden. «Das war das Ziel der Streikmaßnahmen.» Nach ersten Schätzungen der Lufthansa dürften durch den Arbeitskampf Kosten von «einigen Millionen Euro» entstanden sein.