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Medien: VfL Wolfsburg trennt sich von Magath - Köstner übernimmt © dpa
25.10.2012

Medien: VfL Wolfsburg trennt sich von Magath

Wolfsburg (dpa) - Die einstige Traumehe endete im Desaster. 1251 Tage nachdem Felix Magath den VfL Wolfsburg als Meistermacher zum ersten Mal verlassen hatte, brauste der frühere VW-Liebling am Donnerstagmittag erneut vom Vereinsgelände - ohne Statement, auch seine Mobiltelefone waren ausgeschaltet.

Diesmal fuhr Magath als beurlaubter Coach des Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga von dannen. Die Stimmung in der Autostadt hatte sich längst gegen ihn gewendet. Stattdessen sitzt am Samstag in Düsseldorf nun der von den Fans geforderte Lorenz-Günther Köstner als Interimscoach auf der Bank.

«Wir sind nach vier, fünf Tagen intensiver Analyse gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass es für den Verein besser ist, sich zu trennen», erklärte Aufsichtsratschef Francisco Javier Garcia Sanz. Demnach soll Magath um 12.00 Uhr, als er zum Gespräch zitiert worden war, selbst eine Trennung vorgeschlagen haben. «Er wollte nicht, dass der Verein weiter in Mitleidenschaft gezogen wird», sagte Garcia Sanz. Es schien, als hätte Magath den zweiten Abgang gar nicht mehr erwarten können. Möglicherweise hatte der 59-Jährige gespürt, dass er beim hoch ambitionierten, aber seit 2009 chronisch erfolglosen VfL trotz teils großer Investitionen nichts mehr bewirken konnte.

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hatte Magath am 18. März 2011 - kurz nach dessen Trennung von Schalke 04 im Unfrieden - im Alleingang und in höchster Abstiegsnot zum VfL zurückgeholt. Nun ließ er Magath fallen. Zudem soll sich der Spielerrat des von ständigen Personalwechseln völlig verunsicherten Teams am Donnerstag gegen Magath ausgesprochen haben. Garcia Sanz bekräftigte indes, dass «einzig der Tabellenstand» nach zuletzt vier Niederlagen und 0:10 Toren zu der Entscheidung geführt habe. «Die Mannschaft war vorher in der Pflicht, und sie ist jetzt in der Pflicht.»

Das Team hatte Magath seit seinem zweiten Amtsantritt vor 19 Monaten in drei Transferperioden für rund 71 Millionen Euro umgebaut. Ohne Erfolg - von den 26 extern verpflichteten Spielern sind 8 schon nicht mehr da, ein Großteil spielte zudem zuletzt keine Rolle mehr. Spieler wie Kapitän Diego Benaglio gaben die Verunsicherung unumwunden zu. Noch im Sommer war VW davon überzeugt, beim VfL den nach Bayern München und Borussia Dortmund besten Bundesliga-Kader und das Zeug für die Champions League zu haben. Nach acht Spieltagen ist der VfL dagegen zum ersten Mal seit 2006 wieder Bundesliga-Letzter.

Wie schon 2010, als Köstner den VfL nach der damaligen Beurlaubung von Armin Veh schon einmal für ein knappes halbes Jahr übernommen hatte, soll der 61-Jährige die Niedersachsen nun wieder stabilisieren. Als der Amateurcoach gegen 16.07 Uhr auf das nasskalte Trainingsgelände schritt, begrüßte er einige Medienvertreter bereits wie alte Bekannte. Das Training selbst unterschied sich zunächst nicht von dem seines Vorgängers. Fraglich ist, ob der von Magath beim 0:2 gegen Freiburg auf die Bank verbannte Diego am Samstag bei der Fortuna wieder eine Chance von Beginn an bekommt.

Bei Köstners vorheriger Amtsübernahme kickte der VfL immerhin noch in der Europa League. Von dem VW-Credo «Da, wo VW drauf steht, müssen wir auch vorne dabei sein», scheint der VfL Wolfsburg inzwischen mehr denn je entfernt. Ob Köstner möglicherweise dauerhaft eine Chance bekommt, ist eher unwahrscheinlich. «Dafür ist es jetzt noch zu früh», sagte Garcia Sanz. Bei VW muss man sich nun erst einmal Gedanken machen, wie es nach dem Aus von Magath nun weitergeht.

Immerhin war der 59-Jährige im sportlichen Bereich als Trainer, Manager und Geschäftsführer der alleinige Macher. «Wir werden uns in den nächsten Tagen Gedanken machen, wie die Struktur künftig aussehen soll», sagte Garcia Sanz. Nach Angaben von «Bild.de» ist Christian Nerlinger als künftiger Manager im Gespräch.