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23.06.2008

„Man kommt nicht rein in die Stadt – und nicht raus“

Alexander Hoch mag Pizza, aber keinen Fußball. Das ist gut so, denn der 24-jährige Schüler muss hart arbeiten, während andere vor dem Fernseher sitzen und Tore bejubeln. PZ-Mitarbeiterin Nicole Biesinger hat sich mit ihm über seinen Job als Pizzabote bei „Hallo Pizza“ zu EM-Zeiten in Pforzheim unterhalten.

Pforzheimer Zeitung: Herr Hoch, mögen Sie Pizza?
Alexander Hoch: (lacht) Ja natürlich, leidenschaftlich sogar.

PZ: Welche besonders?
Hoch: Ich stell' sie mir selbst zusammen. Da kommt Brokkoli, Hackfleisch, gekochtes Ei und Sauce hollandaise drauf.

PZ: Warum mögen die Deutschen Pizza so sehr und lassen sich gerne beliefern?
Hoch: Ich denke, weil die Vielfalt eine wichtige Rolle spielt. Auf eine Pizza kann man alles drauf machen. Pizza gibt es in allen Variationen, herzhaft oder leicht süß. Es ist einfach und schnell zuzubereiten. Eine Pizza ist in fünf Minuten fertig. Anders als Kotelett mit Kartoffeln.

PZ: Aber dann könnte man Pizza ja auch gut selbst machen und müsste sich nicht beliefern lassen.
Hoch: Das könnte man zwar auch, aber ich muss ganz ehrlich sagen: Ich versuch manchmal Pizza selbst zu machen. Sie schmeckt einfach nicht so, wie bei uns im Laden. Da gibt es viele Raffinessen und kleine Tricks.

PZ: Wird Ihr Lieferservice während der EM verstärkt genutzt?
Hoch: Ja. Wir haben auch Probleme durch die EM. Sobald ein Spiel vorbei ist, wird der Verkehr in der Stadt lahm gelegt. Das heißt, wir bekommen Lieferprobleme. Zur EM sind wir auch übermäßig ausgebucht. Täglich sind zehn bis zwölf Fahrer unterwegs. Normalerweise sind wir höchstens acht. Beim letzten Deutschland-Spiel haben wir eine Stunde pro Tour gebraucht. Man kommt in der Stadt einfach nicht rein und nicht raus.

PZ: Wirkt sich die Zusammensetzung der Spielbegegnungen, also je nachdem welche Kultur spielt, auch auf den Pizzabelag aus?
Hoch: Ich glaube, das ist für uns schwer nachvollziehbar, denn es wird ja immer gefeiert. Da habe ich bisher keinen Unterschied bemerkt.

PZ: Und bei Italien-Spielen wird auch nicht verstärkt Pizza bestellt?
Hoch: Nein. Egal wer spielt, es ist einfach total viel los. 270 Bestellungen pro Abend sind schon enorm.

PZ: Welches war denn Ihr lustigster Einsatz?
Hoch: Einmal hat eine Frau angerufen und mich nach Büchenfeld bestellt. Nun wusste ich nicht, meint sie Büchenbronn oder Birkenfeld. Sie hat sich dann für Birkenfeld entschieden und ich fuhr dorthin. Fand allerdings die Straße nicht. Also war es wohl doch Büchenbronn und ich fuhr auf die Höhe. Auch dort fand ich nichts. Am Ende kam raus, dass es der Arlinger war, wo ich hin sollte. Ich bin für eine Pizza 30 Kilometer gefahren. Das waren eineinhalb Stunden.

PZ: Kam die Pizza noch warm an?
Hoch: Ein bisschen Restwärme war noch drin und dann musste ich mich auch noch von dem Mann beschimpfen lassen, der sie angenommen hat. Weil er solange warten musste.

PZ: Was erlebt man denn so, wenn man vor den Türen steht?
Hoch: Es gibt alles. Man sieht unheimlich teure Wohnungen von innen. Dann gibt es Leute, die haben keinen Strom zu Hause. Da funktioniert nicht mal die Klingel, aber sie bestellen jeden zweiten Tag Pizza.

PZ: Wurden Sie selbst schon mal zu einer Pizza eingeladen?
Hoch: Nein, ich werde aber immer wieder zu Bier und anderen alkoholischen Getränken eingeladen. Gerade bei der EM feiern oft viele Jugendliche in meinem Alter gemeinsam und da würde man schon gerne mitfeiern. Aber das geht leider nicht.

PZ: Sind Sie Fußballfan?
Hoch: (guckt entschuldigend) Nein, leider kein Stück. Aber ich kann die Euphorie nachvollziehen.

PZ: Dann kann ich Sie jetzt auch nicht fragen, wer Europameister wird?
Hoch: Ach, ich gönne es Deutschland. Ein bisschen muss man ja zu seinem Land stehen.