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03.11.2009

Mein erstes Mal

Mein erstes Mal kam völlig unverhofft. Seit Jahren schon will ich mich gegen die Grippe impfen lassen - und seit Jahren schon finde ich immer wieder neue Ausreden. Aber als ich dann am Montagmittag spontan einer Kollegin ausgeholfen habe und deshalb zufällig mitten im Zentrum der institutionalisierten Grippeimpfungsbefürworter stand, blieb mir keine andere Wahl.

Wer für PZ-news arbeitet, muss auf alles gefasst sein. Und alles mitmachen. Insbesondere dann, wenn es gilt, für ein Video die passenden Bilder zu finden. Und was bietet sich an, wenn man im Gesundheitsamt des Enzkreises an der Bahnhofstraße in Pforzheim ein Interview zum Thema Schweinegrippe und Grippeimpfung machen muss? Richtig! Da muss man zeigen, wie eine Spritze in den Oberarm gestochen - pardon: intramuskulär injiziert (klingt vornehmer und weniger schmerzhaft) - wird.

Weil ein Online-Redakteur keinen Schmerz kennt, biete ich mich natürlich sofort als Impfopfer an. Und Lidia Tschausowa opfert sich ebenfalls. Im ganzen Gesundheitsamt gibt es nur noch eine Dosis Impfstoff - und genau dieses Dosis war für die Kinderärztin bestimmt. Doch Lidia Tschausowa vertraut darauf, dass das Gesundheitsamt nächste Woche wieder ein paar neue Impfstoff-Ampullen bekommt und sie selbst bis dahin von der Schweinegrippe verschont bleibt.

"Locker lassen. Gaaaaanz locker lassen", predigt die Kinderärztin auf mich ein. Doch da ist es schon zu spät. Die Angst vor Nadeln scheint meine nicht übermäßig definierten und von Fitnessstudio-Hanteln verschont gebliebenen Oberarmmuskeln extrem zu verhärten. Aber Lidia Tschausowa weiß, wie man die harten Kerle mit dem weichen Kern spritzengerecht hinbiegt: Ein bisschen auf den Arm und die Hand tätscheln, gewinnend und unschuldig lächeln, noch einmal ein sanftes "Locker lassen. Gaaaaanz locker lassen" nachschieben und dann unvermittelt und ohne Vorwarnung den Pieks setzen.

Abwischen, Pflaster drauf, fertig. Gesundheitsamts-Leiterin Roswitha Kull beruhigt. Von all ihren Mitarbeitern gab es nur bei einer Kollegin eine minimale Beschwerde nach der Grippeimpfung. Nichts Schlimmes. Nur ein dicker Oberarm. Aber dicke Oberarme habe ich ja sowieso schon.

Morgen weiß ich mehr. Bis zum Feierabend in der Redaktion lief noch alles gut. Und wenn ich die Nacht überlebe, werde ich wohl ein paar Kollegen davon überzeugt haben, dass so eine Impfung gegen die Schweinegrippe für echte Männer nur ein Klacks ist. Nur Kollegin Carolin Ulbrich hat mich völlig verständnislos angesehen und dann ausgelacht. Soll die Impfverweigerin doch die Schweinegrippe kriegen. Dann lache ich.

Thomas Kurtz