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Menschen bringen Blumen und Kerzen an den Albert Square in Manchester. Foto: Emilio Morenatti
Menschen bringen Blumen und Kerzen an den Albert Square in Manchester. Foto: Emilio Morenatti
24.05.2017

Manchester-Attentäter soll IS-Kontakt gehabt haben

Manchester (dpa) - Der Attentäter von Manchester ist vor dem Anschlag mit mindestens 22 Todesopfern wahrscheinlich nach Syrien gereist und soll Verbindungen zur Terrormiliz IS gehabt haben. Das sagte Frankreichs Innenminister Gérard Collomb unter Berufung auf britische Ermittler.Die Polizei in Manchester nahm drei weitere Männer im Zusammenhang mit dem Anschlag fest. Bereits am Vortag hatte sie einen 23-Jährigen gefasst und mehrere Häuser durchsucht. Der IS hatte nach dem Anschlag behauptet, der Attentäter Salman Abedi

sei ihr «Soldat» gewesen.

Der Brite libyscher Herkunft habe sich «nach einer Reise nach Libyen und dann wahrscheinlich nach Syrien radikalisiert», sagte der französische Innenminister Collomb dem Sender BFMTV.

Verbindungen zum IS seien «erwiesen». Die britische Innenministerin Amber Rudd betonte dagegen, eine Verbindung zum Islamischen Staat sei

nicht bewiesen. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf die Frage, ob Salman Abedi Teil eines Terrornetzwerkes war.

Der 22-Jährige war dem britischen Geheimdienst bekannt, wie Rudd sagte. Sie zeigte sich gegenüber dem Sender Radio 4 verärgert darüber, dass in den USA Details über den Anschlag auf Besucher eines Popkonzerts an Medien durchgestochen worden waren. «Ich habe unseren Freunden ganz klar gesagt, dass das nicht nochmal passieren sollte», sagte Rudd.

Abedi hatte am Montagabend mit einem selbstgebauten Sprengsatz sich selbst und 22 weitere Menschen getötet. Dutzende wurden verletzt, unter den Opfern waren viele Kinder und Jugendliche. Das bisher jüngste bekannte Todesopfer ist ein achtjähriges Mädchen.

Am zweiten Tag nach dem Anschlag waren nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörden noch 20 Menschen in kritischem Zustand. Einem deutschen Arzt zufolge, der in Manchester arbeitet, enthielt die Bombe Nägel. Etliche Opfer hätten auch Schädel-Hirn-Verletzungen, sagte der Neurologe Stefan Schumacher dem Südwestrundfunk (SWR).

Berichten zufolge war Abedi ein Sohn libyscher Flüchtlinge. Er sei 1994

in Manchester geboren worden und habe in der nordenglischen Stadt studiert.

Seine Familie soll sehr religiös gewesen sein und sich in einer Moschee der Stadt engagiert haben. Einige Familienmitglieder sollen kürzlich nach Libyen zurückgekehrt sein.

Das britische Sicherheitskabinett wollte sich an diesem Mittwoch erneut zu einer Krisensitzung treffen. Großbritannien rief nach dem Angriff auf ein Konzert der US-Sängerin Ariana Grande erstmals seit 2007 die höchste Terrorwarnstufe aus. Die Polizei erhält daher Hilfe vom Militär.

Der weltberühmte Wachwechsel vor dem Buckingham-Palast wurde für Mittwoch abgesagt, um Personal für anderen Aufgaben freuzustellen. Der Anschlag vom Montag war der schwerste in Großbritannien seit 2005, als Attentäter in der Londoner U-Bahn und in einem Bus insgesamt 56 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt hatten.

Die Bundesbehörden in ganz Deutschland setzten ihre Flaggen am Mittwoch auf halbmast. Auch mehrere Landesregierungen ordneten für ihre Behörden Trauerbeflaggung an. In einem Kondolenzschreiben an Großbritanniens Innenministerin Theresa May zeigte Bundeskanzlerin Angela Merkel sich beeindruckt von Gesten der Mitmenschlichkeit in Manchester, wo viele Bürger den Opfern geholfen hatten. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier trug sich in der britischen Botschaft in Berlin in das Kondolenzbuch für die Opfer des Terroranschlags ein, am Mittag wurde dort auch Merkel erwartet.

Nach dem Anschlag hat Großbritannien erstmals seit zehn Jahren die Terrorwarnstufe auf das höchste Niveau («critical threat level») angehoben. Das Gemeinsame Terrorabwehrzentrum JTAC traf diese Entscheidung, weil es ein unmittelbar bevorstehendes weiteres Attentat für möglich hält.

Das Militär kann nun die Polizei bei Wachaufgaben entlasten und so mehr Polizeistreifen ermöglichen. Auch bei Großereignissen wie Konzerten oder Sportveranstaltungen können Soldaten die Beamten unterstützen. Die militärischen Kräfte stehen dabei unter dem Kommando der Polizei.