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Die britische Premierministerin Theresa May plant eine schärfere Überwachung von Internet und Messengerdiensten. Foto: A
Die britische Premierministerin Theresa May plant eine schärfere Überwachung von Internet und Messengerdiensten. Foto: Andrew Matthews
05.06.2017

May will den radikalen Islamismus «ausrotten»

London (dpa) - Zuletzt traf es das Herz von London: Nach drei schweren Terroranschlägen in kurzer Folge schlägt Großbritannien einen deutlich härteren Kurs gegen den radikalen Islamismus ein. «Jetzt reicht's», sagte Premierministerin Theresa May nach dem Anschlag vom Pfingstwochenende mit sieben Toten.Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich. Die Regierungschefin kündigte an, sie wolle den Extremismus in der britischen Gesellschaft «ausrotten».

May plant unter anderem eine schärfere Überwachung von Internet und Messengerdiensten: «Wir können und wir dürfen nicht so tun, als ob alles einfach so weitergehen könnte. Etwas muss sich ändern.»

Die Briten wählen am Donnerstag ein neues Parlament. Ein Gedenkkonzert mit 50.000 Besuchern setzte in Manchester ein Zeichen gegen Terror.

Drei Männer hatten am Samstagabend im Zentrum Londons Menschen mit einem Lieferwagen und langen Messern attackiert und dabei sieben Passanten getötet und rund 50 weitere teils schwer verletzt. Die Angreifer wurden von Polizisten erschossen - vom Notruf bis zu ihrer Tötung vergingen nur acht Minuten. Unter den Verletzten waren laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) auch zwei Deutsche.

Es war

das dritte Attentat binnen drei Monaten in Großbritannien und das zweite in London - alle drei hat der IS für sich in Anspruch genommen: In Manchester hatte im Mai ein Selbstmordattentäter nach einem Auftritt der US-Sängerin Ariana Grande 22 Menschen getötet. Ende März war ein Mann auf der Westminster-Brücke in London mit hohem Tempo in Fußgänger gefahren. Anschließend tötete er mit einem Messer einen unbewaffneten Polizisten. Sechs Menschen starben.

Bei einem Benefizkonzert in der nordenglischen Stadt gedachte Grande am Sonntagabend mit Kollegen wie Miley Cyrus und Justin Bieber sowie 50.000 Zuschauern der Opfer des Anschlags von Manchester.

Die Polizei hat die drei toten Attentäter nach dem jüngsten Anschlag identifiziert. Die Namen würden veröffentlicht, «sobald es die Ermittlungen erlauben», teilte die Londoner Polizei am Montag mit. Jetzt gehe es darum, herauszufinden, ob die Männer weitere Helfer bei der Planung des Anschlags gehabt hätten, sagte Polizeichefin Cressida Dick. Bereits wenige Stunden nach dem Anschlag gab es im Osten Londons zwölf Festnahmen, weitere Verdächtige wurden am Montag inhaftiert.

«Wir werden diese Feiglinge nie gewinnen lassen, und wir werden uns nie vom Terrorismus einschüchtern lassen», sagte Londons Bürgermeister Sadiq Khan mit Blick auf die Attentäter.

Premierministerin May stellte einen Vier-Punkte-Plan vor, der sich auch gegen den radikalen Islamismus richtet. «Wir müssen viel stärker daran arbeiten, ihn zu erkennen und ihn aus dem öffentlichen Dienst und der Gesellschaft auszurotten.» Mit dem Begriff «öffentlicher Dienst» spricht May vermutlich das Schulwesen an. Es gebe «viel zuviel Toleranz für Extremismus in unserem Land», sagte sie.

Facebook versicherte, das weltgrößte Online-Netzwerk wolle eine «feindselige Umgebung» für Terroristen sein. «Mit einer Mischung aus Technologie und Aufsicht durch Menschen arbeiten wir aggressiv daran, terroristische Inhalte von unserer Plattform zu entfernen, sobald wir von ihnen erfahren», sagte Facebooks Politik-Chef Simon Milner.

US-Präsident Donald Trump sagte Großbritannien «unerschütterliche Unterstützung» zu. Zugleich betonte er seine Entschlossenheit, die USA mit allen nötigen Mitteln vor terroristischen Attacken zu schützen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich kurz nach der Tat betroffen: «Wir sind heute über alle Grenzen hinweg im Entsetzen und der Trauer vereint.»

Dschihad im Ramadan:

Der Ramadan gilt unter Muslimen eigentlich als eine Zeit des Friedens und der Enthaltsamkeit. Der Fastenmonat gehört im Islam zu den drei Monaten, in denen Kriege eigentlich verboten sind. Er begann in diesem Jahr am 27. Mai und endet am 24. Juni.

Dschihadisten wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) rufen ihre Anhänger in dieser Zeit hingegen ausdrücklich zum Kampf und zu Anschlägen auf. Sie sehen sich damit in der Tradition des Propheten Mohammed, der eine seiner wichtigsten Schlachten im Ramadan geführt hatte. Islamische Extremisten gehen davon aus, dass ein Märtyrertod im Ramadan den Kämpfern im «Heiligen» Krieg die höchsten und besten Plätze im Paradies beschert.

Einer der blutigsten Anschläge im Ramadan liegt nur etwa ein Jahr zurück: Ende Juni 2016 sprengten sich am Istanbuler Atatürk-Flughafen drei Attentäter in die Luft und rissen 45 Menschen mit in den Tod. Dann folgte die Horrornacht in Bangladesch, als bei einer Geiselnahme 28 Menschen starben. Schließlich detonierte in Bagdad eine gewaltige Autobombe und zerstörte ein Einkaufszentrum. Mehr als 200 Menschen starben.